P*I*C*A*S*S*O - HOMMAGE
Lehrgedicht zum Thema Kunst/ Künstler/ Kitsch
von harzgebirgler
Vielfältig ist sein Werk und umfangreich,
kein andrer Künstler kommt ihm da wohl gleich.
Und was er schuf, war meistenteils famos –
sein Einfluss auf die Kunst entsprechend groß.
Er war auf jeden Fall ein Kunstgigant,
der immer wieder Ausdrucksformen fand,
die seinerzeit enorm Akzente setzten,
weswegen ihn auch Sammler früh schon schätzten.
Manch Künstler ist ein Rinnsal nur, doch er
war sozusagen regelrecht das Meer –
sein Name prägt das zwanzigste Jahrhundert
im Kunstbereich, was ja auch keinen wundert,
dem dieser schon von Jugend an vertraut
und der verwundert heut’ noch manch Werk schaut
von diesem Meister, der oft rätselhaft
in vielen Ausdrucksformen viel geschafft.
So Künstler sehen anders, sehen mehr,
die Wirklichkeit erscheint ihnen zu sehr
verbrämt von Schein, den es zu tilgen gilt
in einem reduziert-abstrakten Bild,
das Grundzüge oft allerdings so zeigt,
dass es Betrachters Ansicht übersteigt
und auch ästhetische Begriffe sprengt,
an denen Mensch gemeinhin ziemlich hängt.
Pablos "teurer" Junge
Picasso malte einen Jungen –
der ist ihm meisterhaft gelungen:
Im Arbeitsdress, Hand hält hoch Pfeife,
sitzt er herb da im Schmelz der Reife
zum Manne mit gespreizten Beinen,
die lang wie wohl auch kräftig scheinen.
Sanft südlich wirkt die braune Haut
des Jungen, der verhangen schaut
aus Augen, die geschont von Lidern,
Betrachterblick nur scheu erwidern.
Das schmale Antlitz, dunkle Haar,
ein Mund, breit, trotzig, wunderbar –
der Maler krönt dann noch das Ganze
durch Rosen, die vereint zum Kranze,
des Jungen Haupt zartblühend schmücken
und mich an diesem Bild entzücken.
Hier wird der ernsterfüllten Jugend
in ihrer Schönheit, ihrer Tugend
ein künstlerischer Kranz geflochten –
so, wie es nur wenige vermochten
und Bilder malten auch mit Knaben,
die noch ihr Leben vor sich haben.
Bei Gainsborough gibt es dies Sujet,
„Knabe in Blau“ – wenn ich den seh,
ein junger Lord, edel gekleidet,
offenen Augs, das Blick nicht meidet,
scheint der mir ebenfalls gelungen –
doch rührnder find ich Pablos Jungen,
der eine Pfeife seltsam hält
und traurig wächst in trister Welt:
Das hat der Maler wohl gesehn
und ziert mit Blüten ihn, echt schön!
Das 1905 in Paris entstandene Gemälde Junge mit Pfeife aus der sogenannten rosa Periode Picassos – da kämpfte er noch um Einkommen und Anerkennung – wurde 2004 bei Sotheby’s in New York für sagenhafte 104 Millionen Dollar von einem unbekannten Sammler ersteigert (siehe dazu das historische Auktionsfoto bei Alamy). Damals bedeutete dies einen absoluten Preisrekord.
Die Frauen von Algier
Picassos „Die Frauen von Algier“*,halbnackt
und wie man es kennt von ihm ziemlich abstrakt,
die haben jetzt einen Rekordpreis erzielt,
den mancher wohl eher für unmöglich hielt:
Für fast hundertachtzig Millionen Dollar
ward’s Bild jetzt versteigert bei Christie’s – in bar
mit Sicherheit nicht, doch das Geld kommt schon rum,
pacta sunt servanda, klar, dumdideldum.
Damit ist es nunmehr das teuerste Bild der Welt,
als was bislang von Bacon eins gilt –
von Francis, nicht Schinken, „Three Studies of Freud“**
und zwar Sigmunds Enkel „Lucian“, voll deut...
(2015)
* Es zeigt eine Szene im Harem, toll bunt, viel ist darauf eckig und manches prall rund. Man sieht Po und Brüste, sieht Bein und sieht Fuß – ist kaum wohl ein Bild, das der Papst haben muss! Die Details zur Rekord-Auktion sind im Artikel der Süddeutschen Zeitung nachzulesen. Hintergrundinfos zur Bildserie bietet die Wikipedia zu Les femmes d'Alger sowie die Bilddatei der Version O.
** Bezugnehmend auf das Triptychon von Francis Bacon, dokumentiert im Wikipedia-Eintrag zu Three Studies of Lucian Freud.
Frau mit Armbanduhr
Picassos „Frau mit Armbanduhr“ aus der Sammlung
von Emily Fisher Landau bei Sotheby's
für fast 140 Millionen Dollar versteigert.
Frau Landau* hat das Bild einstmals erworben,
da lebte noch Picasso, der es malt' –
im Märzen ist sie hornbeinalt verstorben,
viel Geld ward von 'nem Sammler jetzt bezahlt.
In New York für das Werk, weil ihre Erben
es dort versteigern ließen zu 'nem Preis,
der wird ihnen die Laune kaum verderben,
denn der war, so kann man sagen, wirklich heiß.
Und liegt sogar zur Zeit an neunter Stelle
der teuersten Gemälde dieser Welt**,
wobei, das sei erwähnt auf alle Fälle,
den Dritten gleichfalls ein Picasso hält.
Mit einem Frauenbild, wie hier zu lesen –
ist vor acht Jahr'n das teuerste gewesen...
(11/23)
* Informationen über die namhafte Kunstsammlerin liefert die New York Times im City Room Blog.
** Die aktuellen Platzierungen auf dem Kunstmarkt lassen sich in der Wikipedia-Liste der teuersten Gemälde überprüfen.
Frauenbüste (Marie-Thérèse)
Picasso war im Atelier und malte –
mal ausnahmsweise nicht, nein, haute Bild,
wofür wer später gern viel Geld bezahlte,
mit Sicherheit, weil sein Werk echt was gilt.
Was war Picasso da für'n Bild am Hauen?!
Das fragten sich Besucher, die es sah'n.
Picasso ließ sie auch ein bisschen schauen,
war meist von Publikum recht angetan.
Das Bild schwieg völlig still und ließ sich hauen,
der Künstler haute wirklich richtig rein.
Zuletzt wollt' kaum wer seinen Augen trauen:
Es sollte echt 'ne Frauenbüste sein –
das Teil ist echt was wert, doch solche Brüste,
bei welchem Mann weckten die je Gelüste?!
* Das Sonett bezieht sich auf Picassos ikonische, stark abstrahierte Darstellungen seiner Muse Marie-Thérèse Walter, wie sie im Wikipedia-Eintrag zu Bust of a Woman (Marie-Thérèse) dokumentiert sind. Werke aus dieser Schaffensphase erzielen auf dem Kunstmarkt regelmäßig Zuschläge im zweistelligen Millionenbereich.
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