Universum-9C1-
Text
von Imitologiker
Universum 001 – Band 2
Kapitel 9C – Die erste Linie
Fast vier Jahre lang war nach außen kaum etwas geschehen. Zeitungen schrieben nur selten über Janeways Projekt. Manche nannten es Geldverschwendung, andere hielten es für eine schöne Idee ohne Zukunft.
Doch im Lagezentrum herrschte an diesem Morgen eine eigentümliche Ruhe. Niemand sprach laut. Alle warteten auf dieselbe Meldung.
Janeway trat an den großen Bildschirm.
„Statusbericht.“
Hans sah auf die Bahndaten.
„Drei Frachter mit Lithium befinden sich auf dem Rückweg zur Erde. Drei weitere Frachter sind bereits wieder auf dem Weg zum Mars.“
Einen Augenblick sagte niemand etwas.
Schließlich fragte ein Ingenieur: „Das bedeutet…?“
Hans antwortete ruhig:
„Dass wir den entscheidenden Schritt geschafft haben. Zum ersten Mal hängt unser System nicht mehr von einem einzigen Schiff ab.“
Janeway nickte.
„Genau. Heute beginnt kein neuer Flug. Heute beginnt ein Verkehrssystem.“
Am Nachmittag trat der Direktor vor den Vorbereitungsausschuss.
„Die Pressekonferenz auf der ISS bleibt bestehen.“
Ein Mitarbeiter blickte überrascht auf.
„Ich dachte, Sie wollten sie absagen.“
Der Direktor schüttelte langsam den Kopf.
„Ich wollte sie absagen, weil ich glaubte, mein Versprechen nicht halten zu können.“
Er schwieg einen Moment.
„Ich hatte den Menschen den Beginn einer neuen Zeit versprochen.“
Er deutete auf die Bahngrafik.
„Jetzt kann ich dieses Versprechen halten.“
Die Meldung ging um die Welt.
Nicht: „Ein Frachter erreicht die Erde.“
Sondern:
„Drei Frachter mit Lithium befinden sich im Anflug. Drei weitere sind bereits wieder auf dem Weg zum Mars.“
Zum ersten Mal begriffen Journalisten, Politiker und Wissenschaftler den Unterschied.
Das war keine Expedition mehr.
Das war Linienverkehr.
Später standen Hans und Janeway allein vor dem Bildschirm.
Janeway fragte leise:
„Worauf sind Sie heute eigentlich am meisten stolz?“
Hans lächelte.
„Darauf, dass niemand mehr fragt, wann der nächste Frachter startet.“
„Sondern?“
Hans zeigte auf die sechs kleinen Lichtpunkte zwischen Erde und Mars.
„Weil jeder selbstverständlich davon ausgeht, dass bereits einer unterwegs ist.“
Er machte eine kleine Pause.
„Es ist wie bei der U-Bahn in Berlin.“
Janeway sah ihn fragend an.
„Man geht nicht zur Station und hofft, dass irgendwann einmal eine Bahn kommt.“
Hans nickte.
„Man weiß einfach, dass schon eine unterwegs ist.“
Janeway lächelte.
„Dann haben wir unser Ziel erreicht.“
Zum ersten Mal wirkte der Weg zwischen Erde und Mars nicht mehr wie ein Abenteuer.
Er begann, zum Alltag zu werden.