Ich fand es letztes Jahr gar nicht so toll, immer zu gewinnen. Manchmal stellte ich mich blöd und verlor extra, damit mein Gegenüber mich nicht mehr so böse anschaut. Aber dann schauten sie mich noch blöder an – so von oben herab. Also gewann ich wieder oder spielte auf ein Remis hin, in der Hoffnung, dass es zwischen uns besser wird. Doch auch dann schauten sie mich komisch an, als wäre ich von einem anderen Stern. Also hörte ich mit dem Schachspielen auf.
Ich dachte, dass dieses Brettspiel sowieso eher etwas für Angeber und Heulsusen ist, die ständig eine Bestätigung brauchen, wie toll sie sind – und sowas brauche ich nicht.
Magnus Carlsen hat mir nicht einmal die Hand geschüttelt, nachdem ich ihn schlug. Soll ich etwa absichtlich gegen ihn verlieren, damit er mich respektiert? Ich weiß nicht, was ich tun soll. So oder so werde ich immer als Unruhestifterin oder als freches Kind abgestempelt, das sich einbildet, etwas Besonderes zu sein.
Außerdem hat so ein siebenjähriges Mädchen in so einem Männersport eh nichts zu suchen, denken sie, sagen sie, hört man oft.
Ach, was soll's! Ich lasse das Schachspielen bleiben und spiele lieber wieder mit meinen Puppen und der Katze Mitzi. Beim letzten Mal hat sie mich gebissen, als ich sie beim Fressen streicheln wollte.