de Toys,, Tom:
Bodenlos verwurzelt wie ein Stern
Neuropoesie 1985 - 2025
Eine Rezension von Reliwette
Tom de Toys BODENLOS VERWURZELT WIE EIN STERN
151 Gedichte für Freigeister, Herausgeber G&G-INSTITUT
www.neurogermanistik.de
Neuropoesie 1985 - 2025
ISBN 978-3-6951-3685-8 Jubiläumsausgabe 12. Dezember 2025
Verlag Books on Demand, Hamburg ,kartoniert-paperback, Seitenzahlen fehlen
Preis nicht bekannt
Titelbild: Stadtsilhouette im Abendrot, eine reale und eine zerfließende Gestalt um-
armen sich. Auf dem rückseitigen Buchdeckel ist ein Gedicht zwischen ruinösen Mau-
ergewölben abgedruckt:
„alle kritischen Bücher wurden gelesen
alle kritischen Schallplatten gehört alle
kritischen Filme wurden gesehen ihre
ihre Warnungen haben nicht wirklich gestört
jedes Kunstwerk hängt im Museum
jeder Poet steht im multimedia - lexikon
jeder Beamte ist stolz auf sein Büro
ein System aus Silizium und Silikon
hier hat keiner Fragen an das Leben
alle hangeln sich durch die Routine
jeder plant den Tod auf langen Raten
der unterhaltungswert ist garantiert
der Alltag platzt aus dem Terminkalender
jeder Quatsch wird hochdekoriert
dieses Gedicht hat ein schnelles Ende
es wurde zu schnell rezitiert
Auf der dritten Innenseite ist ein Portraitfoto des Autors, Tom de Toys abgedrückt.
Vor das linke Auge hält er ein ovales Schildchen:“5giga.de“.
Aus dem Inhalt
Die 151 Gedichte werden mit Datum des Niederschreibens und dem Titel aufgelistet..
Leider ohne Benennung der Seitenangabe, auf der sie im Buchverlauf aufgefunden wer-
den können, da die Seiten ohnehin nicht beziffert sind. Die Leser können entweder die
Gedichte von vorne an bis nach hinten durchlesen und besondere Stellen markieren oder
ein Lesezeichen verwenden, aber nicht im Inhaltsverzeichnis ein beliebiges Gedicht
auswählen und im Innenteil aufsuchen, wobei das „Suchen“ in dem Fall wörtlich zu
nehmen ist.
Die Gedichte im Innenteil werden durch gelegentliche Fotos aufgelockert – oder ,
wie man will – angereichert., mal Szenen aus der Sicht des „Friedhof -Chauffeurs, mal
aus seinem Leben als Rezitator eigener Texte auf z.B. einer Poesie-Veranstaltung.
Der Autor Tom de Toys ist als Rezitator eigener Texte in der zeitgenössischen Au-
toren-Szene geschätzt und bis weit über die Landesgrenze hinaus bekannt.
Aus den zahllosen Texten des Autors sei nur einer herausgegriffen, der für ihn
bezeichnend ist, eine realer Bezug zu seinem schaffensreichen Leben im Diesseits:
KEINE DATENRETTUNG MÖGLICH
, : (BEI MECHANISCHEM DEFEKT9
Ich spiele tot, das ist das letzte, dass ich tun
Kann, bevor ich tun kann, bevor ich tot bin
und es fühlt sich gut an einfach weg zu sein
das ganze Nervenkostüm deaktiviert, die
hochkomplexe Identität gelöscht
die Sinne befreit von sämtlichen Erinnerungen
und der Rest an echten Empfindungen nur
noch an der konkreten Gegenwart orientiert
ohne die eingebildete Person, die etwas
vermissen könnte oder darunter leidet, dass
all ihre Errungenschaften zunichte gemacht
,wurden , all ihre Gedanken, Gefühle und
menschliche Mühe, die Erkenntnisse über
den Sinn des Lebens für eine Nachwelt zu
zu dokumentieren, die nun niemals erfahren
wird, dass dieses Lebenswerk überhaupt
existierte und trotzdem den Weg weitergeht,
der mit der Sonne beginnt, dann die Wolken
beim Namen nennt und mit dem Mond eine
Pause einlegt, bis das gesamte Universum
In sich zusammenfällt, weil letztlich das
Dasein selbst nach einer unendlichen Phase
des Vorhandenseins alle Datensätze in die
Abwesenheit reißt.
Im letzten Teil des Buches geht es um den Autor selbst, um die IDENTITÄT
des Tom de Toys, an der er selbst aus Einsamkeit heraus selbst zweifelte.
Man ahnt bereits am Titel dieses Kapitels, dass sich da mehrere Gedanken
gegenseitig in die Quere! kommen:
VER( Ram )S (CHT) E AUS DEM OFF, TEIL 36
( aus dem Zyklus: LOB DER LYRIK )
Das .liest sich wie eine mathematische Gleichung mit zwei Unbekannten, sind
aber zwei Überschriften in einem Buchstabensalat, welches der Entwirrung bedarf.
Das kann dem Leser bei dem einen oder anderen Gedicht des Autors auch widerfahren.
