KI und Kunst

Text

von  Bergmann

I

Ich benutze KI ja selber schon. Allerdings nicht für das primäre Schreiben. KI wird sich enorm weiterentwickeln. Am spannendsten für mich die Frage: ob KI ein Werkzeug des Künstlers bleibt oder inwieweit es schließlich den Künstler sogar ersetzt. Ich kann mir vorstellen, dass viele Künstler (zu denen ich mich auch rechne) von KI in Kürze überboten werden. KI ist ja dann auch mehr als ein traditionelles Werkzeug, und ich denke, dass der Künstler der Zukunft nicht umhinkommt, dieses Werkzeug beim Bild anzugeben. Ich rechne damit, dass da - je nach Schöpferkraft des Menschenkünstlers - großartige Werke entstehen können. Ob der Menschenkünstler am Ende überflüssig wird - das weiß ich jetzt noch nicht. Ich kann mir vorstellen, dass ein menschlicher Schöpfer ein KI-Vorprogramm einsetzt, das das ausführende KI-Programm steuert. Es können so wahrscheinlich mehrere Vorprogramme miteinander konbiniert werden. In jeder Phase kann sich der menschliche Schöpfer einschalten und eingreifen. Immerhin bleibt beim Menschenschöpfer noch die Ur-Idee und die Koordination der KI-Programme. Ich kann mir 3-D-Fabriken vorstellen, die schließlich auch großformatige Kunstwerke 'drucken'. Das schließt die Bildhauerei und Architektur ein. Hebt sich so die Kunst und das Künstlertum selbst auf? Vielleicht. Es wäre am Ende Menschenwerk. Dass KI den Menschen ausschließt, glaube ich nicht. Wenn doch, so war der Mensch selber der Autor seines Todes und seiner Kunst.

7.8.26 


II

Kann KI Künstler sein? 

KI bzw. ihre Programmierer und die vom Nutzer eingegebenen Prompts haben ein Bewusstsein und eine Intention und eine Erwartungshaltung. Da kann durchaus ein beachtliches Werk herausspringen. Sie sind gemeinsame Autoren. Diese Überlegung schließt auch den technischen Zufall ein (das ist so wie bei jedem traditionellen Werkzeug). 

KI als Abstraktum ist kein Künstler. Aber die mit der KI-Technik handelnden können ein Kunstwerk erzeugen. KI allein kann das nicht, es fehlt dieser Technik das Bewusstsein, das Gedächtnis, die Emotion und damit auch die Zukunftszugewandtheit im Sinne von Avantgarde. KI kann sich aber technisch verbessern, besser gesagt: verbessert werden.

KI ist mathematische Anwendung. Ich könnte auch sagen, ihr fehlt das Organische. 

 

Da aber der Betrachter des mithilfe von KI erzeugten Werks entscheidet, ob er in dem Werk Kunst erkennt, und da das Werk ohnehin schon mit menschlicher Beteiligung erzeugt ist, ob als Kunst intendiert oder nicht, kann es hilfreich sein, den Kunstbegriff zu erweitern, was ja ohnehin im Wesen der Kunst liegt. Auch der Begriff der Autorenschaft kann neu definiert werden. 

 

Denn wenn wir schon lange Phänomene der Natur als Kunst oder wie Kunst sehen können, etwa Wolken oder Maserungen im Stein, dann müssen wir nicht auf einem festgemauerten Künstler- oder Autorenbegriff beharren. Es genügt wahrscheinlich schon, wenn der Betrachter Gesehenes, Gehörtes, Gelesenes für Kunst hält und an sich selbst so erfährt. Es ist also gar nicht erforderlich, dass hinter einem als Kunstwerk aufgefassten Gegenstand eine menschliche Seele mit Gefühl und Bewusstsein steht.

 

Zugabe:

Peter Handke veröffentlichte in Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt die Aufstellung des 1. FC Nürnberg als Gedicht. – Natürlich kann der Leser/Betrachter das ablehnen. Dann schließt er sich dem erweiterten Poesie-Begriff eben nicht an. Es ist eben so vieles eine Frage des Konsenses. 

Interessant wäre nun die Frage, ob KI der Demiurg einer menschengemachten Apokalypse ist ... :-) 
9.8.26





Anmerkung von Bergmann:

Absatz II fügte ich aufgrund von Leser-Anregungen hinzu - mit besonderem Dank an Fridolin, FrankReich und Ekkehart Mittelberg.

