Widerstand durch Verfremdung vs. Duden-Infusion

Lehrgedicht

von  adlibitum

Die Hartgesottenen waren im Literaturforum eine mächtige, aber verhältnismäßig kleine Gruppe. Es gab Mitglieder, die sie mit Ehrfurcht bedachten und das Gehabe mit Anspruch verwechselten. Es gab Mitglieder, die ihre Abwertungsattacken fürchteten. Es gab solche, die sie angriffen, manche sogar authentisch verletzlich, andere versuchten, sich deren Abwertungsstil anzueignen und ihn umzudrehen. Das funktionierte eher nicht. 


Als ich mich tora nannte, veröffentlichte ich im Forum folgenden Text:


Seel und Zahn und Bauch

Die doktorn mir gebten ein schlauch durch mein hals in mein bauch für die nährung gegen mein arbeitsleistung. „Wir müssten gesund sein, mädchen“, sagten die doktorn, „wir müssten nicht totgehen jung“. Ich reissten die schlauch aus mein bauch. „Wir müssten frei sein, doktorchen“ sagten ich gegen die doktorn. „Es ist mein arbeit. Ich bin ein gut arbeiterin“. Die doktorn mir bindeten die händen und stopften die nährung in die leeren von mein bauch. Die nährung war voll mit die machtige worten und die verrichtigten gesätzen aus die sprachleere. Es war eine ganze zusammengekniggte DUDEN, die man mir schlucken machen wollte.

 

Ich war viel monaten in den bette gebunden auf die rücken in ein allweiß raum mit weiß wanden und weiß decke und boden; und waren auch die lichte von die sonne weiß, die gefielen durch die gegitterten fenstern. Es war zwischen die himmel oder die leben. Ich wissten nicht, wohin ich würden herauskommen. Die doktorn waren weiß auch. In sein kittel und sein schuh und sein haut und haar, und sein mund war versteckten hinter ein weiß busch. „Du bist ein weiß auch“, sagten die doktorn. Ich geschüttelten mein kopf. Oh! Ich wollten geschütteln mein ganz körpern in mein wut, aber die gebundenheit in den bette gehinderten mir mein rührung. „Ich verstehen nicht dein geweiger. Dein vaters land sei das DEUTSCH LAND und dein mutters sprach sei das DEUTSCH sprach“, sagten die doktorn mit sein zeigfinger in die höh. „Das ist ein täuschung. Mein vaters land ist ein wüste der lüge und mein mutters sprach ist ein gefurcht und ein geflucht“, widergesprechten ich. „Aber es seien die sprach von die GOTTE und die MANN und die LUTTER!“, sagten die doktorn gewichtig. Ich verhörten vielen diesen worten gekommen von hinter seine busch und suchte zu schauen in seine mund nach die zähnen.


Außer den Hartgesottenen gab es noch viele andere Grüppchen und größere. Die Rechtschreib- und Grammatikgruppe war besonders mitgliederstark. Verstöße gegen die verbindlichen Konventionen nahmen sie als persönlichen Affront, als Anschlag auf den Anstand. Sie sanktionierten sie mit Zeigefingern unter solchen Texten, in denen sie Abweichungen von der Konvention ausmachten. Ich hatte oft den Eindruck, es ginge dabei vor allem darum, die eigene Konventionsbeherrschung der Öffentlichkeit vorzuführen, sonst hätten sie die Korrektur dem Konventionsbrecher auch im Verborgenen mitteilen können.


Ich wusste, dass ich für Seel und Zahn und Bauch von dieser Gruppe mit Empörung überschüttet würde. Und so kam es. 


Die Farbe des ersten Abschnitts von Seel und Zahn und Bauch ist ein klinisches Weiß, das in ein gleißendes Licht getaucht ist. Der Rhythmus ist durch das häufige Vorziehen des Verbs getragen und schlaufenartig. Obwohl der Rhythmus frei ist, gibt es eine Tendenz zum Trochäus, die subtil aus dem Hintergrund wirkt. Die Verzerrung der Konjugationen wie gefielen statt fiel, und die Alltiterationen ergeben einen runden, weichen Klang. 


