Universum 001 Kapitel 10A3 – Die Bienen von Ceres Die Besprechung war längst beendet. Auf der Erde diskutierte man noch immer über Frachter, Orbitlager und Linienverkehr. Weit davon entfernt schwebte eine ausgediente dritte Raketenstufe lautlos durch den Raum. Sie war kein Frachter mehr. Im Inneren befand sich ein kleines künstliches Biotop. Röhrchen, Membranen, Nährlösungen und winzige synthetische Lebewesen arbeiteten unermüdlich zusammen. Auf einem Bildschirm krochen winzige künstliche Organismen durch ein feines Röhrensystem. Jeder Einzelne konnte nur wenige einfache Aufgaben erfüllen. Gemeinsam entstanden daraus erstaunlich geordnete Strukturen. „Sie sehen aus wie ein Bienenvolk“, sagte Hans, der das Labor zum ersten Mal besuchte. „Dann nennen wir sie eben die Bienen von Ceres.“ „Aber es sind doch gar keine Bienen.“ „Nein. Sie bauen keinen Honig. Sie sammeln Atome, verbinden Stoffe Sie arbeiten wie ein Schwarm – und das ist wichtiger als ihre Gestalt.“ „Dort draußen gibt es Rohstoffe in Hülle und Fülle. Aber niemand weiß, wie man sie eines Tages mit minimalem Aufwand erschließen kann. Amir nickte. „Wir kaufen keine neuen Raumschiffe. Wir nehmen das, was andere wegwerfen.“ Die kleine Kolonie arbeitete unbeirrt weiter. Röhrchen entstanden, wurden wieder verändert und verbanden sich zu immer größeren Mustern. Hans musste an seine Diplomarbeit denken. „Der Professor sagte einmal: Große Systeme beginnen mit unscheinbaren Dingen.“ „Genau deshalb beobachten wir diese kleinen Helfer so geduldig.“ Für einen Moment wurde es still. Noch ahnte niemand, dass gerade dieses unscheinbare Biotop Jahre später eine Schlüsselrolle spielen würde.