Das Kind und der Fluss

Symbolgedicht zum Thema Erkenntnis

von  Citronella

Am grauen Fluss im Sommerwind

gräbt selbstverlorn ein blondes Kind

sein Schäufelchen in dicken Schlick,

hat keine Zeit für einen Blick

auf Schiffe, die nicht weit vom Strand

elbabwärts ziehn durchs Marschenland.


Das Kind spürt nicht den Wellengang,

den jetzt ein Frachter mit sich bringt,

erkennt den Sog nicht als Gefahr,

und schaufelt rasch voll Überschwang,

bis es entsetzt zur Seite springt,

wo vorher noch kein Wasser war.


Es taumelt, stolpert, sucht den Stand,

verliert die Schaufel aus der Hand,

das Wasser steigt ihm bis zum Knie.

Von fern ruft jemand laut: „Marie!“

Das Kind läuft weinend durch den Schmutz

und findet unter Weiden Schutz.


Am nächsten Tag bei Sturm und Wind:

Ein Kind starrt auf den trüben Fluss.

Sein Spielzeug ließ es gleich Zuhaus,

kam nur mal kurz zum Strand geschwind,

weil es für sich was klären muss.

Doch Schiffe laufen heute nicht mehr aus.





Anmerkung von Citronella:

(2017)

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