De Toys mittendrin, auf seinem schöpferischen Weg , in seinen lyrischen Gedichten zu
Begegnen, dürfte sich als „schwieriger erweisen, als wenn man ihn von Beginn an
begleitet, denn er „schwierigt“ sich selbst und damit auch seine Zuhörer oder Leser.
Allein die ihm zu eigene Dynamik der Rezitationskunst mag manchen Zuhörer mehr
begeistern als das restlose Verstehen oder Nachempfinden des Gehörten oder
Gelesenen. Der Autor denkt schnell und manches zur gleichen Zeit. Das mag auch eine
Ursache dafür sein,, dass er sich zeitweise einen Aufenthaltsort in der Leere aus-
suchte. An einer späteren Stelle des Textes schreibt der Autor:
// als wolle er mit Hilfe der Lyrik dann doch noch abheben , als könne er fliegen oder zumindest den Körperrest in der Schwebe halten, aber da ist niemand zum Abheben, und schweben, es bedarf eines ICHs, um mit dem Gefühl, jemand zu sein, nicht blöd da zustehen , jedenfalls in den Augen des Publikums, das noch immer meint, dass da jemand stünde und über Lyrik spräche wie über Tortellini Gorgonzola an Parmesan und frischem Pfeffer. Den meisten von uns läuft das Wasser bei dieser glorreichen Erwähnung im Munde zusammen. Die meisten von uns werden mir sicherlich zustimmen, dass der Gedanke an Nahrungsaufnahme weit mehr im Bewusstsein auslöst als ein Gedicht über Sex jemals bewirken kann.“
VER(RAM)S(CHT)E AUS DEM OFF, TEIL 68
(aus dem Zyklus: LOB DER LYRIK)
Lasse ich den Dichter zum Schluss meiner Betrachtung noch einmal selbst zu Wort
kommen:
Dieses Gedicht denkt sich idiotischerweise ein ICH in der Mitte seiner Gedanken
, um die es jahrzehntelang kreist, darauf wartend, dass irgendwann aus dieser my-
steriösen Mitte eine metaphysische entität zu ihm spräche. die behauptet „ich bin
dein Denker“, und sich als wahre Identität anbietet° .Aber bei vermeintlicher An-
kunft in dieser erhofften Mitte beginnen sich die Gedanken zu zersetzen, weil es
sich in Wirklichkeit um ein großes Loch handelt, durch das alles hindurch fällt, um
wieder auf der selben Seite zu landen, wo sich alle Gedichte von selbst weiter-
schreiben
°für die ideologische Sektenführung anbietet
Hartmut T. Reliwette
151 Gedichte für Freigeister, Herausgeber G&G-INSTITUT
www.neurogermanistik.de
Neuropoesie 1985 - 2025
ISBN 978-3-6951-3685-8 Jubiläumsausgabe 12. Dezember 2025
Verlag Books on Demand, Hamburg ,kartoniert-paperback, Seitenzahlen fehlen
Preis nicht bekannt
Titelbild: Stadtsilhouette im Abendrot, eine reale und eine zerfließende Gestalt um-
armen sich. Auf dem rückseitigen Buchdeckel ist ein Gedicht zwischen ruinösen Mau-
ergewölben abgedruckt:
„alle kritischen Bücher wurden gelesen
alle kritischen Schallplatten gehört alle
kritischen Filme wurden gesehen ihre
ihre Warnungen haben nicht wirklich gestört
jedes Kunstwerk hängt im Museum
jeder Poet steht im multimedia - lexikon
jeder Beamte ist stolz auf sein Büro
ein System aus Silizium und Silikon
hier hat keiner Fragen an das Leben
alle hangeln sich durch die Routine
jeder plant den Tod auf langen Raten
der unterhaltungswert ist garantiert
der Alltag platzt aus dem Terminkalender
jeder Quatsch wird hochdekoriert
dieses Gedicht hat ein schnelles Ende
es wurde zu schnell rezitiert
Auf der dritten Innenseite ist ein Portraitfoto des Autors, Tom de Toys abgedrückt.
Vor das linke Auge hält er ein ovales Schildchen:“5giga.de“.
Aus dem Inhalt
Die 151 Gedichte werden mit Datum des Niederschreibens und dem Titel aufgelistet..
Leider ohne Benennung der Seitenangabe, auf der sie im Buchverlauf aufgefunden wer-
den können, da die Seiten ohnehin nicht beziffert sind. Die Leser können entweder die
Gedichte von vorne an bis nach hinten durchlesen und besondere Stellen markieren oder
ein Lesezeichen verwenden, aber nicht im Inhaltsverzeichnis ein beliebiges Gedicht
auswählen und im Innenteil aufsuchen, wobei das „Suchen“ in dem Fall wörtlich zu
nehmen ist.
Die Gedichte im Innenteil werden durch gelegentliche Fotos aufgelockert – oder ,
wie man will – angereichert., mal Szenen aus der Sicht des „Friedhof -Chauffeurs, mal
aus seinem Leben als Rezitator eigener Texte auf z.B. einer Poesie-Veranstaltung.
