Headline

Satire zum Thema Absurdes

von  Reliwette


Ob Sie es glauben oder nicht, die „Headline“ einer BALD-ZEITUNG muss kurz, knapp und informativ sein, ohne alles im Vorhinein zu verraten. Deshalb lernt jeder angehende Journalist, dass er die vier „w“ beachten muss: WER,WAS,WANN,WO. Seit die IS ihr Unwesen in Europa treibt, soll auch als fünftes „W“ das WOMIT nicht fehlen (Pistole, Sprenggürtel, Messer, Handgranate ). Der Leser eines solchen Blattes will seinen Kopf schütteln, sich bestätigt fühlen und darüber hinaus informiert werden. Wäre das nicht so, sei ein Zugriff auf die „TOLLSTEN GESCHICHTEN VON DONALD DUCK“ zu empfehlen, wobei jeder weiß, dass die Inhalte dieser erfundenen Geschichten mit der Realität mehr oder weniger zufällig einhergehen.

Obwohl: Das kennen wir von den Inhalten der BALD-Zeitung auch: überspitzt, übertrieben, aus den Fingern gesogen oder meinungsbildend.

Folgende Meldung wurde vom Herausgeber mit der GOLDENEN BANANE ausgezeichnet:

RENTNER: SCHUHBAND GERISSEN! NOTARZT TOT!

Chaos im Ostrhauderfehner Supermarkt

Um 15 Uhr blieben gestern in Ostfriesland die Uhren stehen (weiter auf Seite 4 )

Seite 4

(Fortsetzung von Seite 1)

Zu unglaublichen Szenen kam es gestern nachmittag in einer Filiale eines Supermarktes in Idafehn–Mitte, als einem 72-jährigen Rentner das rechte Schuhband riss. Der Mann verlor bei dem Versuch einer notdürftigen Reparatur das Übergewicht und ging vor einer der Kassen zu Boden. Eine hinter ihm agierende Kundin fuhr mit ihrem Einkaufswagen auf den Gestürzten auf, wobei es zu einer Kettenreaktion kam. Dreizehn der fahrbaren Gitterbehältnisse verursachten eine Massenkarambolage. Die Kassen zwei, drei und vier waren nicht besetzt, weil die Angestellten mit der Logistik beschäftigt waren, während eine der Kassiererinnen den Boden wischte. Sie fuhr mit der Reinigungsmaschine in die Unglücksstelle, weil sich die Bremsen gerade zur Reparatur außer Haus befanden. Im allgemeinen Durcheinander stritten zwei Kundinnen um eine Gurke, wobei eine der beiden Frauen zuschlug. Sie benutzte dazu ein Nudelholz aus einem der Sonderangebote. Das Unglück nahm auf dem Parkplatz vor dem Gebäude seinen weiteren Verlauf, als drei herbeigeeilte Rettungsfahrzeuge von verschiedenen Anbietern vor dem Eingang zusammenstießen. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Bilanz des Unglücks: Ein Toter und zwanzig mehr oder weniger schwer Verletzte. Der Verursacher entkam im allgemeinen Durcheinander dem Zugriff durch die Polizei, die sechzig Minuten später vor Ort erschien. (Rel)





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Kommentare zu diesem Text


 Saira (26.04.26, 18:37)
Lieber Reli,

was du da vorführst, ist mehr als nur Absurdität: Es ist eine präzise Entlarvung der Lust am Chaos, am Schock und am kurzweiligen Empörtsein. 

Ein Schuhband, das zum Todesurteil wird, und eine Gurke als Schlaginstrument! Das ist nicht nur grotesk, das ist brillant zugespitzt und gleichzeitig fast schon plausibel in dieser Welt der Schlagzeilen.

Deine Satire trifft genau den Nerv der „gebildeten“ Bild-Leser … ähem, Bald-Leser, die sich über die Sensationslust der Boulevardpresse empören, dabei aber selbst genüsslich in jeder grotesken Wendung schwelgen. 

Dein Text zeigt, wie absurd Realität wird, sobald man sie durch die Linse der „ganz wichtigen“ Meldung betrachtet.

Das ist wahrer schwarzer Humor, der mir gleichzeitig kalt den Rücken runterläuft, genau wie ich ihn liebe.

Fazit: ein echter Reli-Move. Toll!

Liebe Grüße
Saira
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