Mal schnell Brötchen holen

Text

von  Verlo

Eigentlich wollte ich nur nach Loen fahren. Dreißig Kilometer hin. Dreißig Kilometer zurück. Und wieder zu Hause sein, bevor der Regen beginnt. Aber auf diese Brötchen hatte ich keine Lust, auch nicht auf diesen Nudelsalat.

So fuhr ich nach Volda. Aber direkt nach Volda wollte ich nicht fahren: zu viele lange Tunnel.

Also von Loen nach Stryn und weiter in Richtung Nordfjordeid, vorher aber nach Folkestad, die alte Straße von Ålesund.

Von Folkestad ließ ich mich von der Fähre nach Volda bringen.

Bisher war ich 117 Kilometer und drei Stunden unterwegs.

In Volda war ich nur 21 Minuten: leider hat der Regen begonnen, als ich nach dem Einkaufen am idyllischen Haven saß und etwas gegessen hatte.

Ich packe zusammen und fuhr nach Hause. 

Eigentlich wollte ich mit der Fähre zurück nach Folkestad und auf der anderen Seite des Fjordes zurück. Aber bei Regen, der für Nachmittag vorhergesagt war, wobei nie wirklich klar ist, wann er einsetzt und wie stark er ist, ist mir nicht nach einer gemütlichen Fahrt.

Der kürzesten Weg. Das bedeutete doch noch die Tunnel, denen ich nur abgewinnen kann, daß es in ihnen nicht regnet. Das heißt aber nicht, daß es nicht feucht in ihnen ist: teilweise tropft Wasser von der Decke.

Außerdem ist es in ihnen meist sehr laut, je nachdem, ob sie im Inneren naturbelassen sind oder gedämmt.

Der erste Tunnel ist 4000 Meter lang. 

Der zweite Tunnel ist 3500 Meter lang.

Der dritte Tunnel ist 270 Meter lang.

Der vierte Tunnel ist 1200 Meter lang.

Der fünfte Tunnel ist 200 Meter lang.

Der sechste Tunnel ist 1600 Meter lang.

Der siebte Tunnel ist 6500 Meter lang.

Der achte Tunnel ist 800 Meter lang.

Diese achte Tunnel bin ich auf der Hinfahrt umfahren. Jetzt mußte ich nur noch die fünf Tunnel zwischen Stryn und Utvik durchqueren, die sind allerdings zusammen nicht länger als drei Kilometer.

Vorher war ich aber noch – der Regen hatte nachgelassen – in Faleide, um mir den Beginn des dortigen Abschnitts der alten Poststraße anzusehen. 

Der Rückweg dauerte zweieinhalb Stunden und war 103 Kilometer lang.

Zu Hause angekommen, hörte ich seltsame Geräusche bei jedem Schritt: in den Stiefel stand Wasser.

Der Regenkleidung ist es nicht gelungen, den Regen abzuhalten: alles, was ich an Kleidung trug, war naß, und ich war tatsächlich am Körper naß, mußte mich, nachdem ausgezogen war, abtrocknen.

Den sehr leckeren Nudelsalat und die sehr leckeren Brötchen – beide gibt es leider nicht in meiner Nähe aß ich in den nächsten zwei Tagen.

Der Regen war vergessen. 

Es war gut, daß ich gefahren bin. 

Die meisten Menschen sterben im Bett. Oder am Schreibtisch. 




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Kommentare zu diesem Text


 Regina (24.06.26, 12:25)
Nur wenige sterben im Tunnel und manche backen ihre Brötchen selber.
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