Der Kommentar zum Kommentar

Skizze

von  DanceWith1Life

Nachdem ich jahrelang versucht habe, einige seiner Lehren in die Praxis umzusetzen, kann ich bestätigen, dass es sich lohnt, sich die Weisheit dieses umstrittenen Philosophen anzueignen. Doch das hat seinen Preis – einen Preis, den die meisten Menschen nicht zu zahlen bereit sind. Friedrich Nietzsche verbrachte den Großteil seines Erwachsenenlebens damit, den Menschen ein Geschenk zu machen, das sie nicht annehmen wollten. Es war ein gefährliches und radikales Geschenk: die Freiheit, die die Menschen gar nicht haben wollten. Und das, obwohl sie sich beklagen und sich ein anderes Leben wünschen. Wir behaupten, wir wollten die Freiheit, zu leben, zu sein, zu handeln oder zu erschaffen. Doch wenn uns die wahre Freiheit direkt gegenübersteht, packt uns die Angst.
Und wir laufen zurück in unser altes Leben.
Die Last, das eigene Leben aus eigener Kraft zu meistern, ist oft zu schwer zu tragen. Also kehren die Menschen zu dem zurück, was Nietzsche als „Herdenmentalität“ bezeichnet. Sie ordnen sich lieber unter. Oder tun das, was alle anderen auch tun. Doch wer der Herde folgt, findet womöglich nie eine Antwort auf die Frage, wer er ohne diese „Herde“ eigentlich ist. Man muss nie die Verantwortung für das eigene Leben übernehmen. Wenn etwas schiefgeht, kann man die Schuld auf die Eltern, die Wirtschaft oder die Gesellschaft schieben.
„Der sicherste Weg, einen jungen Menschen zu verderben, ist, ihn anzuleiten, Gleichdenkende höher zu schätzen als Andersdenkende.“ – Nietzsche


 das ist die Googleübersetzung eines Artikels, den ich in meiner Post fand, nach dem Entschluss noch schnell nach der Post zu schauen, als  ich Bergmann‘s Freitagskolumne gelesen hatte.

Sollte ich mich doch noch mit Nietzsche anfreunden? Ich fand ihn eigentlich immer zu überzogen, und das obwohl ich die Richtung seiner Gedankengänge eigentlich mochte, mehr noch, einige davon als wesentlich empfand. Das  stimmte mich dann doch etwas nachdenklich, also jetzt wo das Puzzle plötzlich eine Landschaft zu erkennen gibt, die ich vor 40 Jahren nicht wahrgenommen habe, gar nicht wahrnehmen konnte und das obwohl ich hörte, wie stimmig das war.

Wieso schreibt jemand sowas und wieso sagt er es so. Was kümmert einen die Herde, wenn man herausfinden will, wer man selber ist.

Ich denke, es hat damit zu tun, dass uns so vieles gar nicht bewusst ist und dies ständig dazu führt, dass wir die Dinge, die uns begegnen völlig falsch einschätzen. Es soll also eigentlich Platz schaffen, für etwas das ohne diesen Freiraum gar nicht wahrgenommen werden kann. Die Philosophie Asiens setzt an diese Stelle eine Betonung auf die Notwendigkeit der Meditation. Das ist um Klassen weniger rebellisch formuliert, aber vom Wesenskern her, geht es um dieselbe Befreiung aus Denkmustern. Das Problem mit Denkmustern ist dann auch gleich das nächste Anliegen des Autors dieses Artikels, warum er die „ meisten Menschen“ so oft erwähnt bleibt allerdings immer noch ungeklärt. Sehen Sie, eine Mutter, die morgens ihr Kind in die Schule schicken will und vom Kind hört, Mama, bitte, heute nicht, ich fühl mich nicht gut, wird jetzt kaum auf Nietzsche zurückgreifen können und trotzdem dasselbe Problem lösen, in wenigen Minuten. Das ist meiner Meinung nach eines der gruselig simplen Hindernisse unseres ganzen philosophischen Denkens, es wird alles ziemlich schnell ziemlich schwulstig. Das soll Missverständnisse vermeiden und kreiert gleichzeitig neue, die auch nicht viel besser sind.


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Kommentare zu diesem Text


 EVdR (04.08.26, 13:36)
es geht nicht um Nietzsche.
Selbstfindung, Selbstwert, das Thema.
Sei dein eigen Messias,
was nutzt die ein fremder
Glauben,
Philosophie?

Es geht um dich,
deinen Weg,
dein Leben,
deine Entscheidungen,
dein Sein!

 DanceWith1Life meinte dazu am 04.08.26 um 14:32:
Danke fürs Auseinandersetzen mit meiner Skizze, und ja diesem Text geht es nicht um Nietzsche, sondern um Beobachtungen aus der Perspektive bestimmter Gedankengänge, insofern ist ein Kommentar vom Projekt EVdR geradezu genial zu diesem Thema. Was den Kommentar selbst angeht, ich habe vor 50 Jahren angefangen mich für die darin verwendeten Begriffe zu interessieren und Leute die unglaublichsten Dinge sagen hören und alle berauschten sich daran, auf die eine oder andere Art und Weise, jetzt bin ich in dem Alter in dem man anfängt das heute zu entdecken und zwar neu oder frustriert den Kopf schüttelt, genug geredet.

Antwort geändert am 04.08.2026 um 14:33 Uhr

 AchterZwerg (05.08.26, 07:48)
Einer wie du geschätzter Dancer,
müsste Netzsche eigentlich lieben, den einzig-wahren Dichter-Philosophen (eine Kombination, die rar ist wie der ersehnte Sommerregen). Hochmusikalisch war der übrigens auch.

Lies den einfach noch einmal - ich bin mir sicher, dass du ihn jetzt viel besser verstehen wirst als damals. 

Es geht ja in der Philosophie weniger um Lösungen als um Fragen, die aufgeworfen werden. Die Antworten muss jeder (oder jede Gemeinschaft) für sich herausfinden und in die Praxis umsetzen, wenn er denn möchte.

Am Anfang steht das Staunen.

 DanceWith1Life antwortete darauf am 05.08.26 um 15:22:
Danke fürs daran erinnern, 8er, denn ich musste mich natürlich fragen, wo mein eigener skeptischer Standpunkt begründet wurde, und es waren tatsächlich diese  Leute, die ihn so liebten, und das ist ja nun wirklich ein Kapitel für sich, iukwim. Du hast erzählt, dass Du dich dem Studium der Philosophie mit neuem Interesse näherst, also den Originaltexten, dann fällt dir der Unterschied sicher auch auf, wie sie rezitiert werden und was der Originaltext sagen wollte.

Antwort geändert am 05.08.2026 um 15:52 Uhr
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