Wo ist das Briefpapier

Kurzprosa zum Thema Traum/ Träume

von  DanceWith1Life

I

Ich habe noch keine Adresse, nicht mal einen Namen, geschweige denn, eine Vorstellung von dem/der/das an dessen Absender diese Briefe geschrieben werden.
Ich bleibe insoweit meiner ursprünglichen Absicht treu, diese Briefe zu schreiben, indem ich mich auf eine vor mir liegende Begegnung vorbereite.
Ich träumte damals, als die Idee, diese Briefe zu schreiben, sich in mir verdichtete, immer von einem Menschen, den ich scheinbar nicht kannte.
Vieles hat sich seit dem verändert, 32 Jahre sind vergangen.
Dieser Mensch, in meinen Träumen war es eine Frau, hatte lange dunkle Haare, ihr Gesicht konnte ich nicht erkennen, aber und das werde ich nie vergessen, ihre Haare glitzerten.
Diesen Glanz kann man nicht nachahmen.
Es gibt kein Make-Up, das so etwas hinkriegt.
Das war der erste Grund, warum ich schreiben wollte, damals.
Ich konnte sie auch nur nachts mit meinem inneren Auge wahrnehmen, und falls sie sich jetzt fragen, was zur Hölle ein inneres Auge ist, das kann ich ihnen auch nicht sagen.
Damals, also vor 32 Jahren hat sie mich durch die Nacht begleitet, wenn ich erschöpft vom stundenlangen tanzen durch die einsamen Strassen schlurfte, und so langsam aus dem Gewebe von Musik und Menschen einer Disco auftauchte, und mich ein wenig wunderte. Worüber, das konnte ich gar nicht genau sagen, aber es war eine Art Rausch im Tanzen, in der unmittelbaren Begegnung aus Blicken und Bewegung, der mich meist die ganze Nacht mit Bildern erfüllte.
Herrlich helle Gesichter waren das im Nachhinein.
Jeder Ausdruck im fotographischen Detail des Augenblicks als eine Blume zum Akkord der gespielten Musik gespeichert.
Mal ein Lächeln, mal die Suche nach dem nächsten Schritt in der Blockade zwischen zu viel Drumherum.


II

Raschelndes Papier, sonst keine Glut, nur die äußere Hitze, dürstende Gedanken vor dem Wasserglas, das sich mit seltsamen Erschütterung an den Rändern, fast singend, den Tisch entlang bewegt.
Die Hitze spricht eine eigene Sprache.

Schweiß und Schatten werden mit offenen Armen empfangen.
Bäume flüstern im Wind.

Was man alles tun könnte, wird ziemlich belanglos.
Schaff dieses empfindliche Ding in den Schatten, lautet die klare und strikte Anweisung aller Gehirnzellen, die noch mit funktionierenden Sensoren verbunden sind.
Dann ein Signal, das jeden anderen Reiz in die zweite Reihe beordert.
Ohne Verzierung, ohne Erklärung, ohne Traum und Interpretation, sozusagen Zweifelsfrei, Durst, Such Wasser, Chef, 
Wasser.

Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (06.05.20)
in soweit -> insoweit

Nachts -> nachts

Make up -> Make-up
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