Leonard

Betrachtung

von  tueichler

Auf einem Konzert sagtest Du mal, Du kannst nichts dafür, Du hättest einfach eine ‚Goldene Stimme‘. So bescheiden muss man erst mal sein, wenn man Stadien gefüllt und Festivals wie Coachella bespielt hat. Im fast lebenslangen Kampf zwischen Deiner Suche nach Harmonie und der harschen Wirklichkeit der Welt entstanden poetische Werke, die, oft gecovert, viele andere Künstler inspiriert haben, Dein Werk zu verändern, zu interpretieren oder der Welt anzupassen, die nie so war, wie Du sie Dir wünschtest.

Deine Karriere gab Dir zunächst die Sicherheit, Dich zum Lebensende hin zur Ruhe setzen zu können, ohne den Zwang, Geld verdienen zu müssen. Dann kam alles anders und der tiefe Fall hat schlussendlich Deinen Zwiespalt aufgelöst und Dich mit der Welt ins Reine kommen lassen, auch, wenn das bedeutete, nochmals, nach 15 Jahren fast von vorn zu beginnen.

Ich habe Dich auf Deiner Abschiedstournee gesehen und gehört. Selten hat Poesie mich so berührt, wie die in Deinen letzten Werken. Weniger düster als zuversichtlich und gelassen hat sie trotz aller Unwägbarkeiten des Lebens einen tröstlichen und versöhnlichen Ton in die Welt gebracht, den ich heute oft vermisse. Man hätte den Eindruck bekommen können, dass da, wo Du auftratest, in der Welt für eine Weile ein besserer Platz existierte.

Ähnlich geht es mir, wenn Ich Deine Musik heute höre. Ich habe dann den geklärten, menschlichen und ehrlichen Poeten vor Augen, der Du warst. Zehn Jahre ist es her, dass Du gingst. 14 Tage vor Deinem Tod hast Du noch ein letztes Album fertig gestellt, Du hattest der Welt etwas mitzuteilen - man musste nur darauf hören. Schade, dass Du gingst, gut, dass es Dich gab!



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Kommentare zu diesem Text


 FrankReich (07.11.26, 02:54)
Apropos Bescheidenheit, das sagt die KI dazu: 

Die Debatte um Bob Dylan (2016): Als Bob Dylan 2016 den Literaturnobelpreis erhielt, flammte weltweit die Diskussion auf, ob Leonard Cohen – der seine Karriere als traditioneller Dichter und Romanautor begann – die Auszeichnung nicht sogar eher verdient hätte. Cohen selbst reagierte damals gewohnt elegant und nannte Dylans Auszeichnung eine Geste, wie „einen Orden an den Mount Everest zu heften, weil er der höchste Berg ist“. 

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