Seel und Zahn und Bauch ist ein politischer Text. Er wendet sich gegen Konventionsgewalt. Dies zeigt sich auch in Wortspielen. Durch Missachtung der deutschen Rechtschreibung werden Kofferwörter gebildet. Zum Beispiel Gesätzen = Gesetze und Sätze oder zusammengekniggte Duden = knicken und Knigge, der Duden wird zum Knigge. 



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Kommentare zu diesem Text


 EVdR (28.05.26, 11:52)
Ein weiteres starkes, unbarmherziges Werk! 

Avantgarde , Art Brut, alles was aus dem Rahmen fällt, ist UNKunst! 
Die Spiele einer "Gemeinschaft" fein seziert.

 adlibitum meinte dazu am 28.05.26 um 12:24:
Ja, interessant oder, dass eine Erwartungshaltung an eine Form so sehr enttäuscht werden kann, dass eine Formanalyse gar nicht mehr möglich ist!

 Schtzngrrrrm antwortete darauf am 28.05.26 um 12:57:
FÜR DIESE SPEZIFISCHE FORM HAST DU MIT EVDR EINEN DER RAR GESÄTEN LESER MIT VERSTÄNDNIS FÜR EXPERIMENTELLE FORMEN!

 EVdR schrieb daraufhin am 28.05.26 um 15:19:
@ Schtzngrrrrm

Das ist nicht ganz treffend. Weder in Bezug auf die Form, noch auf den Stil.

Die Texte sind keine akademisch durchdachten „experimentellen Formen“. Es sind vielmehr Fragmente. Sie verzichten nach Möglichkeit ganz bewusst auf vollständige Sät⁷ze, weil die rohe Realität dahinter sich gar nicht erst in ein klassisches Satzgefüge pressen lässt. Es geht hier nicht um ein formelles Experiment, sondern um das nackte Fragmentarische.

EVdR 
und der Mensch dahinter und an der Seite
(Der Mensch nur ein Handlanger ...!)

 Schtzngrrrrm äußerte darauf am 28.05.26 um 18:40:
DARAUF MUSS DER VERFASSER ANTWORTEN. ICH ALS LESER FINDE DIESER TEXT BRICHT ZWAR MIT DER NORM, IST JEDOCH FORMAL SEHR REGELMÄßIG, ER FOLGT SEINER EIGENEN FORMVORGABE. 

 EVdR ergänzte dazu am 28.05.26 um 20:54:
@ Schtzngrrrrm

Der Versuch, hier nachträglich eine komparative Symmetrie zwischen meinen Anmerkungen und der Werkstruktur des Autors zu konstruieren, verfehlt die Dimension dieser Lehrgedichte fundamental, wie ich meine. Du flüchtest dich in die klassische Deskription von „Formvorgaben“, um das eigentliche Phänomen zu ignorieren, das hier seziert wird: die Konventionsgewalt und die systemischen Abwertungsattacken innerhalb einer vermeintlichen „Gemeinschaft“.

Wenn der Autor beschreibt, wie die Rechtschreib- und Grammatikfraktion Abweichungen als persönlichen Affront sanktioniert, um die eigene Konventionsbeherrschung öffentlich vorzuführen, dann wäre es hier gerade das perfekte Anschauungsmaterial.

Du versuchst, das Ungebundene, das Fragmentarische und die nackte Realität sofort wieder in ein normiertes Korsett zu pressen und den Verfasser als Schiedsrichter zu instrumentalisieren.

Diese Nötigung zur akademischen Harmonisierung ist genau der „Duden-Knigge“-Reflex, den der Text entlarvt. Wer Autonomie und das radikale Fragment mit einer mathematisch regelmäßigen Formvorgabe verwechselt, hat die soziologische Demontage dieser Forenspielchen schlicht nicht begriffen. Ich bleibe dabei: Der Mensch ist hier nur Handlanger der Texte (EVdR+Petra) – und kein Rädchen in einem analytischen Sortiersystem.

