Grüner Größenwahn

Spielfilm zum Thema Eitelkeit

von  Jack

Fuck.


Oder auch halt nicht halt eben halt. Jedenfalls:


Tom Cruise.


Leonardo Catana Blades.


Donald Trump as my Grandfather


in


a film by Karma


„Freddy Krueger in Bergen Kr. Celle“.



Mein betrunkener Vater, warf mir vor, in einer illusorischen Welt zu leben, als ich mit 14, im Jahr 1997, spät abends einen Film aus der Nightmare-Reihe anguckte. Ich war wütend. Mein Vater hatte recht. Bernstein: ich war die ganze Zeit im meiner mythischen eigenen Welt. Jeden fucking Tag Kopfkino.


Und dann: Fuck! Am 21.2.1998, drei Tage nachdem ich 15 wurde, initiierten die Götter selbst mein Initiationsritual, weil Menschen es nicht mehr machen. Und: es war der Übergang zum Orange (rational) als fester Bewusstseinsstufe nach Ken Wilber. What followed, was, without to overtribe, die weltimmanent bhesthe Z“heit mheines Lhebhens. Ich war ausnahmsweise mal subconscious focussed. Bis zum 6.11.1997, und dann lebte ich im sterbenden Orange.


Ich habe nicht gewusst, wie unglücklich man sein kann, ohne daran zu verrecken. Es war extrem, extremst beschissen. In den Herbsten 1999 und 2000 gab es jeweils ein kurzes Aufbäumen, doch seit dem 16.2.2001 nur noch schwere Depression. Eigentlich bin ich zwei Tage vor meinem 18. Geburtstag gestorben.


Abermals Fuck. Aber 2007/08 passierte Seltsames: ich hatte wieder Lust, zu leben. Und es war, fucking motherfucking, Hegel motherfucking fucking. Ich fühlte mich nach dem gierigen Verschlang des Hauptwerks von Hegel allwissend. Und ich bin an intellektuellem Wahn gleichen sonders erkrankt. Das rettete mein verfluchtes Leben.


Ken Wilbers fucking Grün. Pluralistisches allesverstehendes Grün. Der Rückzugskampf des sterbenden Orange zeigte sich in über 1000 nihilistischen Gedichten vom November 2007 bis zum August 2008, als ich sie alle vernichtete. Und am 13.1.2007 begann ich, von einer Videothek aus zu bingen. 300 Filme oder mehr im Jahr 2007. Es wäre rational, es wäre orange gewesen, im Jahr 2007 zu sterben. Einen Suizid zu begehen. Den Freitod zu wählen. Aber, mottherfucking fuck, fucking nein. 


What the fuck???


Fuck. 2009 war ein fucking ernüchterndes Jahr mit Adornos negativer Dialektik, und so fucking weiter, und so motherfucking fort. Am 2.11.2009 zog ich aber, fuck you, bitch, nach Berlin.


Grün. Kein krankes Grün. Im sich selbst verabsolutierenden First Tier ist Grün die höchste Stufe. Ich fühlte mich 2010 wie der geistige König der Welt, und nach der Winterdepression 2010/11 fühlte ich mich ab Ende März 2011 wie ein fucking römischer Kaiser.


Das Ego kann nicht höher steigen. Und es leugnet aggressiv, dass es höhere Stufen gibt. Du stehst über allen, du verstehst alle. Absolutes Wissen. Wer will diese Stufe überwinden? Das ist die schmeichelhafteste Stufe für das fucking Ego.


Für hochintelligente Menschen ist Grün ein fucking Sweetspot, so wie Bernstein (ethnozentrisch, Groupthink, Zugehörigkeit) für die meisten normalen Menschen. Da will man nicht raus, man genießt sich selbst (und Sid Meiers Civ 4 BTS, wenn man introvertiert und dazu noch autistisch ist).


Und die größte Gefahr der Stagnation ist, das Grün mit dem Bernstein zu verbinden. Sehr stabile solipsistische Blase. Sehr energiesparend, sehr bequem. Ich könnte heute noch Civ 4 BTS spielen, das war das Vehikel des Eskapismus, das mich durchaus abgeholt hat.


