WIR NEHMEN UNS HIER MIT HUMOR / DEN V*E*R*S*F*U*S*S MAL IN REIMEN VOR / DER SCHUHE JA KAUM JEMALS TRÄGT / SELBST WENN ER VIELLEICHT WERT DRAUF LEGT...
Sonett zum Thema Fantasie
von harzgebirgler
ein versfuß sprach zum orthopäden
"stellst du orthopädische schäden
an mir jemals fest
will ich ein attest
vor allem für lange balläden!“...
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ein versfuß braucht ja schuhe nie zu tragen
nein barfuß schreitet er durch ein gedicht
in sozusagen allen lebenslagen
sein dichter aber leistet kaum verzicht
auf fußbekleidung und es trug sandalen
an bloßen füßen sicher auch homer
der in des abendlandes dichtannalen
firmiert bekanntlich als allererster
sein deutscher übersetzer voß hingegen
bevorzugte, bestrumpft, mehr schuh mit schnall'n
des modisch-eleganten auftritts wegen
fanden die seinerzeit großen gefall'n
und standen hoch im kurs selbst bei den größten
die ihre füße gleichfalls kaum entblößten...
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ein dichter sah den versfuß und erstarrte
weil sich an dem voll schweiß mit senkspreiz paarte
nebst hallux valgus und so hammerzehen
die reizend eh kaum jemals anzusehen
denn schließlich war er erstens ja ästhet
und wußte zweitens dass der echt schlecht geht -
sein fußpfleger stimmt' zwar mit überein
doch riet ihm wen'ger zimperlich zu sein...
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ein versfuß kam frustriert vom orthopäden
und sprach zum dichter: „du, ich bin voll platt
sowie geknickt – nach arztes ansicht schäden
da findet kein perfekter gang mit statt!“
dem dichter ging das weniger zu herzen
die diagnose nahm ihn nicht groß mit
er war wie immer aufgelegt zu scherzen
und sprach: „bisher kamst du kaum aus dem tritt
im gegenteil bist richtig gut gegangen
mir fiel auch eine fehlstellung nie auf
besorge aber gern auf dein verlangen
hin einlagen für bess'ren gang und lauf
und schieb' dir in den schuh dann gern die teile
doch finde ich das hat echt keine eile!“...
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ein fußpfleger wird selten wissen
was versfüße oft leisten müssen
zumal sich horn auf haut kaum reimt
und fußpilz auch nicht an ihn’ keimt
von hühneraugen abgesehen
denn welcher versfuß hat schon zehen?!...
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ein vers war jüngst sich tierisch am erregen
und wollt’ für seine füße endlich schuh
kein stück mehr dacht’ er bar sich zu bewegen -
dumm stand der dichter da und sagte "!du
kannst mich doch jetzt hier nicht so hängen lassen!"
"!na klar" sagte der vers "das mach ich glatt!"
der dichter konnt’ sein mißgeschickt kaum fassen
und war gelinde gesagt ziemlich platt
er kramte dann im schuhschrank nach sandalen
und schnallte die dem sturkopf an den fuß
der vers war echt im nu total am strahlen
zumal da erst mal wer drauf kommen muß -
ganz wunderbar war himmel herrschaftszeiten
das verslein durch die gegend froh am schreiten...
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einst ging ein versfuß mal zur pediküre
doch knickte derb um vor der eingangstüre
verziert mit einem roten maienherzen
und humpelte nach hause unter schmerzen
dort nahm ihn der poet sich voller frust
nach herzenslust dann erst einmal zur brust
zur pediküre selber gehend gern
nur versfußfetischismus lag ihm fern...
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es schreitet stets der versfuß gerne fort
auf reimerischem pfad von wort zu wort
denn losgelöst wüchs’ er beileibe nicht
von worten sich aus jemals zum gedicht
es sitzen auch am versfuß keine zehen
wie wir sie sonst an füßen sitzen sehen
ist nagellos und hühneraugenfrei
und tritt wer auf ihn gibt’s kaum wehgeschrei
trägt überdies nie schuhe, keine strümpfe
durchquert trotzdem beherzt morast und sümpfe
geht sogar übers wasser nach belieben
und über alle brücken, nicht bloß sieben
die einstein-rosen-brücke eingeschlossen
worunter bislang weder flüsse flossen
noch jemals schienen führten für so bahnen
gar richtung bagdad durchs reich der osmanen
sie hat mit schwarzen löchern und mit weißen
zu tun, gleichfalls mit wurmlöchern die heißen
bestimmt so weil der wurm in ihnen steckt(e) -
kann man versteh’n wenn ihm das fruchtfleisch schmeckt(e)...
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nie hat ein versfuß hornhaut oder zehen
die gar verkrüppelt sind, auch nägel nicht,
und tritt sich einen dorn zudem beim gehen
insgleichen niemals ein - schon schweift's gedicht
hin zur antiken kunst und einem knaben
der zieht sich einen dorn aus seinem fuß *
den wir zumeist nur mal im auge haben
dank der bekannten schutzfunktion des schuhs
doch schuhe hat der knabe nicht getragen
das bildwerk stellt den DORNAUSZIEHER dar
wenngleich sich manche erbsenzähler fragen
ob je ein dorn im fuß gewesen war -
auf erbsenzählen kommt's hier an mitnichten
denn kunst braucht phantasie genau wie's dichten...
* https://de.wikipedia.org/wiki/Dornauszieher
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