erstes herbsttriptychon

Sonett

von  rochusthal

das ist der herbst

 

 

 

das fette korn fiel unter fittem schnitter

und gänse fressen sich zuletzt ganz satt

denn nächstens wendet sich das glatte blatt

kommt winter und wir werden wieder bitter

 

wie morgenkühle neblig in den wettern

das ende von idyll und schmeidigkeit

und um ein vieles vor besagter zeit

sind an den bäumen bunte tote lettern

 

und krähen hacken wortlos augen aus

doch jedes wort ist der verzicht auf rache

wir leben schliesslich unter einem dache

 

tief unten giften kröten in das wasser

und hässlich macht der hass den blassen hasser

das ist der herbst. geh in dein warmes haus

 

 

  

der tag an dem die schwalben flohen

 

 

 

das ist der herbst. geh in dein warmes haus

lass dich nicht mehr von äussren dingen lenken

jetzt kannst du wieder welt und weisheit schenken

falls weisheit ist im ungefugten deines baus

 

wir leben nicht wenn wir uns lenken lassen

wir sind dann gottes puppen kalt und tot

gekentert und gescheitert plan und boot

ein punkt ein nichts inmitten großer massen

 

wir bleiben und wir folgen nicht den schwalben

wir suchen erst nach sinn und dann den ort

doch sicher auch für satte seelen salben

 

von vielen dingen gibt es keine halben

so von dem trost und von dem warmen wort

und von den bildern in den lebensalben

 

 

 alptraum

 

 

 

und von den bildern in den lebensalben

kommst du dann eines tages nicht mehr los

die ersten die so klein warn werden gross

und die bedrückenden bedrücken allenthalben

 

da gibt es kein verdrängen und entrinnen

selbst nachts dringt widersacher in den traum

und alle liessen dich du glaubst es kaum

nicht einmal ohne bösen grund gewinnen

 

doch pflanztest du nicht bäume uns als lohn

und schriebst ein büchlein gegen prahl und pressen

und hast du nicht den einen oder andern sohn

 

so hast du doch das beste schon erreicht

um alp verlust und trauer zu vergessen

die gabe macht dir dann das alter leicht



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