M[i]l[ch]verderben.

Text

von  aNna17

Ich bin müde vom Leben. "Lebensmüde" darf man nicht sagen, sonst ist es Aufmerksamkeitshascherei.

Du schreibst mir zehn SMS in einer Stunde. Du akzeptierst mein Gesagtes nicht. Du akzeptierst mein Geschriebenes nicht. Und überhaupt bist du abgeklärter als ich.

Und: Du hast recht. Aber es ändert nichts an meinem Nichtgefühl. Überhaupt bin ich mir sicher, nichts Menschliches mehr in mir zu haben.

Freitag.

Ich trinke meinen achten Kaffee. 4 Stück Zucker. Milch habe ich nicht.  Mein Chef redet irgendwas von Jung. Dynamisch. Flexibel. Ich möchte ihm widersprechen, aber es ist alles in einer Abhängigkeitswichse, dass ich nicken muss.

Ich gehe auf die Toilette. Irgendeine grenzdebile Hausfrau kann nicht einmal ihre Scheiße wegkratzen. SMS. Ob ich arbeiten kann. Spontan. Geld stinkt nicht. Ich bin sowieso unterbezahlt.

Samstag:

Seit 4 Stunden stehe ich hinter der Theke. Der Libanese hat wahrlich viele Ansprüche - an andere. [Die Berufserfahrung im Kellnerdasein ist wirklich für'n Arsch.] Meine Füße schmerzen und rauchen darf ich auch nicht.

Samstag:

Eigentlich ist es noch Freitag. Ich bade. Du sagst, ich soll zu dir kommen. Dich macht es nervös auf mir zu liegen. Ich versuche Menschen zu erreichen, die mich beraten.

Immernoch Samstag.

Ich bin nicht zu dir gefahren. Du sagst, ich sei alt. Vielleicht wolltest du mich an meine Jugendlichkeit erinnern. Für mich war es aber nicht im Ansatz ein Ansporn. Er redet nur mit mir, weil er Rat will. [Ich bin verletzt.]

Sonntag.

Seit 5 Stunden stehe ich hinter der Theke. Mein Antrag auf soziale Transferleistungen ist nicht mal angesehen. Dieser Libanese hat ein wirklich entstellendes Doppelkinn.

Sonntag. [Fast schon Montag.]

Ich esse etwas Gesundes.

Montag.

Eigentlich ist es Sonntag. Ich esse etwas Ungesundes.

Montag.

Ich trinke meinen vierten Kaffee. Mein Chef sagt, dass ich mich über das Entgegenkommen freuen soll.[ Ich möchte der Grenzdebilen den Schädel mit einer Axt spalten.]

Montag.

Ich esse Nutella und denke über deine SMS nach.

Kommentare zu diesem Text


 EliasRafael (05.07.10)
Braucht man nix zu zu sagen.
mia.maria (24)
(07.07.10)
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wortverdreher (36)
(11.07.10)
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Samhain (23)
(24.06.11)
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