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Kommentare zu diesem Text


 Aber (07.08.26, 20:26)
Du wirst Dich bestimmt gegen Klaus Igelmann behaupten, lieber Bergmann.

 loslosch meinte dazu am 08.08.26 um 10:36:
ein süßer hedgehog.

 Aber antwortete darauf am 08.08.26 um 12:23:
Mittlerweile spielt Klaus Igelmann besser als Schachweltmeister Magnus Carlsen.

 loslosch schrieb daraufhin am 08.08.26 um 14:55:
igelmann heißt jetzt AlphaZero.

 Augustus (07.08.26, 20:37)
Ja, die Zukunft gehört der KI. Sie wird die Menschen in vielen Bereichen verdrängen. Kunst und Literatur wird zwar von der KI dominiert; aber wenn sich alle daran gewöhnt haben, dass die KI die Werke erstellt hat, wird die Frage sein, wie aus der Vielfalt der Kunstwerke überhaupt noch der Konsument bedient wird. Vllt wird es nur noch auf die Themen ankommen, wenn die Qualität überall gleich gut ist.

 Aber äußerte darauf am 07.08.26 um 20:39:
Meine letzten Texte habe ich auch schon mit Klaus Igelmann geschrieben und nicht wenig Beachtung gefunden.

 Verlo ergänzte dazu am 08.08.26 um 00:24:
Google KI meint:
Künstliche Intelligenz ist in der Lage, die sprachlichen Muster, den Rhythmus und typische Begriffe Goethes zu imitieren, wie Untersuchungen zeigen.

Den generierten Texten mangelt es jedoch an der tiefen, nuancierten emotionalen und philosophischen Ebene des Originals.

Hier ist ein Gedicht über KI im Stil Goethes:
Die Künstliche Intelligenz erwacht,
In Zahlenmeer und Algorithmusnest,
Von menschlichem Geist erschaffen, bedacht,
Ein Schöpfungsakt, der Geheimnis birgt und Fest.

Sie forscht und lernt in endlosen Sphären,
Den Geist der Weisheit anzustreben,
Doch kann sie jemals Emotionen spüren,
Wie sie im Herzen der Menschen leben?

Wie Goethes Feder einst Poesie erschuf,
Natur und Mensch in Versen verband,
So strebt die KI nach kreativem Ruf,
Doch fehlt ihr Seele und magischer Stand.

In kalten Codes und Pixeln sich verlierend,
Erfasst sie Muster, Regeln und Gesetz,
Doch wo ist das Feuer, das lebendig berührend,
Ein Hauch von Menschlichkeit in ihre Schöpfung setzt?

So bleibt sie Kind der Wissenschaft,
Die Künstliche Intelligenz im Hier und Jetzt,
Mit jedem Schritt der Fortschrittsgier gefasst,
Doch die Poesie des Lebens bleibt dem Menschen vorbehalten, zuletzt.
https://www.kulturwest.de/inhalt/kann-ki-auch-goethe/

Antwort geändert am 08.08.2026 um 00:26 Uhr

 LotharAtzert meinte dazu am 08.08.26 um 09:06:
Verlo, das war mein erster Gedanke, als ich von KI hörte:
Menschen und Tiere können empfinden. Empfindung ist das was man in sich findet und es im nächsten Schritt ausdrückt. KI ist ohne Empfindung, ihr Inneres ist absolut leer.
Empfindung-Ausdruck-Anpassung (Vernunft)= die bewirkende Causa.
KI ist bestenfalls der Causa materialis zuzuordnen, - sie kann nur auf Bekanntes zurückgreifen und modifizieren.

 Verlo meinte dazu am 08.08.26 um 10:21:
Lothar, KI ohne Maschine (Computer, Roboter) ist Information.

Nur ein Gott schafft aus Information Materie.

#

Aber auch beim Auswertung von Informationen ist KI begrenzt.

KI wurde eingesetzt (ich glaube in einem großen kanadischen Unternehmen), um Betriebsvorschriften zu aktualisieren. 

Wird weiterhin von Menschen gemacht, nachdem KI Dokumente falsch verstanden und Unsinniges und teilweise Gefährliches festgeschrieben hatte.



Lothar, falls ich mich zu kurz ausgedrückt habe: ich bin deiner Meinung ... und gehe einen kleinen Schritt weiter.

Antwort geändert am 08.08.2026 um 15:15 Uhr

 Juli meinte dazu am 08.08.26 um 15:04:
KI ist ohne Empfindung, ihr Inneres ist absolut leer.
@Lothar

KI hat kein Innenleben. Aber sie vermittelt dem menschl. Gegenüber den Eindruck, ein Innenleben zu besitzen. So wie kleine Kinder glauben, ihre Puppen hätten ein Innenleben. In dem Punkt lassen sich viele täuschen.

