Bahn

Text

von  Alex



"Mama, Papa, guckt -Ich kann fliegen!" In einer parallelen Realität bin ich wieder fünf, Papa und Mama sind beide bei mir, sie haben mich beide lieb, und sie schauen mir lachend zu. Natürlich kann ich nicht WIRKLICH fliegen, aber es fühlt sich FAST so an, und das ist gut genug. Gut genug für'n Mensch, und erst recht gut genug für'n kleinen Jungen mit so viel Phantasie wie ich.


Aber ich bin nicht mehr fünf. Ich bin 33, 2 Wochen nach meiner Mastektomie, und eben das erste Mal nach meiner OP wieder gerannt. Ich hätte es nicht getan, wenn ich die Bahn nicht hätte erwischen müssen. Ich hab sie bekommen, gerade so, und Rennen hat sich wieder angefühlt wie fast zu fliegen, nach all den Jahren, in denen ich es gehasst hab, zu rennen.


Ich bin wieder fünf, ich bin mein eigener Vater und meine eigene Mutter, und ich sitze in der Bahn, und wische mir die Freudentränen aus den Augen, und sag mir selbst, dass es okay ist, darüber so viel zu fühlen, und gar nicht peinlich.


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