Natürlich muss Kunst schön sein, den Regeln der deutschen Sprache entsprechen. Weichgespült um niemanden auf die Zehen zu treten oder zum Nachdenken anzuregen. Damit wäre Kunst das Überflüssigste der Welt, denn jegliche Weiterentwicklung wäre kaum möglich oder sinnvoll. Damit wären wir beim Sprach TÜV - Hinweise des Ministeriums- EVdR;  https://keinverlag.de/509222.text.

 adlibitum meinte dazu am 29.05.26 um 09:25:
Hallo beide, 
ich finde diesen Binnentext selbst schön, ich meine damit Klang und Rhythmus, Farbgebung, Lichteinfall usw., Grammatik und Rechtschreibung haben mit Schönheit nichts zu tun. Selbstverständlich ist der Text keine Mathematik, Malen nach Zahlen, die Übertragung eines Skeletts, aber: regelmäßig oder besser: harmonisch ist er schon. Ihr kennt ja sicher Musiker, die keine Noten lesen können. Ich folge beim Schreiben allein der Musik der Sprache. Fragmentarisch ist er nur insofern, dass es ein Auszug ist, ein Anfang von einer Kurzgeschichte. In sich ist er doch recht rund und gar nicht so zerrissen. Im Nachhinein, kann ich mir sowas durchaus angucken und erkennen, woran es liegt. Dunkle Vokale, helle Vokale, weiche Klänge, hackige Klänge usw. Ein vorgegegebenes Schema erfülle ich dabei absolut nicht. 

Den anderen Binnentext finde ich hässlich und er ist absichtlich hässlich. In diesem ahme ich eben den Stil der Hartgesottenen nach, wie ich ihn höre: als monotones bam bambam bam. Als Graubraun bis Ocker. 

Beide Texte sind in einem Dialog mit sozialen Normen oder Geschmacksmacht entstanden, das reflektiere ich in den anderen Teilen mehr als fünf Jahre später. 

Interessant wäre es für mich, wenn sich daraus eine Diskussion Kunst und Macht ergeben würde. Aber außer euch beiden scheint sich niemand dafür zu interessieren. 
Danke und liebe Grüße!

 Schtzngrrrrm meinte dazu am 29.05.26 um 15:13:
SCHON DIE DISKUSSION MIT EVDR VERLÄUFT PROBLEMATISCH, WEIL ER MICH ALS EINEN GEGNER FESTLEGT, DER ICH NICHT BIN MIT EINER ANSCHAUUNG, DIE ICH NICHT HABE.

 Schtzngrrrrm meinte dazu am 29.05.26 um 15:18:
SCHON DIE DISKUSSION MIT EVDR VERLÄUFT PROBLEMATISCH, WEIL ER MICH ALS EINEN GEGNER FESTLEGT, DER ICH NICHT BIN MIT EINER ANSCHAUUNG, DIE ICH NICHT HABE.

 EVdR (29.05.26, 21:11)
Kunst und Macht? Auf diesen Gedanken gehen die Texte und der Mensch ein und positionieren sich. In meinem Fall, und es langweilt mich, sind Werk, Text und der Mensch keine Einheit. Der Mensch ist nur eine Hilfe des Textes, nicht der kreativ schaffende.


Kunst kann nur Macht haben, wenn Kunst, Künstler, mutig sind. Die Zeichen der Zeit wahrnimmt und darauf reagiert. Kunst muss sich also wandeln.  

Kunst ändert nie schnell. Ideen die Kunst setzt benötigen lange um Frucht zu tragen, nehme ich an. Die härteste Waffe der Kunst ist in meinen Augen, das Zeigen der Wahrheit ungeschminkt. Ehrliche Kunst.


Unverständlich ist den Texten und mir ist, warum es Art Brut, rohe Wahrheit, Kunst, und Avantgarde als anerkannte Richtungen gibt und sich Kunst trotzdem rechtfertigen soll und als UnKunst diffamiert wird, sobald sie, die Kunst, vom klassischen Verständnis abweicht.

Somit ist jeder Zähmungsversuch, von Kunst, reine Ausübung von Macht und oder Zensur.

Kommentar geändert am 29.05.2026 um 21:49 Uhr

 adlibitum meinte dazu am 29.05.26 um 23:01:
Hallo, freut mich, dass du dich noch mal zurückmeldest. 