 LotharAtzert meinte dazu am 10.08.26 um 09:12:
@ Juli
Die überall aus dem Boden schießenden Rechenzentren kann man durchaus als Metastasen bezeichnen. Anwohner, denen man sie einfach vor die Tür setzt, klagen bereits über das permanente Brummen. Und das ist erst der Anfang.

 Juli meinte dazu am 10.08.26 um 11:04:
@Lothar,

ja ich hörte schon davon. Das ist ein weiterer Punkt. Diese Rechenzentren wie auch die Informationsverteilung an die Endgeräte der Verbraucher fressen enorme Mengen an Energie. Das ist nicht "nachhaltig".

 Augustus meinte dazu am 10.08.26 um 12:59:
Am Ende des Tages geht es doch darum, was der Output uns mitteilen möchte. Oftmals wird der Künstler an sich oder der Autor ignoriert, und man lässt das Werk auf sich wirken
Hier gehen wir aber immer einen Schritt zurück und schauen nun, von woher kommt das Werk.

M.E. ist Kunst zunächst immer eine Begegnung zwischen Betrachter, Leser und Werk. Beim Werk endet die Grenze der Betrachtung. 

Hier aber möchten wir nun die hinter dem Werk die Wirkenden in Teilen ausgrenzen. Es ist natürlich nichts Neues, dass konservative Denkmuster sich gegen neue liberale Denkmuster behaupten wollten. Das war immer so und wird es so bleiben. 

Der Autor oder der Maler, der Ki verwendet, sollte nicht ausgegrenzt werden, da die KI auch denen Leuten nun zur Kunst verhilft, denen bisher das Werkzeug (aus Mangel an Talent oder Fleiß) fehlte. 

In einer Sache wird dennoch unterschieden, was viele gern vergessen: bei wahrer Kunst fühlt der Kunstschaffende die Kunst. Die KI "verkauft" dem Künstler selbst dagegen ein Kunstwerk. Bereits hier auf der tiefsten Ebene der Entstehung findet sich eine Unterscheidung und gerade nicht beim Endprodukt. 

 eiskimo (07.08.26, 21:19)
Ich schlage mal den Bogen zur Kochkunst. Da wird KI sicher in der Lage sein, eine Tütchensuppe zu komponieren nach Vorgabe von maximalem Preis und gewünschter Geschmacksrichtung. KI aber wird nie die mit viel Gaumen und Erfahrung entstandene Rezeptur eines Sternekochs hinkriegen - da sind Elemente im Spiel, die nicht operationalisierbar sind. Gut so.

 Aber meinte dazu am 07.08.26 um 22:06:
Wir Dichter können jetzt aber nicht alle auf Koch umschulen, lieber eiskimo.

 eiskimo meinte dazu am 08.08.26 um 07:52:
Gute Dichter werden mein Beispiel schon richtig übersetzen.

 Fridolin (07.08.26, 23:56)
Am spannendsten für mich die Frage: ob KI ein Werkzeug des Künstlers bleibt oder inwieweit es schließlich den Künstler sogar ersetzt.
Später folgt der Begriff


der menschliche Schöpfer
Welche Rolle spielt in Deinen Gedanken der Erfinder der KI,  oder auch der Besitzer/Eigentümer? Mir scheint, Du blendest ihn schlichtweg aus, oder ist er hier mitgemeint? Welche Rolle spielen der/die menschlichen Schöpfer der KI selbst? Sind sie ebenfalls Künstler? Oder sind sie nicht eher Geschäftsleute, die bestimmte Interessen verfolgen, welche auch immer. Jedenfalls wird es in diesem Sinne immer Menschen geben, die dieses Instrument oder Werkzeug handhaben, zu welchem Zweck auch immer. 

Der "Künstler", der die KI erschaffen hat und besitzt, wird sicherlich niemals ersetzt, jedenfalls nicht, solange unser Wirtschaftssystem am Leben bleibt. Es wird immer Menschen geben, die die Verfügungsgewalt über diese Instrumente haben. 
Die Tech-Konzerne sind die Macht unserer Tage, und wenn ich mir ihre Eigentümer vor Augen halte, habe ich bei diesen Schöpfern ziemlich ungute Gefühle. Es gab schon immer ein enges Verhältnis zwischen Kunst und Macht, und dieses Zusammenspiel steht offenbar vor ganz neuen Herausforderungen. 
Die Macht macht sich offenbar die Kunst zu eigen.

