Universum 001 – Band 2 Kapitel 9A1 – Der Schritt in die Praxis Eine Woche später legte Hans seine Diplomarbeit auf den Schreibtisch des Professors. Das Gespräch dauerte keine zehn Minuten. Der Professor blätterte schweigend durch die Seiten. Schließlich schloss er die Mappe und sah Hans an. „Sie haben verstanden, worum es geht.“ Hans atmete auf. „Danke, Herr Professor.“ Der Professor hob die Hand. „Bedanken Sie sich noch nicht.“ Er stand auf und ging zum Fenster. „In Ihrer Arbeit schreiben Sie über Pferde, Haltestellen und Infrastruktur. Das ist alles richtig.“ Er drehte sich um. „Aber Papier ist geduldig. Die Wirklichkeit nicht.“ Hans nickte. „Sie glauben also, ich habe noch nichts bewiesen?“ „Doch“, sagte der Professor ruhig. „Sie haben bewiesen, dass Sie denken können.“ Er lächelte. „Jetzt müssen Sie beweisen, dass Ihre Gedanken den Alltag überleben.“ Der Professor öffnete eine Schublade und zog einen Brief hervor. „Eine ehemalige Studentin von mir leitet ein kleines Projekt. Es hat wenig Geld, viele Gegner und einen Zeitplan, den fast jeder für unmöglich hält.“ Hans nahm den Umschlag entgegen. „Wer ist sie?“ „Sie kennen sie bereits.“ Auf dem Briefkopf stand nur ein Name: „Projektleitung: Janeway.“ Hans musste unwillkürlich lächeln. „Die Captain?“ Der Professor lachte. „Sagen Sie das lieber nicht gleich bei der Begrüßung.“ Er wurde wieder ernst. „Janeway sucht keine Spezialisten. Davon hat sie genug angeboten bekommen.“ „Wen sucht sie dann?“ „Menschen, die die richtigen Fragen stellen.“ Der Professor nahm Hans' Diplomarbeit noch einmal in die Hand. „Wissen Sie, warum ich Ihnen ausgerechnet den Kalifen gegeben habe?“ Hans schüttelte den Kopf. „Weil Sie dort gelernt haben, dass ein Verkehrssystem nicht an der ersten Fahrt gemessen wird, sondern am tausendsten Tag.“ Kurze Stille. „Genau diese Denkweise braucht Janeway.“ Hans steckte den Brief ein. „Wann soll ich mich melden?“ „Heute Nachmittag.“ „So schnell?“ Der Professor nickte. „Die Zeitlogistik wartet auf niemanden.“ Als Hans die Universität verließ, hatte er das Gefühl, dass nicht nur sein Studium beendet war. Zum ersten Mal begann etwas, das größer war als jede Vorlesung.