Ein unerhörter Gottesdienst

Kurzgeschichte zum Thema Aktuelles

von  Moppel


 

Heute  morgen habe ich mir einen evangelischen Gottesdienst im TV angesehen. Das Fernsehen entführte mich nach Bayern, Schliersee. Malerische Landschaft, friedlich, ruhig. Harfe, Saxophon, ein Chor, der  alte Lieder sang, die ich noch im Konfirmanden-Unterricht lernte. Ein Deutschland, wie es früher mal war.

 

Es fällt mir auf. Ich halte ein und tauche in diese andere Welt, mitten in Deutschland, das heute ein ganz anderes Gesicht hat.

Vor meinem Balkon Geschnatter verschleierter Frauen, unzählige Sprachen fließen über das Trottoir. Auf der Wiese gegenüber picknickt eine ziganische Großfamilie. Obwohl es Privatgelände ist. Aus Lautsprechern vorbeifahrender Autos brüllt orientalische Musik.

Ein Gottesdienst im TV. Wie aus der Zeit gefallen. Kein  einziger Asylant auf den Stuhlreihen. Keine afrikanischen Choralgesänge und keine persönlichen Litaneien von Flucht und Krieg. Keine manipulative, versteckte Aufforderung zu Toleranz und Solidarität mit allen, die her kamen.

Eine Predigt für alle. Für die Probleme aller. Denn auch Nicht-Asylanten möchten Ansprache in einem Gottesdienst finden. Neubeginn mit dem Wasser der Taufe. Kein „Sich Krönen mit“ wie viele Migranten diese Gemeinde aufgenommen hat. Und dass man sich in allen Sprachen versteht, auch, wenn die meisten Migranten heute viel lieber untereinander kommunizieren.

Ein Gottesdienst wie ein Film mit Heinz Rühmann. Wo die Menschen noch mit Wanderstock Ausflüge machten. Die Stöcke aus edlen Hölzern trugen Plaketten vor dort, wo mal überall schon gewesen war. Heute heißt das Walken mit dürren Alustöcken und drei quatschenden Weibern im Schlepptau. Damals, wo man noch im Gasthof einkehrte und Schnitzel und Haxn aß. Zu fett. Heute holt man sich was bei Mäcces.

Wie ein Film aus einem Land, das es so nicht mehr gibt. Absicht?  Haben die keine Asylantenheime in Schliersee? Ich weiß es nicht.

Aber es tat gut. Und es tat auch weh. Zu sehen, wie unser Land sich verändert hat. Was es verloren hat. So wie ein naives Kind seine Butterbrotdose verliert und es erst bemerkt, wenn es im Kindergarten nichts zu essen hat. Und die Kindergärtnerin tröstet: Dafür bekommst du doch eine ganz neue. Eine ganz Bunte vielleicht.  Doch es ist nicht dieselbe. Und die Alte war ein Geschenk von Oma…

 



Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 Juni (12.07.26, 15:27)
Das TV ist für die alten, die letzte Generation, die Deutschland noch kennt, wie es von Einheimischen geprägt war, eine Reise in die Nachkriesgszeit, in die  Vergangenheit.

Kommentar geändert am 12.07.2026 um 15:28 Uhr

 DanceWith1Life (12.07.26, 15:30)
Danke für diesen Text, denn er zeigt klar und deutlich wo die unterschiedlichen Sichtweisen hängenbleiben, an der Veränderung, denn die wurde nie auf einem Silbertablett serviert. Heinz war auch ein ganz Besonderer, und eine Geschichte von ihm gespielt wäre jetzt Nostalgie pur, z.B. die seltsamen Abenteurer des braven Immigranten Schweyk bei der Besetzung Deutschlands, wenn möglich bissig und traurig in alle Richtungen, weil nichts bleibt, weil nichts bleibt, wie es war.( Originaltext Hannes Wader) Heute hier , morgen dort

 LotharAtzert meinte dazu am 12.07.26 um 16:22:
Ein Schwindler war der Rühmann. Ein echer Fisch.

