Als wir am nächsten Tag die Bibliothek betraten, war alles so still wie immer. Es roch nach Holz, Staub und alten Seiten. Ich hängte meine Jacke über die Stuhllehne, du zogst deine Mütze aus und legtest sie sorgfältig auf den kleinen Tisch. „Eigentlich wollten wir doch heute nichts Bestimmtes suchen“, sagtest du. „Gerade dann findet man ja was.“ Wir gingen langsam zwischen den Regalen hindurch. Diesmal blieben wir weder bei den großen Folianten noch bei den sonderbaren Bänden mit ihren verblassten Rückenschildern stehen. Es schien, als wolle uns die Bibliothek heute in eine andere Richtung führen. Vor einem Regal mit Märchen blieb ich stehen. „Die Grimms?“ „Warum eigentlich nicht?“ Ich zog einen Band vorsichtig ein Stück heraus. Er ließ sich schwer bewegen, als hätte ihn lange niemand mehr geöffnet. Zwischen den Seiten ragte etwas Helles hervor. „Sieh mal“, sagtest du leise. Kein Lesezeichen. Kein Briefumschlag. Mehrere eng zusammengefaltete Blätter, handschriftlich beschrieben. Ich schlug das Buch vorsichtig auf. „Die sollten wir uns ansehen.“ Wir setzten uns an den Tisch am Fenster. Das Sonnenlicht fiel auf das vergilbte Papier, während der Staub langsam durch den Lichtkegel zog. Ich entfaltete den ersten Zettel. Und begann zu lesen …
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