Perspektiven
Betrachtung zum Thema Gesellschaft/ Soziales
von tueichler
Kommentare zu diesem Text
Links Neid, rechts Ressentiment.
Hallo tueichler
Als Perspektive und Ansatz zur Debatte durchaus interessant. Ich bin beim hässlichen Wörtchen Neid etwas vorsichtig. Angst vor dem Verlust des sozialen Status wird ebenfalls nicht selten angeführt, um den 'instinktiv vollzogenen' Rechtsruck in der Gesellschaft als mehr oder weniger unausweichliche Antwort auf Masseneinwanderung zu verstehen. Das würde unter anderem mit-erklären, warum z.B. in einigen Gebieten in Ostdeutschland mit statistisch weitaus geringerem Anteil an Einwanderern deren Ablehnung am stärksten ist. Angst lässt sich im Zustand der Erwartung leichter schüren als beim Einbruch des Unheils selbst.
LG Tula
Als Perspektive und Ansatz zur Debatte durchaus interessant. Ich bin beim hässlichen Wörtchen Neid etwas vorsichtig. Angst vor dem Verlust des sozialen Status wird ebenfalls nicht selten angeführt, um den 'instinktiv vollzogenen' Rechtsruck in der Gesellschaft als mehr oder weniger unausweichliche Antwort auf Masseneinwanderung zu verstehen. Das würde unter anderem mit-erklären, warum z.B. in einigen Gebieten in Ostdeutschland mit statistisch weitaus geringerem Anteil an Einwanderern deren Ablehnung am stärksten ist. Angst lässt sich im Zustand der Erwartung leichter schüren als beim Einbruch des Unheils selbst.
LG Tula
Ach, Tula,
wenn wir dich nicht "hätten!"
wenn wir dich nicht "hätten!"
Lieber 8er
Danke
Aber ganz ehrlich, die Psychologie der Massen im gesellschaftlichen und politischen Kontext finde ich hochinteressant. Letzten Endes ist auch politisches Denken und Handeln eines jeden nicht ausschließlich Ergebnis von Bildung und Erziehung (und schon gar nicht von selbstständigem Denken
)
Den Herren im Link höre ich sehr gerne zu. Sein einziges Problem ist, dass er ziemlich nuschelt ... Seine Analysen zur US erlauben sicher nicht wenige Parallelen zu Europa allgenein und Deutschland:
why so cruel?
LG Tula
Danke
Aber ganz ehrlich, die Psychologie der Massen im gesellschaftlichen und politischen Kontext finde ich hochinteressant. Letzten Endes ist auch politisches Denken und Handeln eines jeden nicht ausschließlich Ergebnis von Bildung und Erziehung (und schon gar nicht von selbstständigem Denken
Den Herren im Link höre ich sehr gerne zu. Sein einziges Problem ist, dass er ziemlich nuschelt ... Seine Analysen zur US erlauben sicher nicht wenige Parallelen zu Europa allgenein und Deutschland:
why so cruel?
LG Tula
Antwort geändert am 01.12.2025 um 21:23 Uhr
@Tula:
Die Idee des erwarteten Verlusts als Treiber zu sehen ist sicher in Ostdeutschland größer als im Westen, da sich bescheidener Wohlstand - wenigstens im Vergleich zur Zeit vor dem Mauerfall - sehr viel später einstellte als im Westen. Dieser Treiber ist nicht zu unterschätzen, da dort die Menschen nacheinander von wenigstens 3 Regimen oder, besser, Staatsformen, mit Versprechen vorgeführt wurden. Da fehlt gewachsenes Vertrauen, das im Westen 70 Jahre Zeit hatte zu wachsen.
Das widerlegt meine Theorie nicht, fügt dem aber einen weiteren und interessanten Aspekt hinzu.
Eines irritiert mich aber dennoch an Deinem 2. Kommentar stark. Wieso soll politisches Denken nicht das Ergebnis von selbständigem Denken sein. Da fühle ich mich schon ziemlich angegriffen, da ich meine Überzeugungen, meine Denkart und meine Entscheidungen weitestgehend aus meinem Erfahrungsschatz der letzten 60 Jahre in verschiedenen Systemen ableite und mir anmaße, durch Reflexion und selbständiges Denken diese Ableitung getroffen zu haben, statt nur schafsdumm Parolen von politischen Meinungsbildnern nachzuplappern.