 DanceWith1Life antwortete darauf am 12.07.26 um 16:25:
Ist für einen Schauspieler eine durchaus praktische Eigenschaft, wenn ich mich nicht irre

 Schtzngrrrrm schrieb daraufhin am 12.07.26 um 16:35:
DER TEXT ZEIGT VOR ALLEM KLAR UND DEUTLICH, DASS ER VON EINER PERSON MIT WENIG AHNUNG VOM CHRISTENTUM UND DESSEN JAHRHUNDERTEALTER HALTUNG ZU FLUCHT UND VERTREIBUNG HAT. 

HALLO BERGPREDIGT, HALLO WELTGERICHT, MÖCHTE MAN RUFEN, HALLO MATTHÄUSEVANGELIUM, HALLO APOSTELGESCHICHTE, HALLO PETRUSBRIEF, HALLO JOHANNESOFFENBARUNG, HALLO LIEBES NEUES TESTAMENT!

DAS IST EXTREM WITZIG!

DIE NOSTALGISCHE ERINNERUNG AN EINE PRAXIS VOR EIN PAAR JAHRZENTEN, ALS GUTE, ALTE ZEIT HINGESTELLT, ALS EIGENTLICHE KIRCHE, ALS KONSTANTE, DIE JETZT BRUTAL UND PLÖTZLICH WEGBRICHT. 

ABER DIE EIGENTLICHE KONSTANTE IST NATÜRLICH DER TEXT, SOLA SCRIPTURA, ALLEIN DURCH DIE SCHRIFT, UND SCRIPTURA IST NUN MAL VOLL MIT AUSSAGEN ZUR CHRISTLICHEN HALTUNG ZU FLUCHT UND VERTREIBUNG, WAS DU ALS NEUMODISCHEN KRAM SIEHST, WURDE ETWA ZWISCHEN 50 UND 120 NACH CHRISTUS GESCHRIEBEN. 

DER WIRKLICHE DIETER WAL, DER BIBELFESTER IST ALS ICH, KÖNNTE HIER BESTIMMT NOCH EINIGES ERHELLENDES BEITRAGEN. 

 niemand (12.07.26, 15:56)
@ Moppel
und das wird noch schlimmer. Da bleibt nichts mehr übrig, als das bunte
Fähnchen unter das man uns stellen möchte. Stehen sollen wir, grinsen
und dankbar sein. Ich frage mich nur wofür?   :O
LG Irene

 LotharAtzert äußerte darauf am 12.07.26 um 16:04:
Dankbar dafür, daß wir keine Wahl und keine Flucht mehr haben, Irene, so daß wir völlige Gelassenheit von der Pieke auf lernen müssen, oder in die Klapse kommen oder auf den Friedhof ... nein höchstwahrscheinlich in den Leichenofen und die Urne verbracht werden.

 LotharAtzert (12.07.26, 16:17)
Genau so ist es, Moppel. Gut beschrieben. Früher hörte man nicht, wenn eine einzelne Person am Haus vorbei ging. Heute kreischt die in ihr Kästl, schmeißt dabei fünfmal die Autotür auf und zu und kommt dann nach dem neunten Versuch aus der Parklücke raus, während der nächste mit nur sieben quischenden Versuche drinn steht, aber jetzt gehts ja auch erst richtig los, mit Geschwätz, das über die Jahre immer aggressiver klingt.


LG Lothar

 diestelzie (12.07.26, 16:40)
Das ist so ein "Früher war alles besser" Text, der vielleicht eine Sehnsucht nach einer heilen Welt beschreibt, die es tatsächlich nie gab oder aber den Jetztzustand einer Person widerspiegelt, die mit dem Heute nicht klarkommt. Traurig ist irgendwie beides.

LG Kerstin
Zur Zeit online: