. Warum zählst du die Sterne.
Sie fragte mich immerwährend:
warum zählst du die Sterne?
Nacht um Nacht
Da schwankt alles ins Ungewisse
Nie Gedachtes, nie Gesagtes,
in der Sprache lange ausgestorbener Engel
im Schweif herunterstürzender Kometen geschrieben.
Die Thora,
die Gott Adam überlassen hat;
damit er Unsterblichkeit erlangen kann.
Deus caritas est;
אלוהים הוא אהבה, الله هو الحب
神は愛である, 上帝就是愛
ईश्वरः प्रेम अस्ति।, Бог есть любовь
Thiên Chúa là tình yêu.
in allen Sprachen sprach er das Gesetz
in allen Sprachenund doch in keiner:
Nur deshalb zähle ich jede Nacht die Sterne.
Weil nur noch wenig Zeit bleibt
Flieht der Schlaf in schwarzergraute Finsternisse
Lässt mich vergessen
Was Gestern sein wird,
was sich heute nicht ereignet hat
und was Morgen bereits geschehen ist.
An all das erinnere ich nicht mehr.
So beginne ich jede Nacht von neuem:
Antares und Alpha Centauri
Australis und Aldebaran
Celaeno in den Plejaden
Deneb, Kaitos, Shemali;
Beta Ceti im Walfisch …
Zu viele sind es,
die über die Himmel ziehen
und meine Augen blenden.
Eintausenddreihundertdrei
sind es,
bis ein neuer Morgen graut,
wenn am östlichen Horizont
der Sonnenglanz mit ihrer roten Glut
die nächtliche,
fast leidenschaftlich schamlose Kühle
durch die –
nun blass schimmernde Zauberkunst Lunas
im Schattenspiel der Nebel
erblassen lassen.
So bleibt mir verborgen…
Was in den Sternen steht.
Ego id scripsi. © Hans Feil; 30.01.2026