Kurz vor Solitüde

Text

von  Gabyi

In Flensburg am Strand, kurz vor Solitüde und schräg gegenüber der backsteinernen Marineschule Mürwick am anderen Fördeufer lag die Bootsvermietung meines Onkels. Ein apfelgrünes Holzhaus mit einem Bootssteg und ganz vielen unterschiedlichen Ruderbooten verschiedener Größen. Einer, zweier, dreier, welche die Badegäste zum Bootemieten einluden. Mir gehörte während meines Aufenthaltes in den Sommerferien das rote Einerboot, mit dem ich ohne schwimmen zu können die Förde überquerte. Die dänische Grenze bei Harrislee war nicht weit entfernt. Hier lagen während des zweiten Weltkriegs Torpedoboote im Wasser, die noch bis 1945 gebaut worden waren. Am Sandstrand gab es in unmittelbarer Nähe eine längere hölzerne Seebrücke, an der die Kinder im Sommer schwimmen lernen konnten. Gegenüber des Bootsverleihs am Strand gab es einen Ruderclub und eine öffentliche Toilette. Das Betreten des Strandes war noch kostenlos. Wir zählen das Jahr 1966. Onkel Peter brachte mir einen Schiffsknoten bei, den Webleinstek, mit dem ich die Boote sicher am Steg befestigen konnte. Und er erklärte mir auch: “Es heißt nicht Paddel, sondern Riemen”.
Jeden Vormittag ging ich den etwas weiteren Weg zur Vermietung, um Onkel Peter sein Essen im Henkelmann zu bringen. Vorbei an einem weißen Wasserturm und entlang eines Ladens, in dessen Schaufenster Glasflaschen mit Vorzugsmilch ausgestellt waren. Die passten für mich irgendwie überhaupt nicht zu dieser eher ärmlichen Gegend. Das habe ich bis heute in Erinnerung behalten. Heute ist Flensburg inzwischen zur Großstadt avanciert.


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