Regressives Grün drohte mir nicht, da Zugehörigkeit nicht gegeben war; ich war immer Einzelgänger, Individualwolf. Doch der intellektuelle Elfenbeinturm im größenwahnsinnigen Grün war ein zu geiler Ort, um ihn zu verlassen. Es hätte bis zum Ende des Lebens so bleiben können: gesundes, sogar grandios narzisstisches Grün basiert auf sehr sehr sehr very very grounded based Orange. Das wäre es gewesen. Doktur 2016, Professur 2020. Der beste lebende Philosoph. Natürlich Hegelianer, was denn sonst?


Und, jetzt wo geschlafen? Ist es nicht, fucking so, dass Ende Juni 2011 auf der Fahrradfahrt von Wolfsburg nach Oebisfelde sich bereits höhere Spiritualität ankündigte? Der grüne Kant-Hegel-Anzug wurde 2011 zu eng, aber er wurde auch kaum getragen: sehhhhhhhhr müßiges Alleinsein bei Civ 4 BTS war die Regel, philosophische und sonstige weltgewandte Tätigkeiten eine Ausnahme. Doch „Der Tod verhandelt nicht. August Strindberg, 1900“.


Er verhandelte. Im Dezember 2011 ließ er mir die Möglichkeit, so zurückgezogen zu leben, als wäre ich schon tot. Aber wer ist tot, wenn ich tot bin? Wenn das Ego tot ist? Jedenfalls wollte ich mehr. Die Luft knisterte. Die deutschen Idealisten gingen ja selbst nicht miteinander aus, sondern übereinander hinaus. Ein Fort von Hegel konnte kein bloßes Zurück zu Kant sein. Der Äther schmeckte nach mehr. Wo war das Leben?


Im First Tier verabsolutiert sich jede Bewusstseinstufe. Das Leben wird so unmittelbar gelebt, dass es dem lebenden Selbst nicht als Leben vermittelbar ist. Darum ist der Aufstieg zum Second Tier eine große Befreiung. Und eine dunkle Nacht der Seele geht ihr voraus; bei mir war es eher ein Endloswinter und quasi eben halt und sozusagen halt Herz eben quasi sozusagen halt überhaupt übersteht. 


Aber zurück zum Grün: es ist die dominierende Stufe im First Tier, intellektuell seit den späten 1960-ern, politisch seit den 1990-ern; die avantgardistische herrschende Minderheit (Meinungsmacher, Narrativsetzer) operiert auf dieser Bewusstseinsstufe. Da es eine Kommunion-, keine Agenz-Stufe ist, ist die Sehnsucht nach der Selbsttranszendenz nicht so groß. Der grüne Größenwahn ist kollektiv stärker als individuell ausgeprägt. Transzendenz wird geleugnet, und die Folge ist die Regression des Grün auf Bernstein (Tribalismus). Das „kranke Grün“ sieht Ken Wilber als eines der großen Probleme unserer Zeit.


Und meinerzeit hatte ich das große Problem, dass es nicht weiterging; doch wer allein geht, kann steilere Wege finden.


Das Erreichen des Second Tier ist eine Befreiung, mit ihr kommt aber die größte Anhaftung: nicht mehr an das soziale vermittelte Ego, sondern an das selbstbestimmte Ich. Dieses Ich braucht sich nicht zu verabsolutieren, da es sich schon für das Selbst selbst hält. Viele große Geister (Schopenhauer, Nietzsche) bleiben im Second Tier hängen und machen zum Dogma, es gäbe keinen Weg mehr nach oben. Das nonduale Third Tier ist halt kontraintuitiv quasi sozusagen. Die Auflösung der Anhaftung an das Ich fühlt sich wie Sterben an, doch ist die größte Befreiung. 


Doch ist es halt sozusagen eben halt nicht möglich, eine der Bewusstseinsstufen auf dem Weg zu überspringen. Und somit zurück zum größenwahnsinnigen Grün. Die Moralität geht in der Sittlichkeit nicht wirklich auf, sie geht eher unter, also zurück zu Kant. Dieser Ruf der Ferne, dieses Leuchten am Transzendenzhorizont… Letzte Eskapaden des Eskapismus: Ende März 2012 Breaking Bad entdeckt und gebinget, um den 10. April Spartacus: Blood and Sand. Laue EM. Anfang Juli The Walking Dead, und es gab nur die beiden Darabont-Staffeln. Hier berührte der Eskapismus den Transzendenzhorizont. Hildesheim, um den 23. oder jedenfalls nicht viel späteren Juli. Langer Spaziergang mit dem ständigen Weltenachsenbewusstsein: ist hier irgendwo das geheime Haus, das Welten vertikal verbindet?


