Ich sehe tote Menschen

Text zum Thema Traum/ Träume

von  CoraLie

Mit müdem Gesicht blicke ich mein Spiegelbild an. Ausnahmsweise habe ich geträumt und so langsam kehrt die Erinnerung daran zurück.
Die Träume schienen meinen Verstand überfordert  zu haben, trotz sieben Stunden Schlaf bin ich einer erneuten Unterhaltung mit meinem Bett nicht abgeneigt.
Mein Spiegelbild scheint fremd und vertraut gleichzeitig. Die Gesichtszüge gehören eindeutig mir, aber es ist etwas anderes in meinem Blick zu finden. Etwas Altes. Meine Augen scheinen für einen langen Moment unendlich alt zu sein. Ich schreibe es der Ermattung zu und kaschiere die Schwere dieser Augen mit Concealer.

In meinem Traum habe ich tote Menschen gesehen. Sie waren überall auf der Lichtung, auf der meine Freundin und ich uns befanden, doch sie konnte die Toten nicht wahrnehmen. Die Toten liefen oder standen, flehten um Hilfe oder musterten mich feindselig. Und trotz all der Lebendigkeit umgab sie die Aura des Todes.
Ich schrie meine Begleiterin an, die die ganze Zeit an meiner Seite war, ob sie sie nicht auch sähe.
Doch sie fragte nur: "Wen denn? Hier ist doch niemand".

Am Rand der Lichtung saß eine Frau auf dem Boden, gehüllt in einem schwarzen Umhang. Leuchtendes, rotes Haar zierte sie. Ich ging zu ihr, ohne Begründung und sprach sie an.
Diese gelebten Augen wollten nicht so recht zu ihrer jungen Gestalt passen. Diese Augen starren mich jetzt aus meinem Spiegelbild an.
Und ich, sowie ein Flüstern anderer, die ich bislang nicht entdeckt hatte, aber nicht tot zu sein schienen,  wussten, dass diese rothaarige Frau ich bin.


Anmerkung von CoraLie:

Träume sind selten logisch

Kommentare zu diesem Text


 Jorge (04.10.15)
Es ist schon ein verrückter Traum. Aber normal sind meine Träume auch nicht.
LG
Jorge

 TrekanBelluvitsh (18.01.17)
Wir werden ein Teil der Zukunft, doch die Zukunft ist noch nicht gemacht. Wir sind ein Teil der Gegenwart und die wird bestimmt durch das, was wir waren. Das was und wie zu erkennen, darin kann die Macht von Träumen liegen. Doch ganz gleich, ob wir sie träumen oder nur schreiben, sie sind nie eindeutig. Und manchmal ist ein Hügel nur ein Hügel und Bilder nur nur von den Synapsen fehlgeleitete Erinnerungsfetzen.
Prosperus (31) meinte dazu am 18.01.17:
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