In vielen Punkten stimme ich dir zu, besonders in dem zweiten Teil dieses Satzes:


Die härteste Waffe der Kunst ist in meinen Augen, das Zeigen der Wahrheit ungeschminkt.
Kunst kann eine Waffe sein, ja. Aber sie kann mehr sein, nämlich Trost. Damit meine ich nicht die einlullende, beschwichtigende, ablenkende Wirkung, die Unterhaltung haben kann, sondern tatsächlichen Trost und der ist eben nur möglich, wenn Kunst ehrlich ist und nichts verschweigt. 


Wir leben in einer Gesellschaft in der Härte immer noch mit Stärke verwechselt wird. Genau das parodiere ich ja in Motherfucker. F*cken-Knarre-Drogen-Suff-Nihilismus ist der Kitsch der Hartgesottenen und zugleich ihre spießige Konvention. Sie stehen den Grammatikzeigefingern um nichts nach, nur ihr Gehabe ist ein bisschen anders. Beiden Grüppchen geht es darum, andere nichtig zu machen, ihnen die Daseinsberechtigung abzusprechen. Ihre Sicht auf die Welt ist eng. Es gibt keinen Platz für Widersprüchlichkeiten und Verletzlichkeit, ich kann darin nicht atmen und mich nicht bewegen. 

Zu deiner Verwunderung im letzten Abschnitt kann ich nur sagen: es ist eine Frage der Wiederholung, Überlieferung, Weitergabe. Geschmack ist an die soziale Stellung in der Gruppe gebunden und die, denen an einer Machtstellung gelegen ist, plappern nach, was sie von denen, die sich gerade in einer Machtstellung befinden, übernehmen.

 EVdR (30.05.26, 00:07)
[...] tatsächlicher Trost und der ist eben nur möglich, wenn Kunst ehrlich ist und nichts verschweigt.
- volle Zustimmung

Die falsche Härte: Die „Hartgesottenen“ gerieren sich als unerbittliche, unnahbare Kritiker*. Sie nutzen ihre Abwertungsattacken, um Stärke zu simulieren.

Der spießige Kitsch: Ihr ganzer elitärer Habitus, ihr pseudointellektueller Nihilismus ist in Wahrheit nichts anderes als billiger Kitsch. Es ist eine andere Form von Uniform – eine Maske aus Härte, hinter der sich dieselbe Spießigkeit verbirgt, die Abweichungen von der Norm als „persönlichen Affront“ begreift.
 - Auch dem Stimme ich zu.

Der Mensch und die Texte hoffen auf weitere Veröffentlichungen 


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* unsere Empfehlung des Tages : EVdR, immer ein Genuß!

 Wastl meinte dazu am 30.05.26 um 18:50:
Ich denke, die „Hartgesottenen” sind sich ihrer Ohnmacht gegenüber einem freien Geist gar nicht wirklich bewusst. Sie fühlen sich allein durch dessen Gegenwart bedroht. Sie erkennen ihre eigenen wahren Motive nicht, warum sie so sehr das Bedürfnis haben, gegen diese „Bedrohung” vorzugehen. Dahinter steckt Angst. Mit solchen von Angst getriebenen Leuten ist nicht zu spaßen – sie sind nicht harmlos.

 adlibitum meinte dazu am 30.05.26 um 19:11:
Hallo Wastl, das könnte sein, aber letztendlich wissen wir es nicht. Ich verstehe, dass der Text gewissermaßen dazu einlädt, aber über die Motive anderer nachzudenken und gar anzunehmen, sie kennten diese selbst nicht, führt meiner Erfahrung nach immer in ein Kreiseln. Das Aufdecken von Motiven ist eigentlich nur für Betroffenen selbst interessant, dann könnten sie sich bewusst für oder gegen das Verhalten entscheiden. 

Für alle anderen geht es nicht um die Motive anderer, sondern um die Wirkung des Verhaltens: die Wirkung auf die soziale Dynamik in einem Literaturforum und die Wirkung auf Texte. Das ist viel weniger spekulativ, es ist empirisch beobachtbar und kann beschrieben werden. 

Das finde ich spannend! Welches Verhalten der anderen Forenmitglieder kann beobachtet werden?

