Beim Jaguarstreicheln im Café Bazar

Text

von  Wastl

Ich sitze auf dem ehemaligen Stammplatz von Thomas Bernhard in meinem Salzburger Lieblingscafé Bazar und betrachte die umherirrenden Gäste, die sich nicht entscheiden können, wo sie sich hinsetzen wollen. Die meisten schauen mich mit dem typischen „Du ausländischer Mistkerl hast uns den besten Platz weggeschnappt!”-Blick an. Plötzlich fühle ich mich verunsichert, denn ich hatte eher eine freundlich gesinnte Gemeinschaft um mich herum erwartet und nicht diese feindseligen Blicke.

Einige Minuten später sehe ich die Gäste endlich an ihren zuvor mit viel Aufwand ausgewählten Tischen sitzen. Aber nicht so, wie man es sich wünscht: entspannt und in angeregter Unterhaltung vertieft. Nein, jeder im Raum weint, außer mir. Ja, weint, sicherlich ohne Grund. Vielleicht hat jemand unsichtbare Zwiebeln auf die Tische gelegt, denke ich. Durch das ständige laute Geheule in diesem schönen Café werde ich allmählich unruhig. Plötzlich fühle ich einen Stich im Arm, als ob jemand eine Spritze ... Nachdem ich aufgewacht bin, sehe ich dieselben Leute wie zuvor. Jetzt lachen sie alle.

Ja, alle lachen. Offensichtlich ohne Grund. Einfach so. Lachen ist viel ansteckender als Weinen, denke ich und fange an, mitzulachen. Mir geht es dabei ganz gut und ich hoffe, dass das Lachen im Café Bazar niemals aufhört. Was für ein verrückter Wunsch, denke ich über meine eigenen Gedanken, die mir eigentlich eher fremd als vertraut erscheinen.

Plötzlich kommt durch die Eingangstür ein ausgewachsener Jaguar herein. Es könnte auch ein Leopard sein, doch bei längerem Hinsehen erkenne ich am Muster und an dem auffallend dicken Hals, dass es sich tatsächlich um einen Jaguar handelt.

Er ist eine gefährliche Raubkatze, die einen Menschen innerhalb weniger Sekunden töten könnte. Komischerweise habe ich keine Angst. Merkwürdigerweise sehe ich auf einem Teller aus Blech, der direkt vor mir auf dem Tisch steht, ein T-Bone-Steak. Ich nehme das Steak in die Hand und winke damit dem Jaguar zu. Er kommt auf mich zu, schnappt sich das Steak, legt es sich auf den Boden direkt unter mir und beißt daran herum.

Ich komme nicht umhin, den Jaguar zu streicheln. Er scheint es sogar zu mögen, also streichel ich ihn weiter, obwohl man doch eigentlich sagt, dass man eine Hauskatze nicht streicheln sollte, während sie frisst – und erst recht keinen ausgewachsenen Jaguar. Aber ich konnte nicht anders, ich war viel zu sehr von dieser wunderschönen Raubkatze fasziniert und musste sie einfach streicheln.

Plötzlich lässt der Jaguar das Steak aus seinem Maul fallen, steigt zu mir hinauf, legt sich breit auf meinen Schoß und lässt sich von mir weiter streicheln. Ich kann es kaum fassen.


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