Der Autor Tom de Toys ist als Rezitator eigener Texte in der zeitgenössischen Au-
toren-Szene geschätzt und bis weit über die Landesgrenze hinaus bekannt.
Aus den zahllosen Texten des Autors sei nur einer herausgegriffen, der für ihn
bezeichnend ist, eine realer Bezug zu seinem schaffensreichen Leben im Diesseits:
KEINE DATENRETTUNG MÖGLICH
, : (BEI MECHANISCHEM DEFEKT9
Ich spiele tot, das ist das letzte, dass ich tun
Kann, bevor ich tun kann, bevor ich tot bin
und es fühlt sich gut an einfach weg zu sein
das ganze Nervenkostüm deaktiviert, die
hochkomplexe Identität gelöscht
die Sinne befreit von sämtlichen Erinnerungen
und der Rest an echten Empfindungen nur
noch an der konkreten Gegenwart orientiert
ohne die eingebildete Person, die etwas
vermissen könnte oder darunter leidet, dass
all ihre Errungenschaften zunichte gemacht
,wurden , all ihre Gedanken, Gefühle und
menschliche Mühe, die Erkenntnisse über
den Sinn des Lebens für eine Nachwelt zu
zu dokumentieren, die nun niemals erfahren
wird, dass dieses Lebenswerk überhaupt
existierte und trotzdem den Weg weitergeht,
der mit der Sonne beginnt, dann die Wolken
beim Namen nennt und mit dem Mond eine
Pause einlegt, bis das gesamte Universum
In sich zusammenfällt, weil letztlich das
Dasein selbst nach einer unendlichen Phase
des Vorhandenseins alle Datensätze in die
Abwesenheit reißt.
Im letzten Teil des Buches geht es um den Autor selbst, um die IDENTITÄT
des Tom de Toys, an der er selbst aus Einsamkeit heraus selbst zweifelte.
Man ahnt bereits am Titel dieses Kapitels, dass sich da mehrere Gedanken
gegenseitig in die Quere! kommen:
VER( Ram )S (CHT) E AUS DEM OFF, TEIL 36
( aus dem Zyklus: LOB DER LYRIK )
Das .liest sich wie eine mathematische Gleichung mit zwei Unbekannten, sind
aber zwei Überschriften in einem Buchstabensalat, welches der Entwirrung bedarf.
Das kann dem Leser bei dem einen oder anderen Gedicht des Autors auch widerfahren.
De Toys mittendrin, auf seinem schöpferischen Weg , in seinen lyrischen Gedichten zu
Begegnen, dürfte sich als „schwieriger erweisen, als wenn man ihn von Beginn an
begleitet, denn er „schwierigt“ sich selbst und damit auch seine Zuhörer oder Leser.
Allein die ihm zu eigene Dynamik der Rezitationskunst mag manchen Zuhörer mehr
begeistern als das restlose Verstehen oder Nachempfinden des Gehörten oder
Gelesenen. Der Autor denkt schnell und manches zur gleichen Zeit. Das mag auch eine
Ursache dafür sein,, dass er sich zeitweise einen Aufenthaltsort in der Leere aus-
suchte. An einer späteren Stelle des Textes schreibt der Autor:
// als wolle er mit Hilfe der Lyrik dann doch noch abheben , als könne er fliegen oder zumindest den Körperrest in der Schwebe halten, aber da ist niemand zum Abheben, und schweben, es bedarf eines ICHs, um mit dem Gefühl, jemand zu sein, nicht blöd da zustehen , jedenfalls in den Augen des Publikums, das noch immer meint, dass da jemand stünde und über Lyrik spräche wie über Tortellini Gorgonzola an Parmesan und frischem Pfeffer. Den meisten von uns läuft das Wasser bei dieser glorreichen Erwähnung im Munde zusammen. Die meisten von uns werden mir sicherlich zustimmen, dass der Gedanke an Nahrungsaufnahme weit mehr im Bewusstsein auslöst als ein Gedicht über Sex jemals bewirken kann.“
VER(RAM)S(CHT)E AUS DEM OFF, TEIL 68
(aus dem Zyklus: LOB DER LYRIK)
Lasse ich den Dichter zum Schluss meiner Betrachtung noch einmal selbst zu Wort
kommen:
Dieses Gedicht denkt sich idiotischerweise ein ICH in der Mitte seiner Gedanken
, um die es jahrzehntelang kreist, darauf wartend, dass irgendwann aus dieser my-
steriösen Mitte eine metaphysische entität zu ihm spräche. die behauptet „ich bin
dein Denker“, und sich als wahre Identität anbietet° .Aber bei vermeintlicher An-
kunft in dieser erhofften Mitte beginnen sich die Gedanken zu zersetzen, weil es
sich in Wirklichkeit um ein großes Loch handelt, durch das alles hindurch fällt, um
wieder auf der selben Seite zu landen, wo sich alle Gedichte von selbst weiter-
schreiben
°für die ideologische Sektenführung anbietet
Hartmut T. Reliwette
Zurück zur Liste der Rezensionen von Reliwette , zur Autorenseite von Reliwette, zur Liste aller Buchbesprechungen