 Wastl meinte dazu am 30.05.26 um 21:10:
Das was ich mit Motiven meinte hat Psychoanalytiker Arno Gruen oft so ähnlich erklärt und mir schien seine Interpretation sehr logisch – auch im Rückblick und jetzt, wenn ich in anderen Foren Gegenwind spüre, kann ich mit dieser Sicht der Dinge ganz gut leben.

Du fragst, welches Verhalten der anderen Forenmitglieder beobachtet werden kann. Was mich im Zusammenhang mit KV betrifft, ist das schon längst abgeschlossen. Grenzen wurden von beiden Seiten gezogen. Es sind oft die gleichen Kolleginnen und Kollegen, die meine Beiträge kommentieren, sofern sie kommentieren. Dabei ist meine Intention oft leicht durchschaubar, aber manchmal schreibe ich auch etwas, das ich selbst nicht ganz verstehe. Dabei fühle oder ahne ich jedoch, dass dahinter womöglich ein wichtiger, guter, interessanter oder reizvoller Sinn steckt.

 EVdR meinte dazu am 30.05.26 um 22:40:
Gemeinsame Gedanken von Kunst und Mensch

Wastl (Arno Gruen und die Angst):
Die Analyse ist zutreffend. Die „Hartgesottenen“ agieren nicht aus literarischem Anspruch, sondern aus existenzieller Ohnmacht gegenüber einem freien, ungebundenen Geist. Ein Text, der die Konventionen bricht, bedroht ihre mühsam errichtete Scheinordnung.

adlibitum (Die Pflicht des Textes):
Ein Text darf kein unverbindliches Spiel sein; er hat eine Pflicht. Er muss eine klare Botschaft transportieren und sein Motiv ungeschminkt offenlegen.


Das strukturelle Problem (Der Epochenwechsel seit 2010):
Die Ursache für das kollektive Scheitern dieser Gemeinschaft liegt im radikalen Wandel der sozialen Netzkultur. Ging es um 2010 in Foren noch primär um Inhalte, um gegenseitige Hilfe und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen, so ist die Gegenwart eine Kultur der reinen Selbstdarstellung. Der Text ist heute nur noch die Trägerrakete für das eigene Ego der Kommentatoren. Es wird nicht mehr gelesen, um zu verstehen, sondern um sich öffentlich zu profilieren, Erziehungsaufträge zu vollstrecken oder den eigenen Duden-Knigge-Reflex zu zelebrieren.

 EVdR meinte dazu am 31.05.26 um 01:10:
... gut, ein wenig mehr.

seit nem Jahr stecke ich in nem Hosting-Problem. Neuaufbau von 2 Webseiten. Die Gesundheit macht Probleme. Der Mensch kommt nicht in die Hufe ...

Die Texte müssen veröffentlicht werden. Hier war es das kleinste Übel. Um der Kunst zu genügen, tut der Mensch sich das an.

Die Kunst, an der ich mitwirke, braucht keine Kommentare. Es geht nur um das Werk, jedes einzelne. Der Leser kann, darf, sollte Verbindungen herstellen. Was er mit dem gelesen anfängt interessiert den Text nicht mehr. Die Kenntnisnahme durch einen Leser, reicht dem Text und der Kunst.
Der Mensch ist es der mehr sieht und meint, die Kunst brauch eine eigene Bühne.

Als Kind mit bildenen Künstlern, in der Nachbarschaft, dann die Galleristen Mutter und Künstlerin eines Freundes. Ihre Freunde: Kollegen, Journalisten, Regisseure, Musiker und so zieht es sich durch des Menschen leben. Erlebt habe ich die heftigsten Dispute. Das Aber, es ging um die Sache. Keiner der Beteiligten hatte es nötig sich zu profilieren. Bedauerlich, für mich, fast ausgestorben, Kontakt verloren.

Veröffentlichungen und Lesungen mit 20. Licht- und Tontechnik, diverse Projekte, später. Kunst und Mensch haben einen engen Kontakt.

Fazid: Die Erwartung des Menschen wurden dem Ende der Täuschung zugeführt. Die Kunst ist entsetzt. Sie kann auch auf den Daumen hoch und Herzen verzichten. Bei sich und den anderen Schaffenden. Das ist nicht der Anspruch den die Kunst an sich selbst hat ...

Antwort geändert am 31.05.2026 um 01:14 Uhr

 Wastl meinte dazu am 01.06.26 um 08:27:
Bitte entschuldigt die Verspätung. Ich musste erst einmal mit mir selbst ausmachen, was ich hierunter schreiben bzw. fragen möchte, um so etwas wie aus meiner Sicht zumindest einen annähernden Konsens im Vorfeld zu ermöglichen.

Wann kann man erkennen, dass Kunst zweckentfremdet wird? Und was war sie ursprünglich in den Anfängen der menschlichen Zivilisation? Wann war sie damals nicht echt oder wahrhaftig genug? Gab es eine Zeit des Umbruchs, vielleicht durch das menschliche Bewusstsein, nachdem der Mensch ausreichend über sich nachgedacht hatte? Gab es eine Zeit, in der der Mensch in der Lage war, wahre oder echte Kunst hervorzubringen, wenn auch nicht im vollen Umfang, so doch zumindest ansatzweise?

 Verlo (31.05.26, 15:43)
Mir gefällt dein Text "Seel und Zahn und Bauch".

Wann hast du ihn als tora das erste Mal in KV eingestellt?

 adlibitum meinte dazu am 31.05.26 um 16:24:
Hallo, das freut mich. Besonders freue ich mich, dass du unten tatsächlich inhaltlich auf Seel und Zahn und Bauch eingehst!! (Ich glaube das war 2018 oder 2019).

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 16:44:
Ich war das erste Mal hier Oktober 2021.

Da hab ich also einige deiner lesenswerten Texte verpaßt. 

Lesenswert, ist zu wenig: sie klingen auch gut.

Man kann also auch hören, wenn man dem Inhalt nicht zustimmt, und angenehme Gefühle haben. 

Würde mich nicht wundern, wenn du sie mit der gleichen Leidenschaft liest, wie du sie geschrieben hast. Auch noch Jahre später.

 adlibitum meinte dazu am 31.05.26 um 16:48:
Das freut mich ungemein. Ja, ich mag Seel und Zahn und Bauch selber unglaublich gern, die Musikalität, die Bilder und auch den Humor, der trotz der Drastik mitschwingt.

 Verlo (31.05.26, 15:59)
adlibitum hat geschrieben:
Ich wusste, dass ich für Seel und Zahn und Bauch von dieser Gruppe mit Empörung überschüttet würde.
Vielleicht ist es Neid, weil Korsett-Träger solchen Text nicht schreiben können.

#

Niemand ist frei, wenn er so wenig ißt, daß er kurz vorm Sterben ist.

Und es löst auch kein Problem, macht die Welt, das Leben nicht besser.

Ich würde solche Menschen nicht zwangsernähren. 

Nicht einmal eigene Kinder. 

Ist es erst einmal so weit gekommen, ist es zu spät: nie wieder wird das Leben so sein, wie es hätte sein können, hätte man bekommen, was nötig war.

Also im Grunde ist es eine Erlösung. Warum damit warten, um Jahrzehnte später zu erkennen, daß alle Mühe nichts wirklich besser gemacht hat.

Wobei es meist noch schlechter wird. Wenn ich mich umschaue, muß ich leider davon ausgehen.

Vielleicht das noch: der Feind sind nicht die anderen, die einen nicht anerkennen, die einen Steine in den Weg legen, der Feind ist man selbst, da man Gutes nicht nachholt.

 adlibitum meinte dazu am 31.05.26 um 16:46:
Hallo, über die Motive will ich, wie irgendwo in diesem Kommentarstrangwirrwarr schon geschrieben, keine Vermutungen anstellen. 

Zum Text: Die Verweigerung der Nahrung ist eine im wahrsten Sinne des Wortes fleischgewordene Metapher. Die Ich-Erzählerin nimmt eine absolute Verweigerungshaltung gegenüber dem erwünschten Verhalten, allem gegenüber das sie zu sein habe bis hin zu was die Welt sei ein. Das wird ja zu einem nicht unerheblichen Teil über Sprache vermittelt. Ein großer Teil der Sprache bezeichnet keine vorsprachlichen Phänomene, sie schafft die Phänomene, indem sie durch Begriffe behauptet werden. Dem verschließt sie sich. Ironischerweise mit dem Argument, dass dies eine Arbeitsleistung so, womit sie ein gängiges Narrativ gegen sich selbst kehrt. Fleiß als Nichterfüllung, statt als Erfüllung. 

