Denk-Tagebuch 2026

Eine Textserie von Otto
Du leidest unter Besseren wie unter Böseren wie
unter gleich Guten, die nicht schlechter sind als du.
 
 
Ich bin im Leben nicht immer ganz pünktlich,
aber deshalb nicht gleich unpünktlich.
 
 
Belesen ist, wer wichtiger findet, was 20 Zentimeter entfernt auf Papier als 20 Meter entfernt auf Straßen steht – und danach die Brille wählt.
 
 
Die Superstringtheorie, die Heisenbergs Quantentheorie des Kleinsten mit Einsteins Relativitätstheorie des Größten vereinigen will, sieht jede der wohl über 200 Elementarteilchen als bloße Schwingungs-
frequenz von Zwergsaiten (String-Fädchen) und vollendet die Zertrümmerung der Welt in allerletzte Nichtigkeiten, die im CERN dann gesucht werden.
 
 
Erinnerung macht das Leben zum Rückritt übern Bodensee mit der Gewissheit, damals an so vielen Untergangsgefahren heil vorübergeritten zu sein.
An Erinnerung gefällt, dass wir meistens wissen, was damals in der Folge uns alles passiert und nicht passiert ist, während wir es einst so wenig wussten, wie wir heute die Zukunft kennen. In der Vergangenheit kann uns nichts mehr zustoßen und geschenkt werden, als wirklich eintrat, und das gibt der Erinnerung eine Sicherheit, die keine Gegenwart und Zukunftserwartung bieten könnte.
 
 
Liebespaar-Anatomie : Zwei Spaghettis und zwei Bimbos mit Plisch und Plum auf zwei Puddels, Bimbo links auf Willie und Bimbo rechts auf Billie, Minz und Maunz, die Tatzen, Frau Duftschnuff zwischen Herrn Schmausezart und zwei Zauberleuchtis, dann zwischen Belli-Bombastikus und der Eukalyptus Hinterhand ein Mastenzausig auf lieber Marlene Wollhase (Tildchen), darüber die zwei Knulles Mafaldchen Kiekebusch mi Glühwürmchen und Pieperitzki Honigpferd mit Pfeffermäuschen …
 
 
Man warf dir vor, nicht das Buch geschrieben zu haben, das du niemals schreiben wolltest, aber das man lieber gelesen hätte.  
 
 
Alle Lebensweisheit ist Torheit vorm Aphorismus und jeder Aphorismus albern vorm Philosophen.
 
 
Oh, Wissen ist Ohnmacht, und Wille zur Macht
ist Wille zum Machtwissen.
 

Erst wusstest du nicht, wie dein Leben sein würde,
heute weißt du nicht, wie dein Sterben sein wird, und wirst du je wissen, was und wozu dein Wesen gewesen sein wird?
 
 
Die allergrößten Fans des Riesen
spuckten früher selbst auf diesen.
 
 
Erst Primus deiner Schulklasse, dann Primaverba-rina deiner Gesellschaftsklasse und immer Ultimus Postremus des Restes.  
 
 
Biographien sollten weder Heiligenlegenden noch Verrisse der vorgestellten Person sein. Wer nur ihre Lichtseiten überhell erstrahlen lässt, erregt nur Argwohn, dass ihre Schattenseiten versteckt werden sollen, und wer an ihnen nur Herabsetzendes aufdeckt, kann nicht mehr verständlich machen, warum diese Zeitperson überhaupt prominent genug ist, Biographen anzuregen. Nur vor dem Hintergrund unverdeckter Schattenseiten können aber die ja unbestreitbaren Lichtgestalten umso strahlender und einfühlbarer hervortreten, Leser neugierig und die Lektüre zum Gewinn machen.
 
 
Fortschritt ist Mordschrott. Kommt Unzeit,
steht man anderen mit Unrat und Untat zur Seite.
Jeder Betreiber vertreibt seine Konkurrenten,
um seine Waren vertreiben zu können.
 
