Die ersten Möchtegern lernt man spätestens in der Schule kennen. Im schlimmsten Fall erkennt man sie bereits dort.
Dann in der Ausbildung. Danach im Beruf oder im Studium.
Es gibt sie überall.
Meist streben sie Machtpositionen an. Hat man Macht, kann leicht ein größerer Möchtegern werden.
Sie spielen sich auf, prahlen mit ihrem Wissen, was sie alles schon erreicht, geschaffen haben.
Gern gegenüber Neuen oder welchen, die auf Hilfe angewiesen sind.
In der Kfz-Werkstatt wird man fast schon garantiert Opfer, wenn man nichts vom Fach versteht.
Beim Arzt landet man schnell auf dem OP, wenn man blind vertraut. Und nicht selten, sind die Beschwerden nach der Behandlung schlimmer.
Eine Ärztin bot mir eine Magenverkleinerung an, damit ich mein Übergewicht verliere. Ich hatte keine Beschwerden, ich konnte ohne Probleme mein Fahrrad in den oberen Stock tragen, ich lief in meiner Freizeit mehrer Kilometer am Stück, maximal Halbmarathon, aber sie empfahl mir eine Magenverkleinerung.
Übergewicht: ja, offiziell war ich fettleibig, hatte aber einen BMI unter 40.
Berücksichtigt man mein großes Hirn und Geschlecht, reduziert sich mein BMI auf unter 18.
Spätestens, wenn man die Seite wechselt, also selbst Kfz repariert oder Arzt ist, zumindest sich so weit mit der Thematik beschäftigt, daß man weiß, was zu tun ist und teilweise auch tun kann, staunt man nicht schlecht, wie sehr man vorher im Grunde betrogen wurde.
Betrogen werden konnte, weil man keine Ahnung hatte und dem anderen ausgeliefert war.
Den anderen ertragen mußte, weil er etwas kann, was man selbst nicht kann.
Vielleicht nicht können will. Vielleicht wirklich nie können wird.
In den meisten Fällen wird es jedoch nicht viel Mühe kosten, und man versteht von der Thematik so viel, daß der Möchtegern nicht mehr gernmöchten kann.
Möchtegerne spüren sehr gut, wem sie nicht vertrauen sollen. Alle Möchtegerne haben einen siebten Sinn für Vertrauensunwürdige.
Und reagieren entsprechend gereizt. Eben waren sie souverän, auf einmal sind sie aggressiv, betonen ihrer Wichtigkeit, daß der andere keine Ahnung hat, fordern Dankbarkeit, drohen mit Entzug.
Machen sich lächerlich.
Denn sie sind durchschaut.
Sie werden nie wieder so mächtig sein, wie sie es waren, als man keine Ahnung gehabt hat.
Man kann sie aber auch wieder beruhigen und für sich arbeiten und im Glauben ihrer Überlegenheit lassen, wenn man ihre überragende Fähigkeiten hervorhebt, neidlos anerkennt, bewundert, wie viele Krisen, an denen man gescheitert wäre, sie bereits gemeistert haben.
Aber bitte nicht zu dick auftragen. Das macht die Möchtegern mißtrauisch. Möchtegern nicht keine Blödenden, sondern möchte einfach nur mehr, als sie können.
Wer will das nicht.
Alle träumen wir davon, mehr Geld zu haben, glücklicher zu sein, länger zu leben ...
Aber die meisten von uns, nutzen ihrer geringen Vorteil nicht aus.
Erpressen andere nicht, die sich nicht zu helfen wissen oder etwas einfach nicht können, vielleicht auch nicht die Zeit haben, es zu lernen, weil sie genug mit Beruf und Familie zu tun haben.
Ja, eine Berufsgruppe, die ideale Bedingungen für Möchtegerne bietet, sind die Politiker.
Aber, auch wenn man gewissen Arbeiten an seinem Pkw lernt auszuführen, herausfindet, was eine ärztliche Diagnose tatsächlich bedeutet und Maßnahmen gegen die Beschwerden durchführen kann, die die Situation nicht verschlechtern, sondern verbessern, möchte man doch ein nicht sein: ein Lügner und Betrüger und Möchtegern jeden Tag so sehr, daß man nicht mehr weiß, wer man wirklich ist.
Und uns ehrlich um unsere Belange gegen die Widerstände der Mächtigsten selbst zu kümmern, das zu verlangen, ist aber nun wirklich zu viel.