Vorurteil

Text

von  Juli


#1 Menschen möglichst vorurteilsfrei zu begegnen, heißt nicht, jedem der das möchte, einen Vertrauensvorschuss zu geben. 


Es gibt kein Recht auf einen Vertrauensvorschuss. Ich darf ihn verschenken an wen ich will. 



#2 Konsequenzen aus negativen Erfahrungen, werden gerne als Vorurteile abgestempelt. 






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Kommentare zu diesem Text


 DanceWith1Life (24.07.26, 18:09)
#2
Ich kenne deine Erfahrungen nicht, aber meinen Beobachtungen nach, wollen oft jene, die Vorsicht als Vorurteil deklarieren einen Nutzen aus naiver Offenheit ziehen. Ernstzunehmende Gesprächspartner haben weniger Probleme damit.

 Juli meinte dazu am 24.07.26 um 20:13:
Mit Erfahrungen meine ich nicht nur eigene, es können auch Erfahrungen anderer berücksichtigt werden.

Wahrscheinlich wurden Vorurteile lange so stark verteufelt, dass man  Erfahrungen lieber hinterfragte als sie ernst zu nehmen.

 Augustus (25.07.26, 17:29)
(Vor)Urteil ist quasi jemanden strafen ohne Verbrechen, in dem man diesem jemand dieselbe Identität wie dem Verbrecher vergibt. 

Während ein Vorschuss an Vertrauen - in der Regel nicht verschenkt wird - weil der Schlenker nichts zu erwarten hat, sondern der Vorschuss ist eine Art Kredit, der zurückgezahlt wird mit der Erwiderung derselben Münze; hier also auch Vertrauen. 

Das Geschenk hat keine Konsequenzen, die nicht-Rückzahlung eines Vorschusses aber schon. 

Das Vorurteil ist wahrscheinlich sehr alt als Funktion, die dem überleben der Jäger damals diente. Selbst harmlose Tiere wie etwa ein Reh wurden zu gejagten wie ein Wolf. Beide teilten dieselbe Identität aus der Sicht des Jägers. 

Das Vorteil schafft aber auch eine klare Abgrenzung zu seiner eigenen Identität; manche erst durch die Vorurteile eine eigene Identität, die sie sonst nicht haben würden. 
Das Vorurteil sagt auch viel über den der Vorurteile geht, je mehr Vorurteile, umso größer den Wunsch nach einer Identität.  

 Juli antwortete darauf am 25.07.26 um 18:10:
(Vor)Urteil ist quasi jemanden strafen ohne Verbrechen

Dann sind die meisten Vorurteile gar keine, weil es keine Strafen sind.

Einen Vertrauensvorschuss zahlt man nicht zurück, wenn man keinen Vertrauensbruch macht ist es schon gut.

Antwort geändert am 25.07.2026 um 18:11 Uhr

 Augustus schrieb daraufhin am 25.07.26 um 22:57:
Vor)Urteil ist quasi jemanden strafen ohne Verbrechen
Hier wollte ich das eigentlich wortwörtlich gar nicht gesehen haben. Das „Verbrechen“ stand hier vielmehr als „Füllwort“ für ein x beliebiges Vorurteil. 


Vertrauensvorschuss: das ist klar. Aber wenn ein Schenker etwas jemanden schenkt, entbindet er sich jedweder Forderung und Erwartungshaltung. 

Beim Vertrauensvorschuss wird der dass Vertrauen schenkende aber am Ende enttäuscht, wenn es missbraucht wird. Hier ist also doch eine Erwartungshaltung gegeben, und diese markiere ich wie einen „Kredit“, der ebenfalls eine Erwartungshaltung hat.

 Juli äußerte darauf am 26.07.26 um 03:27:
entbindet er sich jedweder Forderung und Erwartungshaltung. 

... das ist nicht ganz so. Geschenke verpflichten schon ein bisschen. Deshalb nimmt man nicht jedes Geschenk an. Manche Geschenke sind sogar verboten.

 Augustus ergänzte dazu am 26.07.26 um 08:10:
Wenn die Geschenke selbst ein bisschen verpflichten, verpflichten sie auch den, der den Vertrauensvorschuss entgegennimmt. 

Ich möchte damit sagen, ein Vertrauensvorschuss ist wirklich ein reines Geschenk, wenn das missbrauchen desselben nicht zu einer Enttäuschung führt. In allen Fällen führt es aber dazu.

 Juli meinte dazu am 26.07.26 um 09:16:
Genau so war es gemeint :)

 Oggy (25.07.26, 21:47)
Am besten wäre eigentlich, man gäbe keinem einen Vertrauensvorschuß.

 Juli meinte dazu am 25.07.26 um 22:05:
Das funktioniert auch nicht, es gilt das Motto trau schau wem.

 LotharAtzert meinte dazu am 26.07.26 um 10:22:
Am besten wäre eigentlich, man gäbe keinem einen Vertrauensvorschuß.
Wäre denn Geiz besser?

 Juli meinte dazu am 26.07.26 um 10:39:
... das denke ich nicht, ich glaube auch nicht, dass es im Sinne von Geiz gemeint war, sondern im Sinne von Gleichbehandlung, alle oder keiner?
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