 
Großer Geist in enger Stube, kleiner Grips
in weiter Landschaft, und der Durchschnitt
schneidet den Durchschnitt nochmal größer.
 
 
Die Ebenbilder kreieren keine Welt aus dem Nichts, sondern aus der vorgefundenen Urbild-Schöpfung, die sie vertreiben und verbessern wollen.
 
 
Naturtrolle, die in Wald und Feld versagen,
trollen sich in Podcasts und Parlamenten.


Manchen interessiert an Menschen nur, dass sie ja auch nur Menschen sind wie du und ich, Einstein und Mozart, Stalin und Mutter Theresa, die alle die Nase an derselben Stelle im Gesicht tragen, mit dem einzigen Unterschied, dass einige ihre Nase höher tragen als andere und es immer solche und solche gibt und jeder gleichberechtigt respektiert werden muss. Für alles andere am Menschen hat solcher nur Gleichgültigkeit übrig, also Menschenverachtung.


 
 
Nulla dies sine linea. Devise des Lesers:
Kein Tag ohne eine Zeile zwischen den Zeilen.
Begriffe raffen die ermüdende Ausführlichkeit der detaillierbaren Realitäten zusammen auf Denkmöglichkeiten, die ihr selber nicht abmerkbar wären.
 
 
Kein erfolgloser Dichter oder Denker weiß ja, ob er nun ein verkanntes Genie oder erkannter Stümper ist (aber er hofft jenes und fürchtet dieses im Endurteil der Nachwelt).
 
 
Referierende Paraphrasen reduzieren Philosophien
zu oft auf humanistische Phrasen.
 
 
Wer Hegels Komplexität auf ein handliches Format zurechtstutzt, will sich sagen, dass er selber gesagt haben könnte, was Hegel sagte, nur verständlicher, und dass Hegel auch nicht besser sei als er.
 
 
Von Kant ging ich zu Hegel und von Hegel weniger zu Marx und Engels als zu Schlegel und Adorno, um bei Chesterton und Thomas v. Aquin zu landen statt bei Nietzsche und Derrida. Und Thomas griff zurück auf Aristoteles statt Platon und damit vor auf den proletarischen Philosophen der Zukunft …
 
 
Fortschritt ist Rückschritt zum Ursprung, weil er
die Katastrophe ist, die an den Anfang zurückführt.
Der Zwerg auf den Schultern des Riesen
ist größer als der und sieht weiter und tiefer.
 
 
Flanierendes Lesen heißt, nur das zu lesen, was dich vor den Kopf stößt und nicht bestätigt. Was dir in den Kram passt, ist immer falsch und zu überlesen.
 
 
Wahre philosophische Tiefe ist Rückgang auf die sozialen Unterschicht-Sklaven : Zu hohe Gedanken höherer Arbeitstiere über zu niedere Klassen.
 
 
Zu verteidigen wäre das demokratisches Recht auf Faulheit gegens Vorrecht von Arbeit und Fortschritt.
 
 
Der geistige Überbau des Über-Ich ist der Boden der Tatsachen, Freuds ES die Ideologie der Ideologiekritik.
 
 
Geist ist mehr als lichtgeschwind, unendlich träg überholt er sich selber und bewegt alles statt sich.
 
 
Entweder besinnt die reiche Kirche sich zurück
auf den Armenpropheten Jesus oder die sozial Schwachen wandern ab zum dritten Monotheismus (oder zu rechtspopulistischen Parteien).
 

Sollte Unterschichtpolitik sozialdemokratisch
oder christlich sein, da Sozialismus die soziale
Frage nie löst?
 
 
Gewichtiges zieht runter, Unwichtiges erhebt uns.
 
 
Willst du von mir geliebt werden, dann gib mir nichts – als die Möglichkeit, dir viel Gutes zu tun.
Willst du von mir gehasst werden, dann beschenke mich immer wieder, wenn ich nichts bieten kann.
 
 
Pfeile wollen nun mal fliegen, egal wohin,
und seien es Bumerangpfeile ins eigene Herz.
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