Erster Brief Vanessas an ihre Freundin

Text

von  ManMan

Liebe Judith,
wir haben schon lange nichts mehr voneinander gehört. Deshalb war ich umso überraschter, als du gestern abend anriefst. Ich habe dir versprochen, ein paar Zeilen zu schreiben, aber ein bisschen habe ich dieses Versprechen schon bereut, weil ich doch jetzt so wenig Zeit habe, seit ich wieder arbeite. Ich hatte dir ja bereits erzählt, dass ich im Café als Bedienerin tätig bin. Na ja, besonders üppig ist die Bezahlung nicht, aber das ist mir momentan auch nicht das Wichtigste. Ich fand es furchtbar, den ganzen Tag zu Hause herumzusitzen.Dabei ist Emdie so lieb zu mir! Er gibt sich wirklich alle Mühe, erledigt mehr im Haus als ich, behauptet, dass er das auch noch gern macht, und dabei schreibt er so viel und so schöne Sachen! Er ist manchmal richtig süß! Neulich erst hat er mir ein Liedchen geschrieben und wir haben dann gemeinsam eine Melodie gesucht ud auch gefunden. Ich habe dabei übrigens gemerkt, dass ich noch ganz gut Klavier spielen kann, obwohl ich es  in letzter Zeit doch sehr vernachlässigt habe.
Als wir gestern telefonierten, wolltest du mehr über meinen Schatz wissen, und ich konnte  nicht so gut ins Detail gehen, weil Emdie zuhause war und irgendwie ist mir das peinlich, wenn er zuhören kann, auch wenn er das alles weiß, was ich dir gerne erzählt hätte. Ich sag es ihm ja oft genug, wie süß ich ihn finde, und dass er mein größter Schatz auf Erden ist, und was sonst noch alles. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass er doch nicht mein Süßer sein will, jedenfalls nicht nur. Er kann auch ganz schön kratzbürstig sein. Ja, und was mich bei ihm am meisten nervt, wolltest du wissen. Das ist ganz eindeutig seine Eifersucht. Er kann es nicht haben, wenn ich mit anderen Männern flirte, obwohl das ganz harmlos ist. Damit fordert er mich natürlich erst recht heraus. Und er selber benimmt sich auch nicht grade wie ein Mönch. Jede Schürze, die er findet, jagt er, denke ich manchmal! Aber gut: im Falle eine Falles weiß ich mich schon zu wehren. Neulich habe ich ihn zufällig in der Altstadt mit einer kleinen Blonden erwischt. War nicht besonders schwer, die beiden zu trennen. Dann habe ich Emdie nach Hause gelockt und ihn über Nacht in der Abstellkammer eingesperrt. Na ja, nicht die ganze Nacht, aber schon ein paar Stunden, und als er dann wieder herauskam, war er so etwas von draufgängerisch....ach, so hatte ich meinen Süßen schon lange nicht mehr erlebt!
Angeblich hat er übrigens Aussichten, etwas zu veröffentlichen, aber ich weiß nicht, ob er das nur behauptet, damit ich ihn mehr zu würdigen weiß. Er ist in dieser Beziehung etwas komisch, denn er glaubt, er wäre für mich wertvoller, wenn er erst einmal richtig anerkannt ist als Dichter. Das ist natürlich ein völliger Quatsch. Am liebsten wäre mir, ich hätte ihn ganz für mich, meinen Emdie, und er schriebe nur für mich, na ja du weißt schon, der Traum von einer Prinzessin, über den wir früher in der Schule so oft gesprochen haben. Ach so, ehe ich es vergesse: du wolltest wissen, warum ich ihn Emdie nenne. Also eigentlich deshalb, weil mir sein richtiger Name so hölzern klingt, und da bin ich auf die Idee gekommen, ihn „mein Dichter“ zunennen, kurz MD, und daraus ist dann Emdie geworden.
Schreibst du mir auch einmal ausführlich, wie es dir geht? Darüber würde ich mich sehr freuen.

Es grüßt dich ganz, ganz lieb

Vanessa

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Kommentare zu diesem Text

Caterina (46)
(09.07.08)
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 ManMan meinte dazu am 09.07.08:
Die ursprüngliche Antwort wurde am 10.07.2008 von ManMan wieder zurückgenommen.
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