Schwarzwasserherz

Ballade zum Thema Liebe und Tod

von  Saira

Der Wind hing schief in den Masten.
Der Himmel roch nach Rum und Gewitter.
Die Nacht lag dunkel
auf der See.

 

Sie stand am Bug,
das Haar peitschte schwarz durch die Gischt,
Augen wie geheime Buchten.
 

Er liebte sie nicht
wie Männer in warmen Häusern lieben.
Er liebte sie
wie Feuer den Sturm
hungrig,
wild,
erbarmungslos.

 

Wenn sie lachte,
zersprangen Sterne auf den Wellen.
Wenn sie schwieg,
verstummte das Meer.

 

Sie küssten sich
zwischen Pulver und Tauwerk,
mit Salz auf der Haut
und Rauch in den Lungen.

 

Ihre Liebe taugte nicht für Kirchen.
Zu rau.
Zu gierig.
Zu lebendig.

 

Nachts saßen sie an Deck,
nah genug,
um die Wärme des anderen
durch nasse Mäntel schlagen zu fühlen.

 

Unter ihnen rollte der Ozean
wie ein schlafendes Untier.

 

Sie sprach von heißen Inseln,
von rotem Sand,
von Häfen voller Musik und Gold.


Und er hörte zu
wie ein Verdurstender dem Regen.

Doch Piraten besitzen kein Morgen.
Nur Wind.
Nur Blut.
Nur Zeit,
die knarrend durchs morsche Holz geht.

 

Dann kam der Donner.

Kanonen rissen den Himmel auf.
Die Nacht zerbarst in Feuer.
Rauch fraß die Sterne.

 

Und mitten im Inferno
stand sie noch immer aufrecht,
das Messer in der Faust,
schön wie der Untergang.

 

Er sah die Kugel kommen.

 

Für einen Herzschlag
hörte das Meer auf zu atmen.

 

Kein Schrei.

Nur dieser Blick –
dunkel, glühend, ungebrochen –
als wolle sie selbst dem Tod
die Kehle aufreißen.

 

Dann fiel sie.

 

Und etwas in ihm
stürzte mit ihr ins Schwarze.

 

Seit jener Nacht
fährt ihr Schiff noch immer
durch die Stürme der schwarzen See.

 

Wenn Sturm aufzieht,
schwören die Männer,
am Bug eine Frau zu sehen –
mit Haaren aus Gischt
und Augen tief wie die See vor dem Orkan.

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (27.05.26, 19:29)
Liebe Saira,
eine Seeräuber- Ballade, schade, dass sie seeräubern mussten. Ihre rauhe Liebe wäre in einhem dunklen Tannenwald sicherer gewesen
als auf einem Schiff mit splitterndem Holz, das schwere Wunden reißt. Und dann die Bleikugeln, unkalkulierbar. Wie kann man eine Liebe so leichtfertig aufs Spiel setzen?
Geht niemals auf Kanonenschiffe voller Deppen, Ihr Leute. Schön ist die Liebe im Hafen!
Gerne gelesen, Liebe Saira"
Lieberr Gruß! Der Reli

 Moppel (27.05.26, 20:07)
wow. Eine Ballade, die Gänsehaut macht.
Und ich kenne ihn diesen Piraten... ;) Au ch ein toller Titel und schöne Metaphern. lG von M.
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