Als ich am nächsten Morgen dann
durch mein geliebtes München strich
und über die Miliansbrücke 1 kam,
da bekam mein Herz einen heftigen Stich.
1 Umgangssprachlich für Maximiliansbrücke, jedem Münchner geläufig seit dem Couplet vom Volkssänger Weiss Ferdl (Ein Wagen von der Linie 8)
Die Isar hatte mir zugeflüstert:
"Erschrecke dich nicht, du warst lange fort,
manches hat sich seitdem geändert.
Das da drüben ist jetzt ein anderer Ort."
Und als ich zum rechten Ufer sah,
gewahrte ich mit Entsetzen:
Über dem Bayrischen Landtage hingen
die weißblauen Fahnen in Fetzen.
Die Rauten schienen mir jetzt schwarzbraun.
So weit war es also gekommen.
Der Stoff hatte seit der letzten Wahl
die Farben des Parlaments angenommen.
Verschwunden der alte bairische Spruch vom
"leben und leben lassen".
Unsere LIBERALITAS BAVARICA 1
ersetzt durch lügen, verleumden und hassen.
1 Inschrift über dem Portal des Augustinerchorherrenstifts zu Polling beschreibt die freie bairische Denk- und Handlungsart, wohlwollende Gesinnung und Güte
Stattdessen das üble "Mia san mia"
erfunden vom FC Bayern,
damit lässt man sich seine Arroganz
und Überheblichkeit feiern.
Der Fürstbischof, der in Bayern herrscht
kommt aus Franken und heißt Markus Söder.
Sein Adlatus ist aus Ergoldsbach
und ist um ein Stück noch 1
1 Selbstzensur zur Vermeidung einer Kerkerstrafe
Jetzt hätte mich fast der Zensor ertappt,,
es ist nicht mehr Hoffmann Friederich. 1
Ich weiß nicht, wie er heute heißt,
der Schnüffel-Algo-Wüterich.
1 norddt. Zensor, tätig 1822-1844
Noch drei andere Parteien sitzen
im frisch restaurierten Plenarsaal.
Zwei davon sind schon lange dabei,
aber meist nur noch marginal.
Die Einen kostümieren sich
mit einer roten Krawatte.
Die Andern sind grün oder kunterbunt,
trinken Mokka mit Sojalatte.
Die dritte Partei benützt immer wieder
ein besonderes Lavement 1
damit man beim lautstarken Ausfluss
auch ihre innere Fabe erkennt.
1 Flüssigkeit für ein Klistier
Der Fürstbischof läuft in den Behörden umher
und behängt alle Ämter mit Kreuzen.
Wenn sein Vize spricht, so hört sich das an
als müsse er dringend mal schneuzen.
Auch ein unsel'ger Geist spukt noch immer
in unserem Bayernlande:
Es ist das Gespenst von Franz Josef Strauß,
eine immerwährende Schande.
Seine Reden werden noch heute bewundert,
seine Rhetorik, sein Stil, sein Wortwitz und so.
Seine beste Rede aber schrieb für ihn
der große Loriot:
https://www.youtube.com/watch?v=l4PRxu-D7lE
Ich habe das alles wahrgenommen
und fluchte wie enthemmt.
Das hat mich etwas erleichtert.
! Kruzitürkensakrament !
Und ich packte meinen Wanderstab,
wollte all diesem Schmutz entfliehen,
all diesen Narren und Nullen
und isaraufwärts ziehen.
Da ich nun der Stadt den Rücken gekehrt.
erhoffte ich neue Geschichten .
Davon werd' ich, wenn es genehm
in Caput IX berichten.