Dann Dexter. Hardcore-Eskapismus. So geht es nicht weiter, aber weiter geht es auch nicht: wohin? Die Philosophie ist am Ende; kein Buch, und auch kein eigenständiger Gedanke führt mich in dieses Haus. Doch die Weltenachse findet mich, während ich Dexter binge. Ja, auch deshalb diese unheimliche Verbindung zu Dexter: ich schaue heute noch die neuen Staffeln, ich rewatche (derzeit bis S4E5 wiedergeguckt). Sonst sehe ich kaum noch etwas außer Klassikern (Filme; für Serien reicht der Eskapismusdrang nicht mehr aus: Ich lebe im Hier und Jetzt). 


Arbeitshypothese also: nur wer diese Welt überwinden will, erreicht Second und Third Tier im System von Ken Wilber. Grün ist die gemütlichste Bewusstseinsstufe für die, die in der jeweiligen Welt zu Hause sind.


Werde ich also nochmal ergrünen? Wenn ich an meine Heimwelt und an die Miezen denke, stelle ich mich selbst nie älter als Ende 20 vor. Ich werde also gar nicht so alt, um die (gemeinsame) Komfortzone Grün zu überwinden. Und wenn ich älter werde, dann werde halt eben halt sozusagen quasi eben halt sehen. Ich bin UD|SF, war bis 41 UD|UF; ich ging vom vom Dunkel zum Dunkel zum vom Dunkel zum Licht. Ich werde in der nächsten Welt SD sein, vom Licht zum…


Und das weiß ich quasi halt eben sozusagen wirklich nicht.


Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren

Kommentare zu diesem Text


 S4SCH4 (18.07.26, 09:02)
Diese Erzählung visuell in Szenen gepackt und mit einem Grünstich hier und bisschen Sepia Look da, stelle ich mir durchaus sehr interessant vor. Die Story ist filmisch und sehr gelungen; das persönliche „Daseins“ in den Nullerjahren und darüber hinaus ist sehr individuell und nachvollziehbar eingefangen.
Die Zeit der Finanzkrise, privat mit DVDs zu spammen, fühle ich voll. Guillermo del Toros “Pans Labyrinth”, Mickey Rourke in “The Wrestler”, … meine eigene Sammlung an DVDs aus der Zeit ist, wie so vieles von damals, fort und vergessen, aber ich habe mich hier gerade gerne daran erinnert. Nicht zu reden über Civ4 (mit BTS addon), exzessiv gesuchtet. Ohne Ende. Das Game damals eine Lebenseinstellung. Mir waren die frühen Jahrtausende aber immer lieber wie das spätere Spiel.
Schön, dass du schreibst.

 Jack meinte dazu am 18.07.26 um 21:15:
Es war immer schade, wenn Langbogenschützen zu Schützen upgradet werden mussten.

 S4SCH4 antwortete darauf am 19.07.26 um 03:15:
Hat Unmengen gekostet, war aber ein wirklicher Gamechanger.

 Jack schrieb daraufhin am 19.07.26 um 05:54:
Mit Stadtmauern, Schloss und Langbogenschützen als Stadtverteidigern konnte man sich große Armeen sparen und taoistische Tempel oder Prestigeobjekte wie die Große Bibliothek bauen. Wenn dann aber im Industriezeitalter Boudicca mit Kanonen und Schützen ankommt, dann verteidigen sich die Grenzstädte nicht mehr von selbst.

 Verlo (18.07.26, 10:49)
Jack, ich freue mich, daß du Leser wieder zum Autor geworden bist.

Das ist der coolste Satz, den ich bisher in meinem ganzen fucking Leben gelesen habe:

Jack hat geschrieben:
Oder auch halt nicht halt eben halt.

Kommentar geändert am 18.07.2026 um 10:52 Uhr

 Jack äußerte darauf am 18.07.26 um 21:16:
So spreche ich doch quasi sozusagen halt immer eben halt. Bei Eile lasse ich nur Füllwörter wie in diesem Satz.

 Mikael (18.07.26, 10:56)
Hab die Kornmische bei 
wir spieln Streetfighter 2

 Jack ergänzte dazu am 18.07.26 um 21:17:
Street Fighter EX Plus Aplha kann als eigenständiges Musik-Album gelten.

