Fröhliches Trinken

Erörterung zum Thema Aktuelles

von  Reliwette

Schön ist die Jugendzeit?



von ferne tönt ein lauter Jubel,

vom Bollerwagen ein Geschrei,

es nähert sich ein "Fehntjer" Rudel

hat Kistenweise Schnaps dabei.


Der schnelle Trinker scheint verflucht,

kann nicht mehr grade laufen,

denn er bedient grad seine Sucht

mit seinem Komasaufen.


Laut und fröhlich wird`s im Kreis

der jugendlichen Zecher

und man trinkt, wie jeder weiß,

den Klaren aus dem Becher.


Im trotzigen Erwachsenenalter



Von ferne tönt ein lauter Jubel,

mein Gott, man hat die Braut entführt

und es grölt ein ganzes Rudel

besoffen. wie es sich gebührt.


Nur nicht von dem Hocker kippen,

den Stiefel schlürft man in sich rein,

nicht zaghaft am Getränk nur nippen,

denn trinkfest muss als Held man sein!


Den Treuen lieb, dem Kameraden,

der jede Feier mit mir teilt,

den höre ich oft zweifelnd fragen:

"Kein Alkohol, und ihr seid breit?"


Im hohen Alter zweifelsfrei


Es ziehen Jahre durch die Zeit

schnell verging das große Glück,

die Alte, die noch bei euch weilt,

sie bleibt als junge Braut zurück.


Wenn man nüchtern glaubt zu denken

und sich dunkel noch besinnt,

wer kann die Schrite sinnvoll lenken,

die das Schicksal uns bestimmt?


Verstirbt ein Mensch am Molekül

des Alkohols, dann war`s zu viel!


Dann führt der Weg den Mensch nach droben

Wo Petrus an der Klinke steht

vom Himmelstor, sehr weit und  oben

und er fragt, wie es dir geht?


"Mein Kopf, er wackelt leicht, ein Beben,

ein Tremor hat mich voll erwischt

und du erkennst noch:"Eben, eben!" 

doch viel geholfen hat`s dir nicht!


Und du sagst mit toten Augen:

"Die Leber wollte nicht mehr taugen!" 



PS: Fehntjer Jugend  = Jugend aus dem ostfriesischen Fehngebiet


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Kommentare zu diesem Text


 Saira (31.08.26, 18:35)
Lieber Reli,

dein Gedicht gefällt mir, gerade weil es zunächst so harmlos und beinahe ausgelassen daherkommt. Bollerwagen, Gegröle, Schnaps: man kennt solche Bilder und denkt sich erst einmal nicht viel dabei. Doch je weiter man liest, desto mehr vergeht einem das fröhliche Mittrinken. :ermm:

Gut finde ich, wie du Jugend, Erwachsenenalter und Alter miteinander verbindest. Eigentlich ändert sich nur die Kulisse. Erst trinkt man, weil die anderen trinken und man dazugehören will, später gehört es eben zur Feier und zur Geselligkeit. Und wer ordentlich etwas verträgt, darf sich womöglich noch etwas darauf einbilden. 

Bei deiner Frage nach dem Schicksal bin ich hängen geblieben. Wie viel bestimmt tatsächlich das Schicksal und wie viel davon haben wir irgendwann selbst auf den Weg gebracht? Manches erkennt man wohl erst, wenn sich die Folgen nicht mehr wegtrinken oder weglachen lassen.

Dass du am Ende Petrus und sogar die kaputte Leber noch mit schwarzem Humor auftreten lässt, passt für mich sehr gut zu dem Text. Es wird nicht plötzlich moralisch oder belehrend. Der Witz bleibt, nur ist er am Schluss ein anderer als am Anfang. 

Ein sehr guter Text, lieber Reli. Vordergründig deftig und mit einem Augenzwinkern geschrieben, aber darunter liegt eine ziemlich ernste Geschichte über Gewohnheit, Verantwortung und darüber, wie schnell aus einem „Das gehört doch dazu“ irgendwann ein „Es war zu viel“ werden kann.

Herzliche Grüße
Saira
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