Aus meiner Sicht unterscheiden sich die Motivationen und die Zielsetzungen an den beiden Rändern unserer Gesellschaft, links und rechts im Wesentlichen über folgende, sicher verkürzte Aussage:
Am rechten Rand bemängeln Menschen, dass andere etwas bekommen, das ihnen zustünde. Am linken Rand bemängeln Menschen, dass ihnen etwas zustünde, was anderen schon gehört.
Daraus ergibt sich, dass sich mit zunehmendem Besitz oder, besser, mit verbesserter vergleichender gesellschaftlicher Position, der Meinungskorridor über liberal nach rechts verschiebt und, sobald Besitzende bedürftig werden, deren Meinungskorridor sich nach links verschiebt.
Es ist also die Position an den Rändern der Gesellschaft nicht von existenziellen Fragen zur Gesellschaft geprägt sondern durch empfundene Ungerechtigkeit oder sogar Neid.
Das wiederum bedingt, dass offensichtlich das Spektrum der weitestgehend neidfreien Leistungsträger sich im liberalen oder ‚gesellschaftsmittigen‘ Bereich befindet.
Wenn nun die oft so genannte ‚Neiddebatte‘ nicht wieder aus der Gesellschaft verschwindet oder sich gar verstärkt, läuft die Gesellschaft Gefahr, durch Ausweitung der ‚Ränder‘ gen Mitte extrem zu polarisieren und sich so durch mangelnden Diskurs zu lähmen.