Die Idee des erwarteten Verlusts als Treiber zu sehen ist sicher in Ostdeutschland größer als im Westen, da sich bescheidener Wohlstand - wenigstens im Vergleich zur Zeit vor dem Mauerfall - sehr viel später einstellte als im Westen. Dieser Treiber ist nicht zu unterschätzen, da dort die Menschen nacheinander von wenigstens 3 Regimen oder, besser, Staatsformen, mit Versprechen vorgeführt wurden. Da fehlt gewachsenes Vertrauen, das im Westen 70 Jahre Zeit hatte zu wachsen.
Das widerlegt meine Theorie nicht, fügt dem aber einen weiteren und interessanten Aspekt hinzu.
Eines irritiert mich aber dennoch an Deinem 2. Kommentar stark. Wieso soll politisches Denken nicht das Ergebnis von selbständigem Denken sein. Da fühle ich mich schon ziemlich angegriffen, da ich meine Überzeugungen, meine Denkart und meine Entscheidungen weitestgehend aus meinem Erfahrungsschatz der letzten 60 Jahre in verschiedenen Systemen ableite und mir anmaße, durch Reflexion und selbständiges Denken diese Ableitung getroffen zu haben, statt nur schafsdumm Parolen von politischen Meinungsbildnern nachzuplappern.
Antwort geändert am 01.12.2025 um 22:59 Uhr
Lieber tueichler
War natürlich ironisch gemeint und hat doch einen Kern: Wir glauben gern, dass wir 'denkend' zu unseren Schlüssen kommen, denken aber tatsächlich mit Herz und Bauch, mehr als uns lieb sein sollte, da eben jeder Gedanke als solcher emotional bewertet wird und diese Emotion (im weiteren Sinne) wiederum auf Erfahrungen, Erziehung UND unserem genetischen Vorwasch-Programm basieren.
Im eingestellten Video wird das mMn sehr treffend erklärt: das 'authoritarian gene', welches in Situationen von empfundener Bedrohung, hier im Sinne der Angst vor dem Verlust des social status & Dominanz über andere, erwacht und uns den starken Mann herbeiwünschen lässt). Erklärt ja auch, warum Frauen bei Wahlen beim konservativen Wähler weniger Chancen auf Erfolg haben.
Ich erinnere mich und jetzt hier an eines der besten Bücher, die ich je las:
Schatten unserer Vorfahren
In diesem gehen Carl Sagan und seine Begleiterin auf genau diese Aspekte der genetischen (als Ergebnis der Evolution, einschließlich der sozialen) Einflüsse auf unser soziales und eben politisches Verhalten ein. Ich erinnere mich sogar, dass er irgendwo im Buch zitierte, dass er Hass auf Fremde nicht entschuldige, aber aus evolutionärer Sicht durchaus verstehe.
Ich empfehle das Buch unbedingt jedem, der glaubt, dass er/sie stets nur eigenständig und 100%rational denkt und die geistige Krone weit über den genannten Wurzeln sprießt.
Warum ich das alles schreibe. Mein Vorfahr war wohl ein Brabbelaffe
LG Tula
War natürlich ironisch gemeint und hat doch einen Kern: Wir glauben gern, dass wir 'denkend' zu unseren Schlüssen kommen, denken aber tatsächlich mit Herz und Bauch, mehr als uns lieb sein sollte, da eben jeder Gedanke als solcher emotional bewertet wird und diese Emotion (im weiteren Sinne) wiederum auf Erfahrungen, Erziehung UND unserem genetischen Vorwasch-Programm basieren.
Im eingestellten Video wird das mMn sehr treffend erklärt: das 'authoritarian gene', welches in Situationen von empfundener Bedrohung, hier im Sinne der Angst vor dem Verlust des social status & Dominanz über andere, erwacht und uns den starken Mann herbeiwünschen lässt). Erklärt ja auch, warum Frauen bei Wahlen beim konservativen Wähler weniger Chancen auf Erfolg haben.
Ich erinnere mich und jetzt hier an eines der besten Bücher, die ich je las:
Schatten unserer Vorfahren
In diesem gehen Carl Sagan und seine Begleiterin auf genau diese Aspekte der genetischen (als Ergebnis der Evolution, einschließlich der sozialen) Einflüsse auf unser soziales und eben politisches Verhalten ein. Ich erinnere mich sogar, dass er irgendwo im Buch zitierte, dass er Hass auf Fremde nicht entschuldige, aber aus evolutionärer Sicht durchaus verstehe.
