Die Reise in den April

Satire zum Thema Spaß

von  tastifix

Als begeisterter Hundenärrin genügte mir nicht mein kleiner süßer Hund „Mato“ als dann einziger vierbeiniger Liebling, sondern ich wünschte mir und ihm zur Gesellschaft noch ein weiteres Knuddelvieh. Eines zu finden war wirklich kein Problem. Ich durchstöberte die Zeitung. Beim dritten Male fiel mir die Anzeige „Süße Mischlingswelpen ausgefallener Rassen“ ins Auge. Das machte mich neugierig.

Kurz entschlossen reiste ich mit der Bahn nach Emmerich, um dort eine Pudelzüchterin zu treffen, die nebenbei auch noch Mischlinge verkaufte. Wie verabredet holte sie mich mit dem Wagen vom Bahnhof ab. Sie erschien in Begleitung zweier  putziger Hundebabys, die zusammen gekringelt auf ihrem Schoß lagen. Beide schätzte ich auf etwa acht Wochen. Ich riet: Das eine war mit Sicherheit ein Cockermix. Mit den typischen langen Hängeohren, die für diesen noch winzigen Kerl viel zu riesig ausgefallen zu sein schienen. Er musterte mich aus dunkelbraunen, fragenden Kinderaugen. Der andere Winzling war ein ganz anderer Typ Hund mit Schlappohren, einer kessen Schnute, einem dunkelbraun-camelhaar-schwarzfarbenen Wuschelfell und einem üppigen, langfelligen Schwänzchen. Das kringelte sich, wie so oft bei Mischlingen, bereits jetzt andeutungsweise leicht über seinen Rücken. All das war ja schon drollig anzuschauen. Doch da waren ja noch seine Augen. Beim ersten Blickkontakt mit diesen einfach umwerfend charmanten  dunkelbraunen, knuffig-kess-lümmelig mich ausmusternden Augen passierte es. Die Züchterin hatte beabsichtigt, mir alle ihre Welpen vorzuführen, damit ich mich in Ruhe entscheiden könnte. Doch in diesem Moment hatte die Entscheidung ein anderes Lebewesen für mich gefällt; nämlich jener kleine Kerl mit den riesigen Kulleraugen. Mein Entschluss stand fest: Zeigte er mir gegenüber Sympathie, wäre eine neue Freundschaft besiegelt. Und...?? 
Bei mir gab der erste Blickkontakt und bei ihm das erste Anschnuppern den Ausschlag. Seine Schnupperprüfung bestand ich offensichtlich mit Auszeichnung. Als ich das Fellknäuel probeweise auf meinen Schoß nahm, schmuste es sofort wie verrückt mit mir und fiepste dabei selig vor sich.
 
Von dieser Minute an war ich Doppelfrauchen! Ich nannte mein „Baby“ „Quinny“. Der Tierarzt erklärte Quinny für eine Mischung aus Schäferhund, Leonberger und vor allem Spitz. Bei dieser Charakterisierung meines Minihundes verkniff ich mir mühsam ein Grinsen. Quinny hatte sich zwar nicht an die von der Züchterin vermuteten endgültigen Schulterhöhe von 20 cm gehalten, sondern war munter bis zu einer Höhe von 44,5cm weitergewachsen; aber Schäferhund...oder noch schöner...Leonberger?? Dann hatte da aber ein Zwergspitz mitgemischt! Meinen Hund konnte ich nicht fragen. Das verrieten die Tierchen einem ja nicht.

Quinnylein wurde älter und bewies per Verhalten eindeutig, dass zumindest die Vermutung „Spitz“ zutraf! Da gab es keinen Zweifel, denn wie alle spitze bellte er ausgesprochen gern. Auch seine Wachsamkeit und Pfiffigkeit sprachen dafür. Er wuchs zu einem bildschönen Hund mit Idealfigur heran. Es passte wirklich alles zusammen! Deshalb hielten ihn viele für reinrassig.

Und genau das brachte mich auf eine verrückte Idee.
Manchmal stach mich eben der Hafer!

Schon immer quatschte ich für mein Leben gerne Blödsinn und ließ dabei meiner Phantasie freien Lauf. Also dachte ich mir den passenden Rassenamen für meinen kleinen Quinny aus:
„Schälespitz!“ „Schä“ von Schäferhund, „le“ von Leonberger und – na ja, „spitz“ ist ja klar! Bei den mittlerweile über 400 Hunderassen dieser Welt käme wahrscheinlich keiner dahinter, dass diese Wortschöpfung reiner Quatsch war.

Bald kam die Gelegenheit, meine Idee in der Praxis zu nutzen. Eines Tages ging ich übermütig gestimmt mit meinem ebenfalls putzmunteren Hund spazieren. Wir waren beide in der Laune, Unsinn anzustellen. Das Opfer wurde denn ein älterer Herr, der uns auf der Wanderung längs des Feldes entgegen kam. Sofort fiel mir auf, mit welch nettem Lächeln er Quinnylein bedachte. Erst danach auch mich. „Der macht das ähnlich wie ich manchmal. Erst die Tiere und dann deren Besitzer!“, schoss es mir durch den Kopf. Solche Menschen besaßen meistens den nötigen Humor, um für einen kleinen Spaß, wie den, den ich geplant hatte, gewappnet zu sein.

