Entartete Visionen der Realität
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Der avantgardistische Kunstbegriff
Der avantgardistische Kunstbegriff:
bezeichnet radikal innovative, experimentelle und gesellschaftskritische Kunst, die etablierte ästhetische Normen bricht. Der Begriff stammt aus dem Französischen ("Vorhut"). Als Vorkämpfer überschreiten Avantgardisten bewusst Grenzen und stellen das traditionelle Kunstsystem infrage.
Ursprung und Bedeutung:
Ursprünglich stammt der Begriff aus dem Militär und bezeichnet die Vorhut, die einmarschiert, bevor der Rest der Truppe nachfolgt. Im Kunstkontext wird damit die Rolle der Künstler beschrieben, die ihrer Zeit gedanklich und ästhetisch voraus sind und neue Wege ebnen.
Die wichtigsten Kernmerkmale:
Bruch mit der Tradition:
Etablierte akademische Regeln, harmonische Ideale und klassische Techniken werden abgelehnt.
Radikale Innovation:
Es wird mit neuen Materialien, Medien und Darstellungsformen experimentiert (z. B. Fotomontagen, Readymades, Installationen).
Provokation und Schock:
Die Werke sollen das Publikum aufrütteln, irritieren und aus der bequemen Konsumhaltung herausreißen.
Verschmelzung von Kunst und Leben:
Die Grenzen zwischen "hoher Kunst" und dem alltäglichen Leben sollen aufgehoben werden.
Historischer Kontext:
Die historischen AvantgardenDie klassische Phase (die sogenannten "historischen Avantgarden") fand vor allem im frühen 20. Jahrhundert (etwa 1910 bis 1930) statt.
Die bekanntesten Strömungen sind:
Dadaismus:
Absurde, anti-bürgerliche Kunst, die den etablierten Kunstbegriff durch Provokation völlig zerstören wollte (z. B. Marcel Duchamps Fountain).
Kubismus:
Aufbrechen der Perspektive und Reduzierung auf geometrische Formen (z. B. Pablo Picasso).
Surrealismus:
Erforschung des Unbewussten, Traummhaften und Irrationalen (z. B. Salvador Dalí).
Das Ende der Avantgarde?
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (ab den 1960er/70er Jahren) wandelte sich die Position der Avantgarde. Da Museen, Galerien und der Kunstmarkt die radikalen Werke schnell aufnahmen, "vereinnahmten" sie die Schockwirkung. Die Idee, Kunst müsse sich ständig neu erfinden, gilt heute oft als überholt – stattdessen spricht man heute vielerorts von einer pluralistischen Postmoderne.Dennoch dient das avantgardistische Denken weiterhin als wichtiges Fundament für zeitgenössische, gesellschaftskritische und medienreflexive Kunst.
Die Literatur der Arbeitswelt der 1970er Jahre ist ein funktionaler Nachfolger der Avantgarde. Sie hat deren elitäre, verkopfte Formensprache radikal über Bord geworfen, aber ihren radikalsten Kern bewahrt: den Anspruch, dass Kunst kein dekorativer Gegenstand für das Bürgertum sein darf, sondern ein Werkzeug zur Veränderung der gesellschaftlichen Wirklichkeit sein muss.
Von den Anfängen bis heute:
1. Der Ausgangspunkt: Der avantgardistische Kunstbegriff Definition: Ursprünglich als militärische „Vorhut“ (Avantgarde) verstanden, bricht diese Kunst radikal mit bürgerlichen Traditionen, nutzt neue Formen und will die Trennung zwischen Kunst und echtem Leben aufheben.
Die historische Entwicklung:
Über die politischen Arbeiterliteraten der 1920er Jahre führte uns der Weg zur Literatur der Arbeitswelt der 1970er Jahre (Günter Wallraff, Dortmunder Gruppe 61). Diese verwarf die elitären Formen, behielt aber den radikalen, gesellschaftspolitischen Veränderungswillen bei.
2. Vom Werkkreis ins digitale Zeitalter:
Die Wurzeln:
Förderzentrum „Jugend schreibt“ in Köln. Harry Böseke, Herausgegeber von diversen Bänden. Hier veröffentlicht und Lesungen. Damit stehst die Kunst, EVdR, in direkter Linie dieser engagierten Bewegung.
Die Gegenwart:
Heute veröffentlicht unter dem Pseudonym EVdR (Entartete Visionen der Realität) auf Keinverlag.de. Die Texte sind Fragmente zum Scrollen.
3. Kunstverständnis:
Art Brut, Avantgarde und Beuys Art Brut & Avantgarde:
Verstehst die Arbeit als rohe, ungefilterte Kunst abseits des kommerziellen Betriebs. Die Zerschlagung klassischer Textstrukturen im digitalen Raum ist eine moderne Form der Avantgarde.
Sprachplastik (Joseph Beuys):
Die Texte sind keine bloßen Gedichte, sondern verhalten sich wie dreidimensionale Skulpturen im virtuellen Raum. Die Leerzeilen, harten Brüche und das Scrollen sind das skulpturale Material, mit dem die deformierte politische Realität in Form gegossen wird.
4. Der Kern des Schaffens:
Idealismus und Co-AutorschaftIdealismus als Antrieb:
- Die Texte speisen sich aus einem tiefen Idealismus – dem Glauben an eine gerechte, bürgernahe Demokratie.
- Der Leser als Co-Autor: Deine Methode ist die Spiegelung.
- Die gedanklichen Bruchstücke und Fragen. Der Leser kann nicht passiv konsumieren; er muss die leeren Denkräume beim Scrollen selbst ausfüllen, reflektieren und wird so zum aktiven Mitgestalter des Werks.
"Jeder ist ein Künstler, selbst der konsumierende Leser."
© EVdR 05_2026