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Kurzprosa

von  altezeit

Ehefrau eins ruft an, um mit Sohn zu sprechen. Ehefrau zwei meldet sich gereizt und reicht Hörer an Sohn von Ehefrau eins weiter. Sohn hat Gereiztheit in Stimme von Ehefrau zwei gehört und erzählt Mutter, er dachte, Vaters Schwester wäre dran: tobende Tante, ständige Anruferin, lästige Frau. Ehefrau eins fragt sich: ist sie selbst vielleicht auch tobende Frau, ständige Anruferin? Nein, tobende Frau, aber nicht ständige Anruferin. Wobei für Ehefrau zwei auch lästige Frau. 

 

Nach Gespräch mit Sohn, viel Unruhe in Ehefrau eins. Ehefrau eins vermisst Sohn, denkt daran, wie sie, ein paar Jahre zuvor auch an Telefon ging und mit Ehemanns tobender Schwester, ständige Anruferin, redete; den Ehemann vor lästiger Frau beschützend. Jetzt beschützt Ehefrau zwei Ehemann vor lästiger Schwester, ständige Anruferin, und auch vor Ehefrau eins, tobende Frau. Ehefrau eins versteht das und stellt sich zukünftige Ehefrau drei vor, wie sie Ehemann nicht nur vor tobender Ehefrau eins, sondern auch vor lästiger Ehefrau zwei sowie vor ständig anrufender Schwester beschützt. 

Nach Gespräch mit Sohn isst Ehefrau eins, oft tobende, aber jetzt stille Frau, alleine zu Abend, aber in Gesellschaft von riesigem Fernseher. Ehefrau eins schluckt Essen, schluckt Schmerz, schluckt wieder Essen. Schaut aufmerksam Werbespot über leicht zu reinigenden Herd: Werbemutter wendet Pfannkuchen im Flug, legt Pfannkuchen auf Teller, brät Pfannkuchen zwei und gibt kleinem Werbesohn liebenden Kuss, während Labrador Pfannkuchen zwei von Teller stibitzt. Schmerz in Ehefrau eins nimmt zu. Ehefrau eins schluckt Essen, schluckt Schmerz, schluckt wieder Essen, schluckt wieder Schmerz. 


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