NEUN G*E*I*G*E*N - SONETTJES MIT HUMOR NICHT NUR DOCH KOMMT DER AUCH DRIN VOR
Sonett
von harzgebirgler
mitunter hängt der himmel voller geigen
wieso weshalb ist ziemlich rätselhaft
wenn sich verliebte inniglich zuneigen
liegt es wohl an der liebe die das schafft
man kann die geigen weder hör’n noch sehen
und auch die geiger sieht man leider nicht
doch sie zu zählen scheint ganz leicht zu gehen
man kriegt dann halt bloß zahlen zu gesicht
der geigerzähler fängt laut an zu knattern
und zeigt meist eine ganz schön hohe zahl
dazwischen ist echt amor rum am flattern
und freut sich „!stücker tausend siehste mal!“ -
wer das bezweifelt ist im lieben laie
denn nicht mal liebelei’n sind geigenfreie!
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die „LADY BLUNT“ ist eine violine
und über drei mal hundert jahre alt
sie stand zum glück wohl meist in der vitrine
denn als vorzüglich gilt noch ihr erhalt
lord byrons enkelin hat sie besessen
nach der ist auch benannt das instrument
doch eher bleibt sein 'schöpfer' unvergessen
weil jedermann doch STRADIVARI kennt
versteigert ward die geige schon vor jahren
für elf millionen euro – ein rekord
der fahnenstange ende aber waren
die nicht denn eine ging für noch mehr fort:
den spitzenplatz hält die „VIEUXTEMPS“ genannte
GUARNERIs, der stradivari kannte...
https://de.wikipedia.org/wiki/Lady_Blunt
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er geigte ihr jüngst was – sie ihm insgleichen
und das ganz ohne saiteninstrument
auf dem so streicher meist gefühlvoll streichen
doch häufig auch durchaus recht vehement
dies geigenduett der genannten beiden
war überdies eh mehr ein wortgefecht
und statt duett duell das zu vermeiden
ist manchmal gar nicht ratsam sondern schlecht
es wird sich mal so richtig ausgesprochen
man wirft sich manches an den kopf dabei
manch bund ist daran sicher schon zerbrochen
zumeist raufen zusammen sich die zwei -
aus keinem geigenkasten fielen schüsse
verhindernd quasi voll versöhnungsküsse...
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der paganini war ja einst am geigen
da hielt das publikum den atem an
europaweit konnt’ er sein können zeigen
an das reicht wohl bis heute kaum wer ran
zu lebzeiten bereits eine legende
dank virtuosität, die beispiellos
nahm er nur beste geigen in die hände:
die zahl, die er besaß, war ziemlich groß
sieben von stradivari schon alleine
und vier von guarneri, gleichfalls toll,
zwei geigen von amati war’n auch seine
zum klingen bracht’ er alle wundervoll -
hat überdies viel stücke selbst geschrieben
die geiger nach wie vor zu spielen lieben...
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er spielt im hause gern die erste geige
und sagt dann oft zu ihr: „paß auf ich zeige
dir wo es lang geht und da geht’s dann lang -
halt also schön im zaum dein’ freiheitsdrang!“...
...sie geigt ihm ihre meinung jedoch später
da ist’s schon mit der lieb’ nicht mehr weit her
entpuppt hat er sich fast als missetäter
und geigte mancher ein’ und noch viel’n mehr
das liegt na klar nun kaum je an den geigen
nein echt das instrument kann nichts dafür
wenn welche erst ihr wahres antlitz zeigen
nach liebespflichten in fremdgängerkür
das instrument als solches ist der hammer
berühmte bauer gab’s wie amati
es taugt nicht nur für mucke in der kammer
nein im konzertsaal und für "sinfonie
der tausend" sogar - die schrieb gustav mahler
und kriegte dann schon für gut ein paar taler...
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ich muss da glatt an mantovani denken
selbst helmut zacharias hört hier her
toll geigenklänge taten die uns schenken
doch leben sie ja lange schon nicht mehr
"cascading strings" hieß mantovanis streichen
da waren seine streicher drin ganz groß
sie strichen geigen bis zum herzerweichen
und legten mit dem strich dann richtig los
den zacharias nannt’ man "zaubergeiger"
der geigte dass wem hör’n und seh’n verging
er ging damit auch keinem auf den zeiger
denn geigenspiel das war nun mal sein ding -
heut’ spielt gern erste geige manche pfeife
wobei ich mir spontan an’ kopf stets greife...
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wenn erst am himmel hammond-orgeln hängen
mein lieber schwan das wäre dann schon was
das würde echt den liebesrahmen sprengen
und selbst bei affenliebe wär's voll krass
insofern sind da geigen erste sahne
denn pfeifen flöten pauken klappenhorn
bedeuten so wie orgeln nur vertane
liebesmüh - der’n ton geht auf die ohr’n!
so zärtlich und drum passend voll zur liebe
sind geigen nur am klingen das ist fakt
und wenn der himmel geigenlos mal bliebe
wird einfach ein recorder ausgepackt -
der dudelt dann die tollsten melodien
"blue moon" zum beispiel mit dem martin, dean...
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der geiger war wie’n wilder vorn am geigen
und zeigte seine virtuosität
um dann dem publikum noch was zu zeigen:
n vogel nämlich denn es war unflät-
ig durch die bank am buhen und am pfeifen
das ließ der künstler auf sich sitzen nicht
konnt’ auch die reaktion nur schwer begreifen
für ihn stand fest: die sind doch nicht ganz dicht!
es ist allerdings nun ein zeug gewesen
so dissonanter kram auf seim programm
da zuckte selbst - sonst freß ich einen besen -
der sel’ge paganini voll zusamm’
dem neumoderne töne kaum gefielen
verstand aber die geige toll zu spielen...
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im streichorchester gingen einst die geigen
den bratschen echt gewaltig gegen' strich
denn geigen sind seit jeher ziemlich eigen
und denken meistens vorrangig an sich
weshalb sie liebend gern den ton angeben
obwohl von stradivari keine bei
wonach die bratschen nie im leben streben
in ihren augen ist das spinnerei
drum platzte ihnen einfach mal der kragen
an' geigen ließen sie kein gutes haar
zumal den klang ja bass und cello tragen
was klar selbst dem orchesterleiter war -
der las den geigen gleichfalls die leviten
denen nur flöten extrawürste brieten...