 AchterZwerg (18.07.26, 12:24)
a film by Karma „Freddy Krueger in Bergen Kr. Celle“

Habe schon immer geahnt, dass gerade im Landkreis Celle das allgemein unterbewertete Dasein tobt! Damit meine ich jenes der überforderten Intellektuellen.

"Mitten im Leben statt im Elfenbeinturm", nä?  8-)

 Jack meinte dazu am 18.07.26 um 21:20:
Ich wollte schauen, nach zwei Bier, warum ich den Weg in die Höhe statt in die Breite letztlich ging. Hegel ist unschlagbar, und dann auch noch mit einer naturwissenschaftlichen Grundbasis: warum stattdessen der Ego-Tod und der spirituelle Aufstieg auf den „Second Tier“ nach Ken Wilber? Heute selbstverständlich, aus der Zeit selbst heraus undenkbar.

 Aber (18.07.26, 18:04)
Für mich ist das Problem bei Deinen Beiträgen oftmals mein fehlendes Hintergrundwissen, will sagen, Du solltest in der Anmerkung zumindest eine Skizze des gedanklichen Gerüstes geben.

 Verlo meinte dazu am 18.07.26 um 18:11:
Jack, bitte keine Erklärungen zum Text!

 Aber meinte dazu am 18.07.26 um 18:12:
Ich möchte den Text auch verstehen können, lieber Verlo.

 Verlo meinte dazu am 18.07.26 um 18:14:
Aber, man muß keinen Text verstehen.

Außerdem weiß der Künstler oft nicht, was unterbewußt alles mitschwingt.

Genieße.

Antwort geändert am 18.07.2026 um 18:27 Uhr

 Verlo meinte dazu am 18.07.26 um 18:30:
Und ich war überzeugt, du willst fühlen. Lieben.

 Aber meinte dazu am 18.07.26 um 18:31:
Bevor ich einen Text lieben kann, muss ich wissen, worum es geht.

 Verlo meinte dazu am 18.07.26 um 18:59:
Mein lieber Aber, dann hast du wohl noch nie geliebt, oder?

Bist ein vergeistigtes Wesen mit gelähmten Herz?

 Aber meinte dazu am 18.07.26 um 19:32:
Frauen, aber nur ganz selten Texte.

 Jack meinte dazu am 18.07.26 um 21:26:
Eine Quasianmerkung halt eben quasi sozusagen: Welche hochintelligenten Intellektuellen bleiben ihr Leben lang auf der Stufe Grün? Und warum erleben sie Stagnation und sogar Regression (oft zu Bernstein, weil Grün-Bernstein eine toxisch stabile Kombination aus zwei Stufen der Kommunion sind: keine Agenz-Stufe bedeutet gleichzeitig Trägheit und Abschieben der Verantwortung. Wilber ist kein Hegel, aber sein System hat auch im Leben einen Nutzen, nicht nur im Elfenbeinturm).

 Aber meinte dazu am 19.07.26 um 01:32:
Wilber ist ein Carl Huter, vielleicht.

 Jack meinte dazu am 19.07.26 um 01:45:
Aus der arroganten Perspektive der europäischen Philosophie ist Ken Wilber ein Eklektizist, der keine strenge theoretische Ordnung in seinem System hat. Es wirkt zusammengeklaut und assoziativ. Aber die Amerikaner haben eine andere, lebensnahe Einstellung zu philosophischen Systemen: "It works" oder "It doesnt work". Und sein System funktioniert im Leben, das ist wichtiger als theoretische Präzision. Das erkennt man aber wiederum, wenn man die Anhaftung an intellektuelle Eitelkeit aufgelöst hat. Die meisten haften aber in viel niedrigeren Bereichen an; für sie ist ein elegantes philosophisches System, an dem sie anhaften können, kein Hindernis, sondern ein Ideal, das sie nie erreichen.

 Wastl (18.07.26, 19:57)
Wurde da ein Kantianer zum Hegelianer? Was sind da die wesentlichen Unterschiede?

 Jack meinte dazu am 18.07.26 um 21:31:
Wesentlich unterscheidet sich da nichts. Beides geniale Theoretiker, die einem Simulanten des Lebens das Simulieren des Lebens anstatt das Leben des Lebens rechtfertigen.

 Aber meinte dazu am 19.07.26 um 01:32:
Das sah Marx ähnlich.

 Jack meinte dazu am 19.07.26 um 04:25:
Aus anderen Gründen.
Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren
Zur Zeit online: