Gibt es eigentlich schon ein W-Wort? So analog zum N-Wort? Ich vermute ja, denn immer wenn man etwas zum Thema Wandern schreibt, herrscht eisiges Schweigen.
Ist Wandern rechts? Muss wohl so sein, denn manche Leser verbinden diese Art der Fortbewegung heute wahrscheinlich sofort mit Gleichschritt beim Marschieren und mit Wanderliedern wie "Im Frühtau zu Berge".
Einfach mal den Rucksack packen (mit einer ordentlichen Brotzeit und ausreichend Flüssigkeit) und die Stiefel schnüren, ist wohl absolut out. Heute kostet allein die Ausrüstung fürs Trekking oder Hiking mit Klamotten für alle Fälle in Softshell, Fleece oder Thermo ein Vermögen. Und es muss schon etwas mehr geboten sein als nur Natur. Das Wort Genusswandern z. B. gab es früher noch nicht, ein schöner Herbsttag mit guter Fernsicht war Genuss genug.
Ich habe in meinem Leben viele Touren gemacht, nicht nur in den Bergen. Was man zu Fuß erkunden konnte, wurde auch abgelaufen, egal wo. Das war manchmal nicht ganz ungefährlich, vor allem, wenn ich im Urlaub mal wieder mutterseelenallein auf Bergtour ging. Aber es ist ja immer gutgegangen.
Das ist heute leider vorbei. Vielleicht auch ganz gut so. Ich erinnere mich noch an eine Einkehr auf einer Almhütte vor einigen Jahren, wo ein schnieke ausgerüstetes junges Paar sich grußlos an meinen Tisch setzte und erst einmal Cappuccino bestellte.
Aber wahrscheinlich habe wieder einmal nur ich das als Stilbruch empfunden. Ewig gestrig eben ...