kisum und misuk

Sonett

von  rochusthal

kisum

 

 

 alle dichtkunst kann es nicht verheissen

was dein herz bei einem fünfklang fühlt

schlichtes lied hat dich so aufgewühlt

und ein rhythmus droht dich zu zerreissen

 

auf der leinwand ist es nicht zu fühlen

wie das schicksal an die pforte pocht

was die fuge fein zusammenflocht

kann dir niemand aus der seele spülen

 

schönheit kommt aus vielen tristen stunden

aus detailversessner qual und wut

andacht ist der würde eingebunden

 

anmut folgt auf anmassung und mut

jeder ton hat widerton gefunden

dann erst tut der klang uns wohl und gut

 

 

 

 

misuk

  

 

neben den lautlosen kindern die stille

unglaublich unheimlich tonlos vollleid

lallende lilie lobt leere und zeit

die ist vertan wie gebrochener wille

 

kalte metapher aus eiskalter küche

und selbst die trauer braucht traurigen klang

wo ist die schwalbe? wo kreischt ihr gesang?

schluchzen ab mittag aprile gerüche:

 

hummelflug säbeltanz tastende töne

ameisen tackern den türkischen marsch

rinnsale rieseln und röcheln: bachs söhne

 

spiegeln als fugen forellenquintette

altblinde weiber - sie harfen so harsch

kuckuck jauchzt grunzend kleinterzenfalsette



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