Dreier-Worträtsel: Wer treibt hier eigentlich was?

Betrachtung zum Thema Verlangen

von  Saira


1.

Eine Mutter stellt eines Morgens fest, dass in ihrer Familie jeder etwas treibt.

Der Mann treibt sich herum.

Die Kinder treiben es zu bunt.

Der Haushalt treibt sie um.

Nur sie selbst kommt bei all dem Treiben nirgends hin.

Da regt sich auch in ihr plötzlich ein Trieb.

Kein Muttertrieb.

Kein Fortpflanzungstrieb.

Nicht einmal der Überlebenstrieb.

Sie packt eine Tasche, fährt in die Berge und hinterlässt auf dem Küchentisch einen Zettel:

„Da ihr mich lange genug in den Wahnsinn getrieben habt, treibe ich mich jetzt selbst herum.“

Der Mann liest den Zettel zweimal.

Dann stellt er fest, dass die Kinder Hunger haben, die Waschmaschine blinkt und der Familienbetrieb offenbar eine Betriebsleitung hatte, von der bislang niemand etwas bemerkt hatte.

Die sitzt inzwischen irgendwo in den Bergen.

Allein.

Und treibt – nichts.

Wie nennt man jenen geheimnisvollen Trieb, der eine Mutter nicht zur Familie hin-, sondern möglichst weit von ihr wegtreibt?

2.

Hinter den sieben Bergen wird es unruhig.

Zwerg Nummer eins verkündet, er würde es gern einmal mit Schneewittchen treiben.

Zwerg Nummer zwei meint, wenn einer anfange, dürfe man die anderen sechs schließlich nicht benachteiligen.

Nummer drei treibt bereits die Betten zusammen.

Nummer vier fragt, ob man es nicht ein bisschen zu bunt treibe.

Nummer fünf schlägt vor, das Ganze arbeitsteilig zu betreiben.

Nummer sechs rechnet aus, wie lange jeder treiben darf.

Nur Nummer sieben schweigt.

„Und du?“, fragen die anderen. „Willst du es nicht auch mit Schneewittchen treiben?“

Der Siebte schüttelt den Kopf.

„Nein. Mir reicht, was ihr sechs hier treibt.“

„Und Schneewittchen?“

„Die ist fort.“

„Wohin?“

„Keine Ahnung. Aber erstaunlich schnell für eine Schlafende.“

Wie nennt man einen Trieb, der gleich sieben Zwerge auf einmal befällt?

3.

Ein paar mächtige Herren sitzen sicher und weit entfernt vom Kriegsgeschehen an einem langen Tisch.

Einer treibt die Aufrüstung voran.

Der Zweite treibt junge Männer an die Front.

Der Dritte treibt die Waffenpreise in die Höhe.

Der Vierte treibt ganze Länder gegeneinander.

Sich selbst treiben sie nirgendwohin.

Dafür gibt es andere.

Die werden aus ihren Häusern vertrieben, über Grenzen getrieben und schließlich in den Tod.

Die Herren am langen Tisch bleiben sitzen.

Und wenn das Treiben vorbei ist, steht erstaunlicherweise keiner von ihnen auf und sagt:

„Ich war’s.“

Wie nennt man Menschen, die einen Krieg so lange vorantreiben, bis hinterher angeblich niemand ihn getrieben hat?

Auflösung morgen.



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