Beim Frühstück erklang in jenen Januar-Wochen in meiner neuen Welt oft "Op-La-Di-, Op-La-Da" aus dem kleinen Kofferradio, das zu meiner Minimalstausstattung gehörte. Es wurde das Jahr der Mondlandung und der Sommer mit "Sugar, Sugar". Ich war noch nicht einmal volljährig und hatte im Elternhaus sehr für meinen Auszug kämpfen müssen.
Das möblierte Zimmer in einer schönen Wohngegend hatte ich über eine Zeitungsannonce gefunden und bezogen, ohne es vor der Ankunft sehen zu können. Die Miete betrug 100 DM im Sommer und 120 DM im Winter, denn nur dann wurde geheizt und warmes Wasser bereitgestellt. Mit einem kleinen Tauchsieder bereitete ich mir auch im Sommer ein wenig warmes Wasser.
Die Hausbesitzer, ein älteres Ehepaar, bewohnten das Erdgeschoss und vermieteten drei Zimmer im Obergeschoss einschließlich eines Gemeinschaftsbades. Die beiden anderen Untermieter waren höfliche junge Studenten. Der eine studierte Theologie und empfing einmal pro Woche ein paar Freunde zu einem Singkreis. Um 22.00 Uhr hatten Besucher zu gehen, Besucher des jeweils anderen Geschlechts wurden grundsätzlich nicht geduldet.
Auf dem Flur stand ein Gemeinschaftskühlschrank für uns drei, jeder belegte dort ein Fach für sich. Mit den beiden gut erzogenen jungen Männern gab es weder im Bad noch mit dem Kühlschrank Probleme. Die Vermieterin schnüffelte regelmäßig im Stockwerk herum und hätte Unordnung sofort gerügt.
Mein neues Leben begann rundherum mit einem guten Start. Im November desselben Jahres zog ich trotzdem in eine größere Dachgeschosswohnung mit zwei Zimmern – wieder möbliert, aber mit einem eigenen Bad und einer kleinen Küche. Die Miete betrug nun 300 DM warm, was mich an meine finanziellen Grenzen brachte. Aber ich war einen weiteren kleinen Schritt im Leben vorangekommen.