Die erste Pressekonferenz nach der Sommerpause ist bild-schön. Sie erschlägt einen geradezu mit der Heiterkeit, die die Klausulisten verströmen.
Ja, vielleicht liegt’s auch an dem wunderschönen Ambiente, Schloss in Brandenburg, meint Merz. Kann gut sein. Brandenburg ist ein herrliches Fleckchen. Das besang schon sehr erfolgreich Reinhard Grebe in seinem Hit „Brandenburg“:
„ Stehn drei Nazis aufm Hügel und finden keinen zum Verprügeln, in Brandenburg…“
Es fehlte nur das Orchester, dann hätte unsere Bundesregierung Walzer getanzt.
So aber tanzten nur die Worte. Immer wieder „hybrid, Ki, digital“. Ich habe keine Angst vor hybrider Bedrohung. Ich habe keinen Flughafen. Sondern davor, alleine am Bahnhof in Köln zu stehen. Sicherheit aber wurde nur vor Putin und fremden Mächten versprochen.
So fremd sind mir die Mächte gar nicht, die mir täglich beim Hundespaziergang abends begegnen. Eine Gruppe asylantischer Jugendlicher, die erst die Fahrräder vom Park and Ride klauen und dann kackendreist damit versuchen, meinem Mops den Schwanz abzufahren. So lange, bis ich eines Tages dem ersten einen Stock vors Rad warf und er ziemlich hybrid über den Lenker ging. Der Stock war natürlich für meinen Hund, er sollte ihn apportieren. Aber ich bin alt und seh nicht mehr gut. Jetzt ärgern sie eine Oma mit Ponterrier. Also ehrlich, ich hätte eher Angst vor diesen Jugendlichen als vor Putin. Wenn ich Angst hätte.
Meine Güte, was drei Wochen Sommerfrische ausmachen. Die Politiker strahlen und sind sich einig, dass sie sich einig sind. Und dass die Maßnahmen „ die Möglichkeit geben, dass die Wirtschaft wieder wachsen könnte“. Sodass wieder eine 1 vorm Komma stände. Jaaa, könnte sein. Könnte auch sein, dass es morgen Gold regnet.
Die vor der Sommerpause gefassten Beschlüsse sollen jetzt gradewegs umgesetzt werden. Wir kennen die Belastungen für die Bürger. Aber jetzt sind die Pläne besser. Weil sie fröhlicher kommuniziert werden, die Sonne scheint und alles gut wird.
Das erinnert mich an die alljährlichen Besuche bei Tante Evelyn und Onkel Jupp. Bloß kein falsches Wort sagen, darauf wurde ich als Kind eingeschworen. Nix über die lächerlichen naiven Bilder an den Wänden. Nix über das Befremden, dass Menschen, die weder Kinder noch Tiere mögen, fünfzig Teddybären auf der Couch sitzen haben. Und nix über den Eierlikörkuchen von Kloppenrath und Scheune, der wie gedroschenes Stroh schmeckte.
Da sie nicht wollten, dass ich den Hund mitbringe, ging ich ab 14 nicht mehr mit.
Nun hat die Bundesregierung aber keinen Hund und kann nicht nicht dahingehen. Also stehen sie alle da, braungebrannt, urlaubsfrisch und innerlich wahrscheinlich brandenburg ( Rainald Grebe).Ja, denn mann tau, sagte der Walfänger, bevor ihn der Wal von Bord riss.
Leute! Da weht eine frische Brise. Cheese! Nein, nicht aus der Steckdose, sondern von der Politik her. Die Botschaft ist: Alles wird gut.
Aber so gut kann es gar nicht werden, wenn eine Anna-Lena Baerbock an einer amerikanischen Universität einen Lehrstuhl bekommt…
Rainald Grebe, „Brandenburg“ ( sehr hörenswert bei youtube)