Universum-11-

Erzählung

von  Imitologiker

Universum 001 – Kapitel 11 –
Ceres Resource Systems

Die Besprechung war eigentlich beendet.
Die Ingenieure verließen nach und nach den Konferenzraum. Auf den Bildschirmen standen noch immer Berechnungen über Orbitlager, Frachtrouten und Transportzyklen. Niemand schenkte ihnen noch Beachtung.
„Hans, bleiben Sie bitte noch einen Moment.“
Der Direktor wartete, bis sich die Tür geschlossen hatte. „Setzen Sie sich.“ Hans nahm Platz.
Auf dem großen Bildschirm erschien eine Aufnahme von Ceres. Daneben schwebte die ausgediente dritte Raketenstufe, in der sich das kleine Biotop befand.

„Sie haben sich die kleinen Helfer angesehen.“
Hans nickte. „Beeindruckend.“ „Das finden Lea und Armin auch.“
Der Direktor wechselte die Darstellung.
Nun erschien das Logo eines neu gegründeten Unternehmens.

Ceres Resource Systems GmbH

„Lea und Armin haben beschlossen, aus ihrer Forschung ein Unternehmen aufzubauen.“
Hans lächelte. „Das überrascht mich nicht.“
„Mich auch nicht. Aber ihre Ziele sind größer geworden.“

Der Direktor vergrößerte die Darstellung des Asteroidengürtels.

„Am Anfang ging es nur um Lithium.“
Nun erschienen weitere Symbole.
Nickel.
Kobalt.
Seltene Erden.
Silizium.
Kleine Batteriemodule.
Mikrobauteile.

„Die kleinen Organismen fördern längst nicht mehr nur Rohstoffe.“ „Sie fertigen bereits erste Produkte.“
Hans betrachtete die Darstellung. „Und nun fehlt nur noch der Transport.“ „Genau.“

Der Direktor stand auf und ging langsam zum Fenster.

„Ein einzelner Frachter löst dieses Problem nicht.“

„Das haben wir auf dem Mars gelernt.“

„Richtig.“

Er drehte sich um.

„Wir brauchen keinen Transport.“

Hans runzelte die Stirn.

„Sondern?“

„Wir brauchen einen stetigen Fluss.“

Auf dem Bildschirm erschien eine einzige Linie zwischen Ceres und der Erde.

„Ich möchte, dass Sie diese Verbindung entwickeln.“

„Eine Rohrleitung?“

Der Direktor schüttelte den Kopf.

„Nein.“

„Eine logistische Pipeline.“

Hans dachte einen Moment nach.

Dann musste er lächeln.

„Professor Dr. Hundertbein hätte gesagt, dass nicht die Fahrzeuge wichtig sind, sondern die Haltestellen.“

„Und diesmal“, sagte der Direktor, „sind es nicht einmal Haltestellen.“

Er zeigte auf das Biotop.

„Lea und Armin haben dort etwas entwickelt, das sich selbst organisiert.“

Die Vergrößerung zeigte die feinen Röhrchen, durch die sich die kleinen synthetischen Lebewesen bewegten.

„Diese Röhrchen wachsen.“

„Sie verbinden sich.“

„Sie reparieren sich.“

„Sie passen sich neuen Bedingungen an.“

Hans erinnerte sich an seine Diplomarbeit.

Damals hatte der Kalif nur gefragt, wer die Pferde füttern würde.

Heute lautete dieselbe Frage:

„Wie entsteht eine Verbindung, die einfach funktioniert?“

Der Direktor setzte sich wieder.

„Ich möchte, dass Sie beides miteinander verbinden.“

„Den Linienverkehr ...“

„... und das Biotop.“

„Aus beidem soll eine Infrastruktur entstehen.“

Hans nickte langsam.

Zum ersten Mal verstand er, dass es dabei nicht um Ceres ging.

Nicht um Lithium.

Nicht einmal um den Weltraum.

Es ging darum, ein Netz zu schaffen, das genauso selbstverständlich funktionierte wie ein Wasserhahn in einem Haus.

Niemand dachte über das Wasserwerk nach.

Niemand dachte über Pumpen oder Rohrleitungen nach.

Man drehte den Hahn auf.

Und Wasser war da.

Der Direktor lächelte.

„Wenn wir unsere Arbeit gut machen, wird eines Tages niemand mehr fragen, wie ein Container von Ceres zur Erde kommt.“

Hans stand auf.

„Dann wird man einfach erwarten, dass er ankommt.“

„Genau.“

Der Direktor reichte ihm die Hand.

„Willkommen bei Ceres Resource Systems.“


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