Jetzt kracht´s dreizehn
Persiflage zum Thema Absurdes
von Reliwette
,,,"ich zähl auf Sie!
Wie, Sie sind nicht mit dabei?
Wir werden doch hingeführt zum gemeinsamen Hinsehen: Deutschland, Deutschland über alles, die große TV family Also, ein wenig konsumieren täte Ihnen nicht schlecht! Sie schauen blass aus, ich mache mir ernsthaft Sorgen um Sie.
Autowaschen ist out, outer geht`s nicht!Lay out heißt die Devise jetzt - leg dich hinaus, für irgend etwas, häng dich doch einmal für irgend etwas ein Stück aus dem Fenster.
Engagiere dich, Mensch!
Hängst du dich zu weit aus dem Fenster, dann fällst du, wenn du Glück hast, hinaus!
Wenn du noch mehr hast von dem Glück, dann wird das Fernsehen gleich zweimal über deinen "Fall" berichten., einmal per "Augenzeugenvideo" und zum Anderen in der Sendung "Polizeiasse im Einsatz!"
Wie - du möchtest nicht. Bleiben wir beim vertrauten "Sie". Sind Sie topmodelverdächtig? Beim Sturz aus dem Fenster kommtn es darauf an, eine graziöse und entspannte Haltung einzunehmen, nur nicht verkrampfen.
Vielleicht werden Sie entdeckt für die Sendung"das Starhouse" Sie sind doch bestimmt ein Strapstyp? Oder haben Sie ein loses Mundwerk, lassen niemanden ausreden, polemisieren und beleidigen Sie ihre Gäste?
Dann liegen Sie richtig bei Explosiv - der heiße Stuhl!,
Oder kaufen Sie sich eine Videokamera und schleichen durch nächtliche Straßen, begeben Sie sich in die Brennpunkte bundesrepublikanischen Geschehens. Aber legen Sie den Brand nicht selbst!, sondern folgen einem stadtbekannten Pyromanen auf seinem Leidensweg. Eine Anschriftenliste wird demnächst im "Forum eines Pyromanenflohmarktes"erscheinen."
Der Maltheser-Hilfsdienst und der Arbeiter-Samariter-Bund machen das Affentheater nicht mit,ebenso wenig das DRK.Auch die Freiwillige Feuerwehr verweigert die Teilnahme mit dem albernen Argument:"Wir wollen löschen, nicht filmen!"Was sind das für Dienstleister?
Wenn das Volk will, dass gefilmt wird, dann wird nicht gelöscht, dann wird gefilmt. Wo kommen wir denn hin?"
Jetzt müssen wir uns selbst helfen1
"Lasst uns unter eine alte rostige Stahlbrücke krabbeln.- in den neuen Bundesländern gibit es noch genügend an der Zahl. Ist gefährlicher
Rostfraß zu entdecken, oder gegebenenfalls eine Durchrostung, bei der es sich lohnt, in Lauerstellung auf eine Katastrophe zu warten?
Oder begeben Sie sich an Bord einer alten klapprigen Fähre, Fährenkatastrophen sind an derTagesordnung. Nur lassen Sie sich nicht entmutigen, halten Sie Stativ und Beleuchtungskörper bereit.
Folgen Sie den Spuren des Marders. Diese possierlichen Nager knabbern gerne an den Bremsschläuchen unserer Personenkraftwagen.. Vielleicht fangen Sie mit ihrer schussbereiten Kamera einen satten Überschlag ein.
Sie wären außer den Beteiligten die erste Person am Unfallort. Niemand weit und breit, der Sie vertreiben könnte,
Wäre das nichts, ein Lifeinterview mit den Schwerstverletzten. Was halten Sie vom Marder?
Helfen Sie dem Zufall auf die Sprünge, schreiben Sie ein Drehbuch- vorher.
Vergessen Sie weder die Totale boch die Ausscnitte mit den bestürzten Beteiligten. Stellen Sie sinnvolle Fragen, die den Zuschauer beim Tomatenessen interessieren. Niemand weit und breit, der Sie vertreiben könnte": "Haben Sie den Verunglückten gut gekannt?" Oder "Wie war er in der Schule?"
Ein gutes Drehbuch ersetzt überflüssige Schnitte "Lernen Sie die Technik der harten uhd weichen Szenenüberblendung.
Benutzen Sie stets ein Stativ. Wackeln ist nur dann sinnvoll,wenn der Zuschauer denken soll, Sie haben mit im Wagen gesessen.Den kleinen Betrug wird er übersehen, er übersieht ansosten auch sehr viel, wenn etwas nicht in seine Sehgewohnheit passt.
Wenn Sie zuviel wackeln und die Kamera um 45 Grad drehen,dann denkt der Zuschauer, er selbst säße in dem verunglückten Fahrzeug. Wollen Sie diesen Effekt erzielen?
Fließt nicht genügend Blut, fügen Sie reichlich zu: Karminrot,,Zinnober, ein Quentchen Ultramarin, aber nicht zuviel!
Sollten Sie nach Überfliegen meiner gutgemeinten Ratschläge doch eher zum "explosiven Stuhl" tendieren, dann kracht`s dreizehn."