Zu schade...

Text

von  HannaScotti

...dass wir zwei nicht auf Augenhöhe miteinander reden. Mit wir meine ich Dich : du schreibst ein Gedicht, du kennst alle Regeln, weißt, was ein Trochäus und ein Jambus ist, kannst hervorragend reimen und bist ein Meister im fabulieren.

Ist ein Mensch, der die Regeln kennt und die Anweisungen befolgt schon ein Dichter?

Ich habe den Eindruck, das geistige Klugheit nicht mit Intuition gleichwertig, auf Augenhöhe, gesehen wird.


Ich denke nur in Bildern. Habe keine Ahnung von formalem Aufbau, kann Anweisungen nie behalten, breche immer aus den Regeln aus, mein Hirn verweigert jegliche Struktur.

Oft habe ich den Eindruck, dass der Mensch, der die Regeln kennt und befolgt, als gebildet akzeptiert wird. Meine Begabung, aus meinem Unbewussten zu schöpfen, wird nicht anerkannt.Sie schreibt ja bloss "so", aus dem Flow, das ist ja keine Arbeit am Text.

Mein Zugang ist :

Ich lese hier, bei kV, zu meinem Vergnügen sehr viel. Wenn mich ein Text berührt, kommentiere ich ihn (nur den Text) oder schenke ihm ein like oder hebe ihn auf zu meinen Lieblingstexten. Andere Gedichte verlasse ich wieder, ohne Berührung, ohne Kommentar.Vielen Texten fehlt die Wahrhaftigkeit eines  Empfindens.

Mit konstruktiver Kritik bin ich vorsichtig. ich kenne mein Gegenüber und seine Kritikfähigkeit nicht. Schon oft habe ich  einen Autor gewaltig überschätzt, seine Offenheit, dem eigenen Text gegenüber.

So entstehen Verletzungen, die ich nicht abschätzen kann. Also lasse ich das lieber, Wir alle sind ja empfindliche Mimosen.

Was ich fragen will : Warum können die zwei verschiedenen Zugangsweisen, den Text vom Kopf her zu beginnen oder rein intuitiv geschriebene Texte nicht gleichwertig nebeneinander stehen? Es sind doch beides legitime Herangehensweisen. Warum beginnt unser Krieg schon dort, wo der Inhalt noch nicht einmal angedacht ist?

Aber ein Forum lebt ja von der Aufregung, wir rennen alle dahin, wo was los ist und geprügelt wird. Frieden und Stille und kluge, offene Begegnungen sind nicht spektakulär und erregen uns schon lange nicht mehr. Aber Erregung ist lebenserhaltend, da spüren wir uns wenigstens noch, aber im Innern sind wir schon halbtot, schade....

Ps : Gedichte sind in meinen Augen leise Blickwinkel, die sich nicht aufdrängen, sondern dem Leser  die Freiheit der eigenen Interpretation ermöglichen, sie vielleicht sogar erbitten? Ich diene meinen Gedichten, nur meinen Gedichten.


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