Ich empfehle das Buch unbedingt jedem, der glaubt, dass er/sie stets nur eigenständig und 100%rational denkt und die geistige Krone weit über den genannten Wurzeln sprießt.
Warum ich das alles schreibe. Mein Vorfahr war wohl ein Brabbelaffe
LG Tula
Antwort geändert am 01.12.2025 um 23:23 Uhr
Naja, das mag ja alles im rechten Randbereich sichtbar sein.
Meine Überzeugungen sind jedoch analytischer Natur. Enteignung, Vertreibung, Ideologie, Schauprozess in der Familie, Familientrennung, Stasibespitzelung, Hausdurchsuchungen, Anwerbeversuche, Zwangsarbeit im Wehrdienst, etc., etc. ect. sind keine genetischen Trigger sondern sehr wirkliche Erfahrungen, die den Blick auf gesellschaftliche Prozesse extrem schärfen - und dies nicht aus der Distanz theoretischer Philosophie, Psychologie oder dem Wissen um genetische Dispositionen heraus.
Insofern - nein, hier irrst Du und sprichst mir diese Erfahrungen als Quelle meiner Erkenntnisse ab.
Meine Überzeugungen sind jedoch analytischer Natur. Enteignung, Vertreibung, Ideologie, Schauprozess in der Familie, Familientrennung, Stasibespitzelung, Hausdurchsuchungen, Anwerbeversuche, Zwangsarbeit im Wehrdienst, etc., etc. ect. sind keine genetischen Trigger sondern sehr wirkliche Erfahrungen, die den Blick auf gesellschaftliche Prozesse extrem schärfen - und dies nicht aus der Distanz theoretischer Philosophie, Psychologie oder dem Wissen um genetische Dispositionen heraus.
Insofern - nein, hier irrst Du und sprichst mir diese Erfahrungen als Quelle meiner Erkenntnisse ab.
Antwort geändert am 01.12.2025 um 23:39 Uhr
Ich spreche niemandem seine persönlichen Erfahrungen ab, wie könnte ich, und darum geht es nicht.
Es geht um die genetische Wurzel, d.h. die Gene, die bei Aktivierung (einschl. durch Erfahrungen) unser Verhalten steuern, ohne dass wir uns dessen bewusst. Und es gibt immer zwei Seiten ein und derselben Medaille. Egoismus und Altruismus, beides war je nach Umständen für Individuum und/oder die Gruppe die bessere Überlebensstrategie und wurde durch Selektion gefördert. Denk auch an die Zwillingsforschung, die genau dieses Verhältnis von Gene vs. Erziehung untersucht. Schon oft wurden als Babies getrennte Zwillinge gefunden, die zwar unter völlig verschiedenen sozialen Verhältnissen aufwuchsen, sich aber in Wesen und spezifischen Charakterzügen sehr ähnlich waren.
Nichts spricht natürlich gegen Erziehung, Lernen schlechthin und Erfahrung, denn ohne diese Plastizität unserer Hirne wäre gesellschaftliche Entwicklung undenkbar. Trotzdem wird auch der Gedanke von heute (deiner, meiner usw.) emotional auf der Basis von 'Vorwasch-Programm' UND Erfahrung bewertet. Das Denken wird durch diese Faktoren 'geleitet', die Schlussfolgerungen sind konditioniert, aber nicht 'vorherbestimmt'.
Zurück zum Thema: Massenzuwanderung Fremder erzeugt Widerstand (ein Abwehr-INSTINKT), das ist vorhersehbar. Stieß damals ein Fremder auf eine Gruppe, wurde er vielleicht noch freundlich begrüßt. Erschienen sie zahlreicher, war Vorsicht geboten. Eigentlich logisch und der 'starke Mann', der weiß, wie man solche Angstgefühle schürt, nutzt das aus. Altes Lied, immer wieder neu ...
LG Tula
PS: noch als Nachsatz: Es gibt Studien, die belegen, dass Männer unter sich anders entacheiden als im Beisein von Frauen. Nicht nur in der Ehe beim Einkauf, sondern auch im Beruf. Damit ist nicht der Kampf um die Dame gemeint, aber eben doch Konkurrenzverhalten von Männern unter sich oder nicht. Verblüffend oder nicht: ihr analytisches Denken im Entscheidungsprozess variiert. Nenn es Gene oder Instinkte, egal.
Was Erfahrungen betrifft: Sie helfen uns, bei neuen alten Problemen bessere Entscheidungen zu treffen. Sie setzen uns aber auch auf Gleise, die uns in eine verdammt falsche Richtung führen können, besonders wenn die neuen Probleme tatsächlich neue sind und keine Wiederholung. Gerade bei der politischen Meinungsbildung kommt keiner vollständig aus seiner schon vor langer Zeit übergestreiften Haut bzw. der ideologischen Rüstung. Das geht uns allen so.
Wie hieß es in der DDR-Schule? - Das Sein bestimmt das Bewusstsein. - Jenseits realsozialistischer Verbildung lässt sich dies hier gut anwenden. Frei vom Sein denkt höchstens die KI.
Es geht um die genetische Wurzel, d.h. die Gene, die bei Aktivierung (einschl. durch Erfahrungen) unser Verhalten steuern, ohne dass wir uns dessen bewusst. Und es gibt immer zwei Seiten ein und derselben Medaille. Egoismus und Altruismus, beides war je nach Umständen für Individuum und/oder die Gruppe die bessere Überlebensstrategie und wurde durch Selektion gefördert. Denk auch an die Zwillingsforschung, die genau dieses Verhältnis von Gene vs. Erziehung untersucht. Schon oft wurden als Babies getrennte Zwillinge gefunden, die zwar unter völlig verschiedenen sozialen Verhältnissen aufwuchsen, sich aber in Wesen und spezifischen Charakterzügen sehr ähnlich waren.
Nichts spricht natürlich gegen Erziehung, Lernen schlechthin und Erfahrung, denn ohne diese Plastizität unserer Hirne wäre gesellschaftliche Entwicklung undenkbar. Trotzdem wird auch der Gedanke von heute (deiner, meiner usw.) emotional auf der Basis von 'Vorwasch-Programm' UND Erfahrung bewertet. Das Denken wird durch diese Faktoren 'geleitet', die Schlussfolgerungen sind konditioniert, aber nicht 'vorherbestimmt'.
Zurück zum Thema: Massenzuwanderung Fremder erzeugt Widerstand (ein Abwehr-INSTINKT), das ist vorhersehbar. Stieß damals ein Fremder auf eine Gruppe, wurde er vielleicht noch freundlich begrüßt. Erschienen sie zahlreicher, war Vorsicht geboten. Eigentlich logisch und der 'starke Mann', der weiß, wie man solche Angstgefühle schürt, nutzt das aus. Altes Lied, immer wieder neu ...
LG Tula
PS: noch als Nachsatz: Es gibt Studien, die belegen, dass Männer unter sich anders entacheiden als im Beisein von Frauen. Nicht nur in der Ehe beim Einkauf, sondern auch im Beruf. Damit ist nicht der Kampf um die Dame gemeint, aber eben doch Konkurrenzverhalten von Männern unter sich oder nicht. Verblüffend oder nicht: ihr analytisches Denken im Entscheidungsprozess variiert. Nenn es Gene oder Instinkte, egal.
Was Erfahrungen betrifft: Sie helfen uns, bei neuen alten Problemen bessere Entscheidungen zu treffen. Sie setzen uns aber auch auf Gleise, die uns in eine verdammt falsche Richtung führen können, besonders wenn die neuen Probleme tatsächlich neue sind und keine Wiederholung. Gerade bei der politischen Meinungsbildung kommt keiner vollständig aus seiner schon vor langer Zeit übergestreiften Haut bzw. der ideologischen Rüstung. Das geht uns allen so.
Wie hieß es in der DDR-Schule? - Das Sein bestimmt das Bewusstsein. - Jenseits realsozialistischer Verbildung lässt sich dies hier gut anwenden. Frei vom Sein denkt höchstens die KI.
Antwort geändert am 02.12.2025 um 09:25 Uhr
Nach der uns lieb gewordenen Neiddebatte halte ich es für eine gute Idee, der uns ständig teurer werdenden Gierdebatte ebenso intensiv zu zuwenden!
!
LG TT
LG TT
Uhh, das hatte ich ganz vergessen, in den Gedanken mit einfließen zu lassen! Danke 
Antwort geändert am 01.12.2025 um 14:55 Uhr
Hallo Tasso
Ein special like für deinen Kommentar
LG Tula
Ein special like für deinen Kommentar
LG Tula