Man kann das als Unfreiheit oder als Freiheit sehen, ich stelle es in diesem Text erstmal als Dilemma hin. Was ist schlimmer, als ein anderer leben zu müssen oder als sich selbst zu sterben? 

Vielleicht geht es nicht so sehr um Steine in den Weg legen, als vielmehr, um die Zurechtstutzung dessen, was man bräuchte um handlungsfähig zu sein.

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 17:13:
adlibitum hat geschrieben:
Was ist schlimmer, als ein anderer leben zu müssen oder als sich selbst zu sterben? 
Sich in der Auswahl zu beschränken.

Warum nicht das eigene Leben leben.

Das ist der einzige Weg, wenn das Leben besser werden soll.

Einfacher geht es leider nicht.

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 17:18:
adlibitum hat geschrieben:
Man kann das als Unfreiheit oder als Freiheit sehen, ich stelle es in diesem Text erstmal als Dilemma hin. 
Klar, man kann es sehen, wie man will, wenn man kann.

Aber was es ist, ist es. 

Freiheit ist, das Beste für sich zu tun, auch wenn anderen einen hindern.

 adlibitum meinte dazu am 31.05.26 um 17:21:
Wenn es einfach wäre, gäbe es mehr glückliche Menschen. Das eigene Leben ist nie ganz das eigene, es ist Verzerrungen unterworfen, Geschichten, die über das Leben an sich erzählt werden.

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 17:30:
Ja, es ist nicht einfach.

Aber ein anderer zu sein, ist nicht nur anfangs leichter, später macht es alles komplizierter.

Das eigene Leben muß nicht perfekt sein.

Verzerrungen, andere, fremde Seelen aufgenommen, die ihr Leben fortsetzen. 

Vielleicht wie in einer guten Familie: jeder ist er selbst, aber zusammen ist man eins.

Antwort geändert am 31.05.2026 um 17:30 Uhr

 adlibitum meinte dazu am 31.05.26 um 17:34:
Gerade darum geht es in diesem Text. Um die Auseinandersetzung damit.

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 20:58:
Was gibt es denn da zum Auseinandersetzen?

Ich hoffe, diese Phase ist längst abgeschlossen.

In einem Literatur-Forum als anonymer Autor sollte es eigentlich kein Problem sein, sich als sich selbst zu präsentieren.

Im wirklichen Leben ist es hin und wieder besser, ein anderer zu sein. 

Aber das ist normal. 

Ich kenne einen Busfahrer, der es haßt, Busse, in denen Fahrgäste ein- und aussteigen, zu führen, aber viele Jahre als Busfahrer gearbeitet hat.

 adlibitum meinte dazu am 03.06.26 um 19:02:
Das sehe ich genau andersrum. Es geht mir um Texte, wer ich privat bin spielt keine Rolle.

 Verlo (31.05.26, 21:18)
Ob es wirklich gut ist, die eigenen Texte zu erklären, frage ich mich.

Man legt sich als Autor damit fest, grenzt gleichzeitig die Betrachtung ein.

Vielleicht wird dadurch nicht über etwas gesprochen, was unterschwellig ist Text steht, was man als Autor beim Schreiben nicht im Sinn hatte.

Kann auch vorkommen, daß die Erklärungen des Autor dem Leser Illusionen rauben, die Distanzen erzeugen, die es vorher nicht gegeben hat.

Und sollte es sich beim Erklären der eigenen Texte um einen Versuch handeln, bestimmte Gruppen von den eigenen Texten zu überzeugen, ist das wie das Bitte um Zwangsernährung.

Außer ich muß mit meinen Texten Geld verdienen, dann darf es keine Problem sein, im Text ein anderer zu sein: wer bezahlt, bestimmt.

Die Anerkennung durch sich selbst ist wichtiger als durch irgendwelche Spinner, die sich in Gruppen zusammenschließen.

Allein der Gedanke, sich nach der staatlichen Rechtschreibreform der Rechtschreibgruppe anzuschließen, zeugt von genau dem, was einem Freien schadet.

