Besuch in der Bibliotek(10)

Erzählung zum Thema Erinnerung

von  Imitologiker


Besuch in der Bibliothek (10)

Heute waren wir früher als sonst in unserer Bibliothek. Die Abendsonne schien noch durch die hohen Fenster.


„Mond-o-leh … Mond-o-leh …“


„Die Fußballfans haben dich ja sehr beeindruckt.“
„Wie kommst du darauf?“, fragte ich und setzte mich auf die alte Holzbank. Mit ausgestrecktem Arm ruhte ich auf ihrer Rückenlehne.
Du lächeltest.
„Du merkst es selbst gar nicht. Du summst es schon die ganze Zeit vor dich hin.“
Erst jetzt fiel es mir auf.
„Ich weiß gar nicht, wie das Spiel ausgegangen ist.“
„Ich auch nicht“, sagtest du.

 „Vielleicht war das heute gar nicht das Wichtigste.“


Eigentlich beschäftigte mich etwas ganz anderes.


Tashi Delek.
Sein Reisebericht war erstaunlich schmal. So schmal, dass ich mich fragte, ob er überhaupt alles erzählt hatte.
War er wirklich in Somnambul gewesen? Hatte er die langen Reihen der Regale durchschritten? Oder hielt er nur die Aufzeichnungen eines anderen in den Händen?
Er schrieb, die wichtigsten Schriften hätten in den obersten Regalen gestanden. Ich musste unwillkürlich zu unserer Leiter hinaufsehen. War auch er dort hinaufgestiegen?
Am ausführlichsten berichtete er von Yoga- und Tantra-Darstellungen.
Was hatte Tashi Delek wirklich in seinen Händen gehalten?


Von Ätzna Khan heißt es, eine seiner Töchter habe später die Yoga- und Tantraübungen illustriert.
Ihr Name lautete:
Ayeza Khan.
Wir schwiegen einen Augenblick.
„Diesen Namen sollten wir uns merken“, sagtest du leise.
Ich nickte.




Anmerkung von Imitologiker:

@Lothar Atzert,
du hast die Fragmente um Ätzna Khan und Tashi Delek zusammengetragen. Dort wird erwähnt, dass eine Tochter Ätzna Khans später die Yoga- und Tantraübungen illustriert haben soll. Ihr Name lautet Ayeza Khan.
Nun bin ich auf folgendes Profil gestoßen:

https://www.instagram.com/ayezakhan.ak/related_profiles/

Ist das nur eine zufällige Namensgleichheit, oder könnte es – zumindest der Legende nach – eine Nachfahrin der mütterlichen Linie sein?
Ich bin gespannt, wie du diese Spur beurteilst.

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Kommentare zu diesem Text


 LotharAtzert (04.08.26, 09:23)
Tashi Delek bedeutet übersetzt „Viel Glück“, „Möge es dir wohlergehen“ oder „Glück und Segen“. Es ist der bekannteste tibetische Gruß und wird im Alltag ähnlich wie „Hallo“ oder „Guten Tag“ verwendet. Wortbestandteile und Übersetzung: Tashi: Bedeutet „glückverheißend“, „strahlend“ oder „Gutes Glück“.Delek: Bedeutet „gut“, „Wohlgefallen“, „Wohlstand“ oder „Frieden und Freude.
Verwendung im AlltagBegrüßung: Dient als freundlicher Gruß unter Menschen, oft verbunden mit dem Zusammenführen der Hände.Glückwunsch: Wird bei Festen, zum neuen Jahr oder bei guten Nachrichten als Segen und Ermutigung genutzt.
Soweit KI
 
Das nun wünschte ich Dir, während Du aus Tashi Delek eine Person machtest, ohn die Wortbedeutung zu erklären. Kann man machen, doch bei Dir ist das eine übliche Praxis. Auch Padma Sambhava hast Du, durch meine Namensnennung, sofort eingebunden, ohne ein Wort über seine Lehre zu verlieren – eher slapstikartig, als verehrend, so daß ich wieder hinterherschieben muß: Der tantrische Buddha bedeutet den Tibetern mehr, als den Griechen der Sokrates. All diese Dinge bleiben außen vor, so daß ich erklärenderweise mir Deinen Nick zu Gemüte führe: Imito=Nachahmung; logiker= Folgerichtigkeit im Denken; Ja gut, dafür ist dann alles Nachgeahmte ziemlich durcheinander und ich frage mich, ob es nicht aus dem Hirn eines Isensee stammt, oder eines Verehrers von ihm. Es käme auch noch ein weiterer Kandidat infrage, aber ich will kein Ratespielchen hieraus machen, sondern Dir nur in aller gebotenen Höflichkeit erklären, warum ich für Deine Immitologiken nicht länger Ideenbeschaffer sein mag.
Mir geht es im weitesten Sinn um Weisheit, nicht um menschlich-anmaßende „Wissenschaft“. Hierzu steht humorvolle Phantasie nicht unbedingt im Widerspruch, aber auch nicht im Vordergrund, es kommt wohl auf die Ausgewogenheit an.
Jetzt sag ichs lieber auf Deutsch: alles Gute und viel Erfolg weiterhin.

Anbei ein Beispiel, wie's auch gehen kann:
 Meditation

Kommentar geändert am 04.08.2026 um 09:50 Uhr

 Imitologiker meinte dazu am 04.08.26 um 15:00:
Lieber Lothar,

danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich mußte ihn erst einmal auf mich wirken lassen.

Mir wurde klar: Ich habe die Namen und Fragmente spielerisch in meine Bibliotheksgeschichten eingebaut.
Ich habe nicht bedacht, dass sie für dich eine viel tiefere Bedeutung haben. Wenn ich dadurch deine Gefühle verletzt oder den Eindruck mangelnder Achtung erweckt habe, tut mir das leid. Das war ganz sicher nicht meine Absicht.

Danke auch für den Hinweis auf AchterZwerg. Jetzt verstehe ich besser, was dir wichtig ist.

Deine Komentare haben mir viele Anregungen gegeben.
Mir ist deutlich geworden, ich muss über meine eigene Welt erzählen – die Bibliothek, die imaginären Bücher und die kleinen Funde zwischen den Seiten. Dort werde ich künftig bleiben.

Ich danke dir für deine Offenheit und wünsche dir ebenfalls alles Gute und viel Erfolg auf deinem eigenen Weg.

Herzliche Grüße
Imito

 LotharAtzert antwortete darauf am 05.08.26 um 09:08:
Jetzt tuts mir fast schon wieder ein wenig leid, denn eine Mimose bin ich ja nun auch wieder nicht. Aber Du hast es verstanden und ich danke Dir dafür. Im Vajrayana ist jeder Lehrer immer Buddha höchstselbst, wird als solcher verehrt und das ist eine sehr effektive Methode, auch wenn Außenstehende das dümmlicherweise oft als Unterwerfung betrachten. Es ist der Respekt vor der Buddhanatur, die wir alle haben.

Alles gut
Gruß
Lothar
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