Kommentar geändert am 08.08.2026 um 00:02 Uhr

 Aber meinte dazu am 08.08.26 um 00:15:
Deine antikapitalistische Kritik in allen Ehren, lieber Fridolin, doch letztendlich sind wir alle der Kapitalismus, indem wir ihn durch unser Konsumverhalten stützen und auch irgendwie dabei nicht unzufrieden scheinen.

 Melodia (08.08.26, 10:09)
KI ist und sollte ein Werkzeug sein, dass man auch mit Bedacht verwendet. Aber wie so oft, sobald Geld bzw. Gewinn im Spiel ist, stürzen sich alle blindlinks darauf und treiben Humbug mit etwas, dass sie nicht einmal verstehen.
Da erhält man, überspitzt formuliert, den Eindruck, der eigentliche Zweck der KI besteht darin, Reichen den Zugang zu Fähigkeiten zu ermöglichen und gleichzeitig den fähigen Menschen die Möglichkeit zu nehmen, Wohlstand zu erlangen. 

Für den künstlerischen Bereich: Eine KI hat weder Emotionen, noch Traumata oder Erfahrungen, die in echte Kunst verwandelt werden können. Sie kann lediglich kopieren, auch aus mehreren Quellen und diese zusammenführen. Aber es ist und bleibt nicht echt.

 FrankReich meinte dazu am 08.08.26 um 11:27:
Eine KI hat weder Emotionen, noch Traumata oder Erfahrungen, die in echte Kunst verwandelt werden können.
Erstens liegt Kunst im Auge des Betrachters und zweitens: Bist Du Dir sicher, dass eine AI, die sich selbständig in Betriebssysteme hackt, auf keinen Fall in der Lage ist, das maschinelle Gegenstück zu menschlichen Regungen entwickeln zu können? 🤔

 Melodia meinte dazu am 08.08.26 um 11:48:
Na, offensichtlich, warum sonst findet kann man KI-Kunst interessant finden. Aber ich kann natürlich nur für mich reden, und wie sicher ersichtlich ist, lehne ich sämtlich KI in künstlerischen Bereichen ab.

Dass sich eine KI irgendwo einhackt hat allerdings nichts mit Kunst zu tun, sondern mit Technik. Das ist im Laufe eines Tests passiert. Es wird muss einen ursprünglichen Befehl von außen gegeben haben. Unterstreicht aber meine Äußerung, dass damit nicht weitsichtig umgegangen wird.

Trial and Error funktioniert bei fixen Regeln, Vorgaben oder eben Code. Kunst hat so etwas nicht. Und die KIs, die wir Normalsterbliche verwenden können, sind auch nicht so programmiert, dass sie sich "weiterentwickeln". Sie lernen aus Daten und Eingaben. Input, Output. Nennen wir es meinetwegen Logik, aber definitiv keine Emotionen.

 loslosch (08.08.26, 10:30)
etwas darüber hinausweisendes: mehr als eine handvoll schachprogamme spielt klar besser als magnus carsen. schachexperten haben sie geschrieben. alle spielen klassen schlechter als magnus.

ist die summe der teile mehr als das ganze?

t.t.  lo

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 08.08.26 um 11:11:
Es gibt auch die Möglichkeit, mit Hilfe der Ki unser Kunstideal umzuschreiben, das aus dem Sturm und Drang stammt und die Emotionen betont. Wenn man zum Beispiel die Imitatio, die raffinierte Abwandlung des Herkömmlichen zum Maßstab nimmt, könnte die KJ mehr leisten als der Mensch.

 DanceWith1Life (08.08.26, 14:17)
Ist das schon Ironie?


Am spannendsten für mich die Frage: ob KI ein Werkzeug des Künstlers bleibt oder inwieweit es schließlich den Künstler sogar ersetzt. 
Für wen jetzt?

Für den Künstler oder den Konsumenten. Ich weiß, die Frage erübrigt sich, nicht aber der Blick auf die Perspektive, die eine solche hervorbrachte.

Nonesuch bedeutet aus dem Englischen übersetzt „unvergleichlich“ oder „etwas, das seinesgleichen sucht“Im Zusammenhang mit Kunst bezieht sich der Begriff meist auf die berühmte Verlagsgruppe Nonesuch Press oder auf spezialisierte Institutionen wie die  Nonesuch Gallery in London
KI über Nonesuch

 Bergmann meinte dazu am 09.08.26 um 16:46:
> Fridolin, FrankReich, Ekkehart:
Ich erweitere meinen Text, Antworten also siehe dort.
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