Außerdem zeugt es von Dummheit, wenn man die Schreibung von "dass" als Verbesserung propagiert. 

Oder was meinen Mitglieder der Rechtschreib-Gruppe mit:

Die Mitglieder dieser Liste haben sich verpflichtet, in Ihren Texten eine korrekte Rechtschreibung zu verwenden, da sie die Sprache(n), in der bzw. in denen sie schreiben, schätzen und achten.
Die Mitglieder dieser Liste nehmen Hinweise zu sich eventuell doch eingeschlichen habenden Fehlern gern als PN oder Privatkommentar entgegen und freuen sich über alle orthografisch richtigen Kommentare.
https://keinverlag.de/liste.php?lid=11

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 21:46:
Rechtschreib-Gruppe – sind auch diese staatsunterstützende Idioten, die während der Corona-Plandemie aufgefordert haben, die Masken korrekt aufzusetzen?

Dagegen sind Mitglieder der Bibel-Gruppe sympathische Zeitgenossen.

 adlibitum meinte dazu am 31.05.26 um 22:45:
Ob es wirklich gut ist, die eigenen Texte zu erklären, frage ich mich.

Man legt sich als Autor damit fest, grenzt gleichzeitig die Betrachtung ein.

Vielleicht wird dadurch nicht über etwas gesprochen, was unterschwellig ist Text steht, was man als Autor beim Schreiben nicht im Sinn hatte.

Kann auch vorkommen, daß die Erklärungen des Autor dem Leser Illusionen rauben, die Distanzen erzeugen, die es vorher nicht gegeben hat.

Ja. Das sehe ich alles genauso. Warum habe ich es trotzdem gemacht? Weil sich mit dem Text gar nicht beschäftigt wurde. Nur mit den angeblichen Motiven des angeblichen Aron. Es hat die Freude, die ich an dem Text hatte/habe nicht getrübt, es war allerdings schade, dass ich sie nicht teilen konnte.

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 23:19:
So ist das leider.

Meine Mutter hat nie geliebt, was ich wirklich war, hat mich "verbessert", bis von mir fast nicht mehr war.

Bis zu ihrem Tod hatte ich gehofft, aber sie ist sich treugeblieben.

Warum also sollten sie irgendwelche Fremde sich mit einem oder seinen Texten wirklich beschäftigen?

Nun hast du deine Freude geteilt. 

Nimm die Energie, weitere Texte zu schreiben, bei denen du dich wohlfühlst, was auch immer andere denken, fühlen oder sagen.

Das ist ein Teil der Liebe, die man hätte bekommen müssen, aber nicht bekommen hat.

Auch wenn es angenehm ist, geliebt zu werden, bestimmte Art von Liebe kann man sich nur selbst geben.

 adlibitum meinte dazu am 02.06.26 um 22:51:
Genau, danke, dass ich sie mit dir teilen durfte!

 Verlo meinte dazu am 02.06.26 um 23:43:
Gern.

Gern wieder.

 Verlo (31.05.26, 21:59)
Die doktorn mir gebten ein schlauch durch mein hals in mein bauch für die nährung gegen mein arbeitsleistung. „Wir müssten gesund sein, mädchen“, sagten die doktorn, „wir müssten nicht totgehen jung“. Ich reissten die schlauch aus mein bauch. „Wir müssten frei sein, doktorchen“ sagten ich gegen die doktorn.
Vergleichbar im Stil habe ich auch schon geschrieben, aber ich erinnere nicht mehr, als wer, wo und wann.

Jedenfalls fühle ich mich heimisch beim Lesen des Textes.

Aber jetzt könnte ich nicht so schreiben. Scheint zu sein, daß einer meiner Seelenteile so schrieben hat, der aber jetzt nicht präsent ist, ich auch nicht weiß, wie ich ihn hervorlocken kann.

 adlibitum meinte dazu am 31.05.26 um 22:41:
Hallo Verlo, das ist das beste Kompliment, das man einem Text machen kann.

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 23:10:
Gern geschehen, weil ich es ehrlich meine.

Und wenn die Rechtschreib-Gruppe oder andere Möchtegern gegen mich deshalb vorgehen, wird es mir eine Freunde sein, meine Postion zu verteidigen.
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