Es begab sich im Dreiundneunzigsten Zeitalter der Orientomechanik, als die Teppichodynamik noch als höchste Wissenschaft galt und selbst die klügsten Turbanologen glaubten, alles Fliegende müsse aus Wolle bestehen.
Damals lebte ein Kalif, dessen Staatskunst auf einem wundersamen Flugteppich ruhte. Während andere Herrscher Karawanen aussandten und wochenlang auf Neuigkeiten warteten, glitt er lautlos über Dünen und Palmen nach Kairo, sammelte Marktgeheimnisse, Gewürzgerüchte und Pfefferstatistiken und kehrte zurück, ehe seine Minister den ersten Tee ausgetrunken hatten.
Eines Abends jedoch wurde Seine Heiligkeit von tiefer Kaufmannsmelancholie befallen.
»Mein Teppich«, sprach er, »ist vortrefflich für einen Kalifen. Aber er leidet an akuter Kamelunverträglichkeit. Meine Karawane braucht vier Wochen bis Kairo. Mein Rivale ist längst unterwegs. Was nützt mir die schnellste Teppichonautik, wenn meine Waren im Kameltempo denken?«
Da geschah eine Chronoverschiebung. Ich fiel aus einem anderen Jahrhundert mitten in die Gedanken meines Ahnherrn.
»Majestät«, sagte ich, »wir rufen einen Truppen-Transport-Hubschrauber. Der schluckt deine Karawane, flattert über die Wüste und spuckt sie vor Kairo wieder aus.«
Der Kalif sah mich an, wie ein Mathematiker eine Birne betrachtet, die plötzlich Gedichte aufsagt.
»Hub... was?«
Da erkannte ich meinen Fehler. Ich hatte geglaubt, Wissen lasse sich übertragen wie ein Sack Datteln.
Also begann ich von neuem.
»Vergesst alles. Stellt euch vor, ich vernähe heute Nacht hundert fliegende Teppiche zu einem Großsupermegateppich. Darauf setzen wir Kamele, Säcke, Händler und sogar den mürrischen Kameltreiber Abdul. Dann hebt der Teppich mit majestätisch ab und wir schweben in einem einzigen Teppichschwupp nach Kairo.«
Da strahlte der Kalif.
»Nun verstehe ich! Warum hast du das nicht gleich gesagt?«
Ich aber erschrak.
Denn der Kalif hatte keinen Hubschrauber verstanden. Er hatte lediglich den größten fliegenden Teppich der Welt verstanden.
Und seither beschäftigt mich die Frage, ob wir Menschen jemals etwas wirklich Neues begreifen – oder ob wir jede neue Idee bloß in alte Teppiche einnähen.
Die Gelehrten nennen dieses Rätsel die Große Vorstellungsverknüpfung; andere sprechen nur vom Teppichfehler.
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