DENKEN & KOPF ZERBRECHEN

Sonett zum Thema Gedanken

von  harzgebirgler



es taugt und neigt nicht jeder kopf zum denken
zum beispiel keinesfalls ein nagelkopf
der kann sich seinen selten auch verrenken
und trägt insgleichen sicher kaum je zopf

doch fällt selbst köpfen die gern hüte tragen
nebst zöpfen durchaus denken eher schwer
weil sie sich einfach ungern sozusagen
den kopf zerbrechen - oft wirkt der eh leer

ein kopfzerbrechen ist aber geboten
zum denken von gedanken deren gang
sich aufmacht wesensgründe auszuloten

was ohne bislang niemandem gelang
nein ohne sind die niemals zu erhellen
da kann wer quasi auf den kopf sich stellen...


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...zumal selbst einer sagte, der es ja wissen müsste:



„DAS BEDENKLICHSTE IN UNSERER BEDENKLICHEN ZEIT IST, DASS WIR NOCH NICHT DENKEN“



und begab sich fragend auf den gedanken-gang zu dem,

was [uns] denken heisst...



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Ein “Nagelkopf“, so kann man sagen,
ist da, um auf ihn drauf zu schlagen
mit festen Schlägen, gut gezielten,
von derben Hämmern, holzgestielten.
Dann dringt des Nagels spitzes Ende
zum Beispiel ein in Holz und Wände
und bietet bunten Bildern Halt -
schon wirkt ein Raum mehr warm als kalt.
Der Kopf des Nagels ist meist klein -
mitunter kann das schmerzhaft sein:
Trifft man ihn nicht, haut voll vorbei,
ist mancher Daumen blau und Brei!

“Nagel“ und “Kopf“, innig vereint,
sind das, was die Grammatik meint
mit dem Begriff “Kompositum“.
Ein Bildhauer, bestimmt nicht dumm,
der diese “Worthochzeit“ bedachte
und sich seine Gedanken machte
über den Sprachbildungsprozeß,
schlug in ´nen Eisenkopf ganz keß
allerhand Riesennägel ein -
das durfte jetzt ein Kunstwerk sein:
Es läßt uns eindrucksvoll besehen,
wie - plastisch - Einheiten entstehen.

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Der “Nagelkopf“ aus Kriesters Sicht
steht hier in Goslar ziemlich dicht
am Rathaus, was ja nichts besagt,
obwohl man sich natürlich fragt:
Warum steht das Objekt grad dort
und nicht an einem and´ren Ort?!
Denn der Kontrast ist schon enorm
zum alten Bau, zur alten Form.
Auf jeden Fall bringt es ins Grübeln -
man kann ihm das auch nicht verübeln,
das soll es ja vielleicht sogar,
denn eins ist sicher sonnenklar:

Was einen Künstler dazu bringt
(dem das recht ausdrucksstark gelingt),
so´n Turmschädel zu modellieren
und ihn mit Nägeln zu “verzieren“,
die er quer durch “die Rübe“ rammt,
so daß man bei sich denkt: Verdammt,
die Phantasie ist echt bizarr,
die hier brachial am Werke war!,
das muß schon ziemlich triftig sein,
leuchtet´s auch nicht auf Anhieb ein:
Man kriegt halt einen Denkanstoß
und kommt von Vorurteilen los.

Die haarsträubende Kopfattacke
ist keine bloße Künstlermacke.
Sie will Ästheten wohl nicht kränken,
sondern den Blick nur darauf lenken,
daß Altbekanntes Rätsel birgt,
sowie´s im Kunstwerk auf uns wirkt.
Das Werk stellt ein Zerbrechen dar,
welches noch niemals schädlich war,
wenn es sich auf den Kopf bezieht
und man das Nachdenken nicht flieht
wie darüber, was diese Welt
“im Innersten zusammenhält“.

Die Frage ist so alt wie wir,
weil das vernunftbegabte Tier,
der Mensch, oft nach dem Ursprung strebt
und wohl auch oft nur deshalb lebt,
um jene Gründe zu erfragen,
die ihn in seinem Wesen tragen.
Das Denken sitzt im Kopf, im Hirn,
geborgen hinter einer Stirn,
die sich schon mal in Falten legt,
wenn eine Sache es bewegt,
die reichlich Kopfzerbrechen macht,
so daß es im “Gebälk“ fast kracht.

“Vernagelt“ nennt man deshalb Köpfe
recht naseweiser tumber Tröpfe,
die immer glauben, klug zu sein,
ist ihr Verstand auch klitzeklein.
Zugleich kann “Kopfzerbrechen“ meinen:
Des Kopfes Herrschaft zu verneinen,
Abstand gewinnen vom Kalkül
zugunsten von mehr Herz, Gefühl,
damit der Zauber dieser Welt
der Zahl nicht ganz zum Opfer fällt.
Denn Denken, das von Herzen kommt,
ist An-Dacht, die dem Menschen frommt...



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