Universum-9B1-

Erzählung

von  Imitologiker

Universum 001 – Band 2
Kapitel 9B1 – Janeway
Am Nachmittag stand Hans vor einer schlichten Bürotür. Auf dem Namensschild stand nur:
»Projektleitung – Janeway«.
Er klopfte.
„Herein.“
Janeway blickte nur kurz von ihren Unterlagen auf. „Der Professor hat Sie geschickt.“
„Ja.“
„Dann setzen Sie sich. Kaffee?“
Hans nickte.
Eine Weile sagte niemand etwas. Janeway schob ihm schließlich einen dünnen Aktenordner über den Tisch.
„Lesen Sie die erste Seite.“
Hans runzelte die Stirn
Janeway wartete,
Auf dem Tisch lag eine Karte von Erde und Mars. Keine Raketenzeichnungen, keine technischen Daten – nur zwei Planeten und ihre Umlaufbahnen.
„Der Professor schreibt, Sie denken in Zeitlogistik. Dann erzählen Sie mir bitte nicht, wie wir schneller fliegen. Erzählen Sie mir, womit Sie anfangen würden.“
Hans schwieg lange.
„Mit einer Rakete?“, fragte Janeway.
„Nein.“
„Mit einem neuen Triebwerk?“
„Auch nicht.“
Er nahm einen Bleistift und setzte den ersten Punkt an den Mars.
„Hier steht bereits die Lithiumfabrik. Sie arbeitet. Das Problem ist nicht die Fabrik.“
Janeway nickte. „Weiter.“
„Das Problem ist, dass alle paar Jahre ein einziger großer Frachter kommt, alles einlädt und wieder verschwindet. Fällt dieser Flug aus, bleibt die gesamte Produktion liegen.“
Zum ersten Mal lehnte sich Janeway interessiert vor.
„Und Ihre Lösung?“
„Wir investieren zuerst dort, wo es niemand sieht.“
Hans zeichnete einen kleinen Kreis in den Marsorbit.
„Wir bauen ein Orbitlager. Alles Lithium wird dorthin gebracht. Das kostet am Anfang den größten Teil unseres Treibstoffs und unseres Geldes.“
„Sie geben also das halbe Budget aus, ohne dass ein einziger Container die Erde erreicht?“
„Ja.“
„Der Haushaltsausschuss wird mich für verrückt erklären.“
„Wahrscheinlich.“
„Warum sollte ich es trotzdem tun?“
Hans antwortete ruhig:
„Weil Sie heute die Voraussetzung schaffen müssen, damit Jahre später überhaupt ein Linienverkehr entstehen kann.“
Janeway schwieg.
„Und was geschieht als Nächstes?“
„Wir suchen jede ausgebrannte dritte Raketenstufe, die wir bekommen können. Wenn bereits welche im Marsorbit vorhanden sind, umso besser. Sonst nehmen wir die Stufen der regelmäßigen Versorgungsflüge und bauen daraus einfache Frachter.“
„Luxus?“
„Nein. Lastkähne des Weltraums.“
Jetzt musste Janeway lächeln.
„Und dann schicken Sie diese Frachter los?“
„Sofort.“
„Leer?“
„Ja.“
„Das wird niemand verstehen.“
„Noch nicht. Aber wenn sie den Mars erreichen, wartet das Lithium bereits im Orbit. Von diesem Tag an fliegt kein Frachter mehr einer Idee entgegen, sondern einer fertigen Ladung.“
Janeway stand auf, ging zum Fenster und sagte leise:
„Der Professor hatte recht. Sie denken tatsächlich nicht in Raketen.“
Sie drehte sich um.
„Willkommen im Projekt, Herr Zeitlogistiker. Jetzt sorgen wir dafür, dass die Zukunft rechtzeitig abfliegt.“


Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren
Zur Zeit online: