Müde Welt

Gedicht

von  Wastl

Ach, müde Welt, 

wie stinkst du aus deinem verspotteten Bauch! 

Vernarrst dich über das Grauen nicht abgeschickter Liebesbriefe? 

Der Totenschädel flüchtet vor der Strafe; 

niemand schenkt ihm Mitleid. 

Feuer ergreift ausklimmende Wut 

und gebiert die Missgeburt 

des fruchtlosen Baums, 

welcher im Grimm gefallener Engel 

zum Werkzeug des kreisenden Hasses 

sein Erbe ausschüttet. 

Wir rauschen im Wind 

verspielt durch das Reich der Sanftmut 

und erproben uns selbst zu entfalten. 

Wir trinken den bittren Wein 

des nackten Hohns, 

gegenüber unseren Schwächen, 

die sich angesammelt haben, 

seitdem wir uns unnötig selbst verschenkt hatten. 

Wie krallende Nägel 

durchfurchst du verachtende Herzen, 

und verhüllst dadurch gleichzeitig 

die uralte Sünde.


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