Es war soweit!!
Ich erwiderte sein Lächeln, und wir kamen ins Gespräch:
„Mein Gott, das ist ja ein bildschöner Hund!“ Zu Quinny dann:
„Wie süß du ausschaust!  Bist du reinrassig?“
Quinny fühlte sich außerstande, ihm seine Frage zu beantworten. Doch da der ja so freundlich mit ihm redete und ihn obendrein sogar noch lobte (..wofür bloss, er hatte doch gar nichts gemacht?“), setzte er sofort seinen Ventilator in Gang. Diesen Namen hatte ich seiner Rute verpasst, die bei Freude nämlich wie ein Ventilator durch die Luft wirbelte. So tat sie auch jetzt. Der alte Herr schmolz sichtlich dahin:
„Der ist ja ganz reizend. So ein hübscher Kerl. Welche Rasse ist das denn?“
Ich holte noch einmal tief Luft. Jetzt , jetzt!
Wie ich mein Gegenüber einschätzte, hatte dieser Mann garantiert viel Sinn für Humor.
Ich mit todernster Miene:
„Ein Schälespitz!“
Oh – oh! Könnte ich meine Mimik für einige wenige Minuten unter Kontrolle halten? Eiserne Disziplin war angesagt!
Der ältere Herr machte mir das Ganze mit seiner darauf folgenden Frage nicht gerade leichter. Mit meiner Auskunft wusste er ganz offensichtlich so überhaupt nichts anzufangen und guckte entsprechend ratlos drein.
“Ein...waaaas?“, hakte er nach. 
Krampfhaft mich zusammenreißend, wiederholte ich:
„Ein Schälespitz! Eine ganz seltene Rasse.“
„Komisch, die kenne ich ja gar nicht! Und das, obwohl ich mich immer für Hunde unheimlich interessiere und mir jede Hundezeitschrift vorknöpfe, die ich erwischen kann. Wie sind sie denn auf diese Rasse aufmerksam geworden?“ wollte er dann wissen und sah meinen immer noch heftigst ihn freudig anwedelnden kleinen Ventilator liebevoll an.
„Durch eine Zeitungsanzeige! Von diesen Tieren gibt es wahrscheinlich nur noch sechs Exemplare auf der Welt!“ (Wenigstens das war wahrscheinlich nicht einmal gelogen. Hundemütter kriegten ja bekanntlich gerne sieben Kinder auf einmal!).
„Donnerwetter!“ meinte der alte Herr zu mir, bewundernd meinen immer noch aktiven Ventilator betrachtend.
„Und wie teuer sind  diese Tiere?“
Oh je, lange hielte ich diese „Kohlerei“ aber nicht mehr durch. Gleich hieße es beichten! Mit letzter Kraft entgegnete ich:
„Er ist mir sehr teuer!“
Schließlich war auch das die Wahrheit.

Aber dann siegte bei mir das „Mitleid“ mit diesem netten Herrn. Stand ich ihm doch mit dem Anflug eines schlechten Gewissens gegenüber. Den noch länger zu verulken, hätte ich auch gar nicht fertiggebracht, weil ich mir innerlich schon vor Lachen fast in die Hose machte!

Zögernd tastete ich mich also vor:
„Ich muss...ihnen...etwas gestehen!“
Uff, war das schwer!
„Bitte nehmen sie mir meinen kleinen Scherz von eben nicht übel. Mir wird so oft gesagt, dass Quinnylein wie ein Rassehund aussieht. Deswegen bin ich auf diesen Jux gekommen.“

Wie der wohl darauf reagierte??
Zum Glück hatte mich meine Menschenkenntnis nicht getäuscht.
„Äähh,.. wie biiiiitte??“
Sekundenlang sah er mich verdattert an.
Dann prustete er laut los:
„Köstlich! Und ich bin  prompt darauf herein gefallen!! Das darf doch nicht wahr sein!“
Er holte einmal tief Luft und fügte hinzu:
„Aber eines muss ich ihnen einfach sagen: Der ist eine so hübsche Ausgabe, dass das alles durchaus stimmen könnte. Oh, oh!“
Zu Quinny gewandt, scherzte er:
„Du hast ja ein Frauchen. Das hat Ideen!“
Dazu begeistert wedelnde Zustimmung meines Vierbeiners:
„Da habt ihr Zwei mich aber fein hinters Licht geführt!“, setzte er lachend hinzu.

Immer noch schmunzelnd, wünschte er erst Quinnylein, dann auch mir noch einen schönen Spaziergang und verabschiedete sich.
Endlich, endlich konnte ich mich richtig auslachen. Dazu brauchte ich allerdings eine ganze Weile.
Mein kleiner „Schälespitz“ trabbste derweil stolz hocherhobenen Näschens neben mir her!!



                                                                                                Gaby Schumacher, 22. März 2004

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text

Tara (43)
(08.07.04)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 tastifix meinte dazu am 27.09.05:
Hallo Tara!

Ja, ich weiss...lang, lang ist`s her. Trotzdem möchte ich mich an dieser Stelle auch offiziell für Deinen netten Kommentar ganz besonders herzlich bedanken!

Einen ganz lieben Gruss
Deine Gaby
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram